EU-Mercosur-Abkommen
Das sagen die Industrieverbände VDMA und VCI zum Freihandelsabkommen
Der Europäische Rat hat dem EU-Mercosur-Abkommen zugestimmt und damit den Weg für die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten frei gemacht. Die Zustimmung sorgt in der deutschen Wirtschaft für Erleichterung und Hoffnungen. Vor allem die Chemie- und Maschinenbauindustrie sieht darin eine Gelegenheit, ihre Position auf den Weltmärkten zu stärken.
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), spricht von „einem guten Tag für Europa“:
„Der Europäische Rat macht den Weg frei und weckt neue Hoffnung für die europäische Industrie. Es war eine schwere Geburt – aber am Ende wurde der Knoten gelöst. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen sendet die EU damit in schwierigen Zeiten ein starkes Signal: Europa will mitgestalten – und nicht nur zuschauen.“
EU-Mercosur-Abkommen: Für Große Entrup mehr als ein wirtschaftlicher Schritt
Für Große Entrup ist das EU-Mercosur-Abkommen mehr als ein wirtschaftlicher Schritt. Es setze ein außenpolitisches Zeichen:
„Auf der Weltbühne präsentiert sich die EU als verlässlicher Partner für Kooperation und fairen Wettbewerb. Ein klarer Kontrast zu China, das seine Wachstumsschwäche mit Exportoffensiven ausgleichen will, und zu den USA, die ihr wirtschafts- und sicherheitspolitisches ‚America First‘-Muskelspiel immer offensiver zur Schau stellen.“
Noch ist die Ratifizierung aber nicht abgeschlossen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kann zwar nach Paraguay reisen, doch entscheidend bleibt die Zustimmung des Europäischen Parlaments.
Die wirtschaftliche Dimension ist beachtlich: 2024 exportierte die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie Waren im Wert von 4,3 Milliarden Euro in die Mercosur-Staaten, importierte aber nur 837 Millionen Euro zurück.
Maschinenbau sieht Chancen im EU-Mercosur-Abkommen, die über Südamerika hinausgehen
Auch der Maschinenbau sieht Chancen im EU-Mercosur-Freihandelsabkommen, die über Südamerika hinausgehen. VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann empfiehlt, den Rückenwind des Mercosur-Abkommens für das Freihandelsabkommen mit Indien zu nutzen:
„Bundeskanzler Friedrich Merz sollte den Rückenwind des Mercosur-Abkommens nutzen und den Abschluss des Freihandelsabkommens mit Indien engagiert vorantreiben, am besten bis Ende Januar. Das Abkommen würde die Wettbewerbsposition unserer Industrie deutlich stärken, da Indien derzeit bis zu 8 Prozent Zölle auf Maschinenbauprodukte erhebt.“
Brodtmann warnt zugleich vor Handelshemmnissen: „Essenziell ist zudem der Abbau technischer Handelshemmnisse auf indischer Seite. Eigene indische Standards und lokale Vorgaben wie ‚Make in India‘, die den Marktzugang an die Fertigung im Land knüpfen, behindern den Handel spürbar.“
Für den Maschinenbau sei Indien ein zentraler Wachstumsmarkt, der helfen könne, Abhängigkeiten von China zu reduzieren: „Indien ist eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften und bietet enorme Potenziale für den Maschinenbau. Diese Chance sollten wir konsequent nutzen.“
Mit dem Mercosur-Abkommen – und potenziell einem Handelspakt mit Indien – könnte die deutsche Industrie ihre globale Stellung ausbauen, während die EU zugleich ein Signal an internationale Partner sendet: Europa will mitgestalten, nicht nur zuschauen.
EU-Mercosur-Abkommen: Ergebnis von mehr als 25 Jahren Verhandlungen
Das EU-Mercosur-Abkommen ist das Ergebnis von mehr als 25 Jahren Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Der Europäische Rat hat nun den Weg für die Unterzeichnung eines umfassenden Partnerschaftsabkommens sowie eines eigenständigen Übergangs-Handelsabkommens freigemacht. Während das Partnerschaftsabkommen politische Zusammenarbeit, Dialog und sektorübergreifende Kooperation bündelt und noch der Zustimmung des Europäischen Parlaments sowie der EU-Mitgliedstaaten bedarf, soll das Interimshandelsabkommen zentrale Zollsenkungen und Marktzugänge bereits vorab wirksam machen. Ziel ist es, wirtschaftliche Vorteile frühzeitig zu realisieren und zugleich Schutzmechanismen für sensible Bereiche wie die europäische Landwirtschaft zu gewährleisten.











