Geschäftszahlen 2024
BASF plant kein neues Sparprogramm
BASF zieht sein Milliardenprogramm konsequent durch, plant aber keine neuen Kürzungen. Der Chemiekozern setzt für die Zukunft große Hoffnungen auf den neuen Verbundstandort in China. Zuerst müssen aber auch in Deutschland die Hausaufgaben gemacht werden.
Ludwigshafen (dpa) - Der Chemiekonzern BASF hat nach seinen milliardenschweren Sparprogrammen kein weiteres Rotstift-Konzept in der Pipeline. Damit der Chemieriese wieder wettbewerbsfähig und profitabel wird, müssten die angekündigten Kostensparprogramme aber auch durchgezogen werden, sagte Finanzvorstand Dirk Elvermann auf der Jahrespressekonferenz in Ludwigshafen. „Da können wir nicht hinter zurücktreten.“ Pläne für weitere Programme gebe es derzeit nicht.
Der Ludwigshafener Dax-Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2026 jährlich Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro umzusetzen. „Wir sind auf gutem Weg“, versicherte der Manager. Bis Ende des vergangenen Jahres seien jährliche Kosteneinsparungen von insgesamt rund einer Milliarde Euro erreicht worden. Von der Summe der Kostensenkungen entfielen rund 100 Millionen Euro auf den Standort Ludwigshafen.
Jobabbau und Anlagenschließungen
Der Stammsitz des Chemieriesen gilt wegen der zu geringen Auslastung und Wettbewerbsfähigkeit als größtes Sorgenkind des Managements. Allein in Ludwigshafen sollen nach den Plänen des Vorstands bis Ende nächsten Jahres Kosten von einer Milliarde Euro gespart werden. Insgesamt sieht die Rotstift-Strategie vor, etwa 3.300 Jobs weltweit abzubauen, davon 700 Stellen in der Produktion in Ludwigshafen.
Vorstandschef Markus Kamieth wollte keine Angaben über den bislang erfolgten Personalabbau machen. Kostensenkungen in Milliardenhöhe seien aber nur möglich, wenn dabei auch die Personalkosten signifikant gesenkt werden. Auch Anlagenschließungen seien am Standort Ludwigshafen schrittweise vorgesehen.
Sorgenkind Ludwigshafen bleibt im Fokus
„Wir werden unsere Restrukturierungsmaßnahmen konsequent weiter umsetzen, um die Kosten den aktuellen Marktbedingungen entsprechend zu senken“, betonte Kamieth bei seinem Ausblick auf die nächsten Monate. „Ein klarer Schwerpunkt dieser Maßnahmen bleibt der Standort Ludwigshafen. Die Inflation wollen wir durch Effizienzsteigerungen zumindest kompensieren.“ Bis Ende dieses Jahres soll eine jährliche Gesamtkostensenkung von rund 1,5 Milliarden Euro erreicht werden.
Für die Umsetzung der Sparprogramme sind bis zum Ende des vergangenen Jahres nach Angaben von Finanzchef Elvermann kumulierte Einmalkosten in Höhe von rund 900 Millionen Euro entstanden. Dieser Betrag entspreche etwa der Hälfte der gesamten Einmalkosten, die bis Ende 2026 erwartet werden. „Bis dahin wollen wir alle Programme abgeschlossen haben und jährlich von den vollen Einsparungen profitieren.“
Ausblick verhalten - Hoffnung auf China
Auf das laufende Geschäftsjahr schaut der Chemieriese eher verhalten: Das Management geht weiter von hohen geo- und handelspolitischen Unsicherheiten sowie einem moderaten Anstieg der Industrieproduktion, der Güternachfrage und der globalen Chemieindustrie aus. In der zweiten Jahreshälfte soll begonnen werden, den neuen Verbundstandort in China hochzufahren. Bis zum Jahresende sollen die meisten Anlagen am Start sein.
Angepeilt wird im Jahr 2025 beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen ein Wert von 8,0 Milliarden bis 8,4 Milliarden Euro. Eine Prognose zum Umsatz und Gewinn nach Steuern legte das BASF-Management nicht vor.
Gewinnplus durch Verkauf von Öl- und Gasgeschäft Wintershall Dea
Der Chemiekonzern hatte bereits im Januar die Eckdaten für sein abgelaufenes Geschäftsjahr vorgelegt: Demnach schrumpfte 2024 der Umsatz im Jahresvergleich um 5,3 Prozent auf 65,3 Milliarden Euro. Ausschlaggebend hierfür waren deutlich niedrigere Preise und Mengen. Unter dem Strich blieb dank des Verkaufs des Öl- und Gasgeschäfts Wintershall Dea ein Gewinn von knapp 1,3 Milliarden Euro nach 225 Millionen Euro im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten im Konzern reduzierte sich im Jahresvergleich nur leicht um 169 Mitarbeitende (minus 0,2 Prozent) auf 111.822. In Ludwigshafen gab es zuletzt 38.710 Beschäftigte.
BASF-Finanzchef: US-Zölle machen uns nicht übermäßig nervös
Die angedrohten Zölle von US-Präsident Donald Trump für Importe in die USA machen den Vorstand derweil nicht nervös. "Es hat ein gewisses Potenzial, es macht uns nicht wahnsinnig nervös, aber hält uns gerade beschäftigt", sagte Finanzvorstand Dirk Elvermann am Freitag in Ludwigshafen. Das allermeiste - das gelte für Europa, Nordamerika, Asien, aber auch Südamerika - werde in der Region für die jeweilige Region hergestellt. Da sei BASF von Zöllen nicht betroffen. Aber natürlich gebe es auch einen kleineren Teil, den dies treffen würde. Hier könnte ein niedriger dreistelliger Millionen-Betrag anfallen.
"Wenn es für die Chemieindustrie schwierig wird, ist die BASF gegenüber allen Wettbewerbern besser aufgestellt", fügte Unternehmenschef Markus Kamieth hinzu. BASF sei die größte oder zweitgrößte Chemiefirma in den USA. Dort sei das Unternehmen richtig gut aufgestellt und habe einen hohen lokalen Anteil. Wenn es die Chemieindustrie treffe, treffe es BASF am wenigsten.
US-Präsident Trump hat jüngst Zölle von 25 Prozent auf Importe aus der Europäischen Union angekündigt. Man habe eine Entscheidung getroffen und werde sie "bald" bekannt geben, sagte er während einer Kabinettssitzung in Washington. Betroffen seien Autos, aber auch andere Waren.
Schnelle Regierungsbildung gefordert
Nach der Bundestagswahl fordert der Chemiekonzern von Union und SPD eine schnelle Regierungsbildung. „Das Personal kennt sich, glaube ich, sehr gut, und meine Erwartung wäre, dass die relativ schnell zu Potte kommen“, sagte Kamieth in Ludwigshafen. Er erwarte von der nächsten Bundesregierung, dass sie sich auf „die wirklich wichtigen Dinge» fokussiere und diese Dinge mutig und entschlossen angehe. „Und zwar nicht im Kleinklein.“ Dann kehre auch die Zuversicht in Deutschland zurück.
„Meine Sorge ist immer, dass Politiker oft ein sehr breites Spektrum an vielen Problemfällen anschauen und an jeder Schraube ein bisschen drehen. Wenn sie aber von allem ein bisschen machen, verändert sich nicht genug“, sagte Kamieth weiter. Die Bundestagswahl habe die Ränder gestärkt. „Jetzt ist wirklich die Zeit, wo die Parteien, die die Möglichkeit haben, eine Regierung zu bilden, zeigen müssen, dass sie es können.“
Die für die Industrie wichtigen Themen seien etwa Bürokratieabbau und vernünftige Rahmenbedingungen für Investitionen sowie Energiekosten und Infrastruktur. CDU-Chef Friedrich Merz habe er noch nicht zu Gesprächen nach Ludwigshafen eingeladen, sagte Kamieth. „Aber vielleicht wäre das gar nicht so schlecht.“










