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Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview mit Tobias Daniel

"Erfindungsreichtum im Blut"

Comau Robotics will mit seinen Robotern und Lösungen die Automatisierung im Maschinenbau vorantreiben. Wie die passende Strategie dazu aussieht, darüber sprach SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz mit Tobias Daniel, Head of Sales and Marketing.

Tobias Daniel, Head of Sales and Marketing, bei Comau.

SCOPE: Herr Daniel, Sie sind seit 2015 gesamtverantwortlich für Sales und Marketing bei Comau. Was haben Sie in der Zeit erreicht?

Daniel: Insbesondere in Deutschland ist es uns gelungen in weniger als einem Jahre eine komplett neue Organisation aufzubauen und uns quasi von nicht existent zu einem wahrgenommenen Roboter Lieferanten zu wandeln. Besonders stolz bin ich auf das deutlich gesteigerte Markenbewusstsein und den professionellen Auftritt in den Medien und auf den Messen, wo wir jetzt auch nach außen hin professionell zeigen, was wir als Unternehmen zu bieten haben. Mein persönliches Highlight war im letzten Jahr unser Auftritt im neuen Gewand auf der Automatica. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.        

SCOPE: Wo liegen Comau’s Stärken und wo sehen Sie die Schwächen?

Daniel: Unsere Stärken liegen ganz klar in unserer Automatisierungskompetenz. Zunächst einmal haben wir als Anlagenbauer mit über 40 Jahren Historie ein Gesamtverständnis für die Problemstellung unserer Kunden. Der Erfindungsreichtum liegt Comau einfach im Blut. Zweitens kommt uns natürlich unsere Expertise aus dem Automotivebereich zugute, denn da sind die Ansprüche an Performance und Zuverlässigkeit besonders hoch. Aufgrund dieser Historie war allerdings auch das Portfolio stark an den Bedürfnissen der Automobilindustrie ausgerichtet und Comau war z.B. bei Schweißapplikationen breit aufgestellt. Mit der neuen Portfoliostrategie und Neuvorstellungen wie der Kleinrobotik-Serie „Racer“ und dem neuen Scara „Rebel-S“ weiten wir unser Angebot jetzt auch auf andere Industrien und Applikationen aus und schließen die letzten Lücken in unserem Portfolio.

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SCOPE: Welche Märkte/Branchen/Applikationen stehen vor allem im Fokus für Sie? Und wo wollen Sie vor allem wachsen?

Daniel: Das größte Wachstumspotenzial sehe ich in integrierten Robotiklösungen wie Handling, Maschinenbeschickung, Elektro- und Pick & Place- Applikationen, also in allen Bereichen, in denen Präzision und Geschwindigkeit gefragt sind. Dementsprechend haben wir aktuell auch unsere Kleinrobotik-Familie „Racer“ um zwei weitere Roboter mit 5 und 7 kg Traglast ergänzt. Die Robotik hält aber in immer mehr Branchen Einzug und die Anwendungsgebiete weiten sich stetig aus. Unser Ziel ist es mit den neuen Produkten auch diese Branchen optimal zu bedienen.

SCOPE: Comau hat sich in Deutschland neu aufgestellt. Was sind Ihre Pläne für den deutschen Markt?

Daniel: In Deutschland haben wir zunächst den Hauptsitz der Robotics von Dreieich bei Frankfurt nach Köln verlegt, um Synergien mit dem dort angesiedelten Anlagengeschäft zu gewinnen und weitere Vertriebsbüros in München und Böblingen eröffnet. Diese Präsenz werden wir mit zunehmendem Geschäft weiter ausbauen. Unser mittelfristiges Ziel ist es, dass Comau als Robotik-Lieferant in einem Atemzug mit den etablierten Lieferanten genannt wird und dabei für ein innovatives und leistungsstarkes Produktportfolio steht. Die angepeilten Wachstumsraten liegen deutlich im zweistelligen Bereich und das gegenwärtige Geschäft zeigt, dass dieses Ziel nicht utopisch ist.

SCOPE: Wo liegt der Background von Comau?

Daniel: In Bezug auf unseren Background sind die Stichworte „Automatisierung“, „Anlagenbau“ und „Fiat Chrysler Automobiles“. Comau gehört zu den weltweit größten Anlagenbauer in der Automatisierungstechnik und ist schon seit über 40 Jahren im Markt aktiv, auch in Deutschland. Als FCA-Tochter war Comau Robotics allerdings in der Vergangenheit primär darauf ausgerichtet, ein highperformance Roboterportfolio für den eigenen Konzern zu liefern. Es gab darüber hinaus zwar auch zahlreiche Kunden außerhalb von Fiat, dies war aber bis vor kurzem nicht der Fokus der Go-to-market Strategie.

SCOPE: Und was ist Ihre Strategie für den internationalen Markt?

Daniel: Die internationale Strategie sieht so aus, dass wir weltweit eine flächendeckende Vertriebs- und Servicestruktur aufbauen und neben den lokalen Ansprechpartnern auch lokale Kompetenzzentren für Applikationsberatung einrichten. Um die Nähe zum Kunden sicherzustellen arbeiten wir an einem ausgeprägten Partnernetzwerk und Robotics Benelux in den Niederlanden ist ein Beispielen dafür, wie unser Distributoren Netzwerk aktuell wächst. Die ersten Kooperationen wie Spanien, Frankreich und eben Benelux sind bereits in trockenen Tüchern und in Dänemark und Finnland ziehen wir nun direkt nach. Generell spielt das Thema Partnerschaft auch mit etablierten Automatisierungslieferanten eine Rolle wie z.B. Open Robotics mit B&R. Unser globales Ziel ist es, Comau international als Marke zu positionieren, die für Innovation, Qualität und ein Hightech-Portfolio steht.

SCOPE: Seit letztem Jahr bietet Comau den Aura an, einen kollaborierenden Schwerlastroboter. Was ist hier das Besondere?

Daniel: Aura steht für Advanced Used Robot Arm und ist ein modulares Konzept basierend auf Standardrobotern, das es erlaubt auch hohe Traglasten im MRK-Modus zu bewerkstelligen. Aura arbeitet zunächst einmal so wie von der ISO Norm vorgeschrieben, mit einer Kombination aus Visionsystem und Laserscannern, so dass die Position und Entfernung des Werkers zum Roboter bestimmt werden kann. Wenn der Werker sich dem Roboter nähert, verlangsamt der Roboter ab einem bestimmten Grenzwert seine Bewegung auf die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 250 mm/s. Das Besondere an Aura ist nun aber die sensitive Außenhülle, die mit verschiedenen Sensoren ausgestattet ist. Hier können je nach Applikation die Näherungs- oder die Kontaktsensoren am Roboter aktiviert werden und somit eine Berührung zwischen Werker und Roboter verhindert werden. Aura fühlt quasi die Präsens von Menschen und reagiert entsprechend.

SCOPE: Was unterscheidet Aura von den kollaborativen Robotik-Lösungen anderer Hersteller?

Daniel: Der Unterschied liegt in der Verwendung eben dieser beschriebenen Näherungssensoren und Kontaktsensoren. Dies ermöglicht eine echte Interaktionmit dem Roboter. Bei Aura aber ist es möglich wirklich nah am Roboter zu sein und Schulter an Schulter mit dem Roboter weiterzuarbeiten, ohne dass es zu einem Stopp kommt und ohne dass der Werker einer Gefahr ausgesetzt wird. Dafür sorgen die 6 Sicherheitsfunktionen: Laserscanner, Sichtsystem, Näherungs- und Berührungssensoren, Handgelenk-Kraftsensor und die Schaumstoffverkleidung des Roboters.

Wir heben uns vom Wettbewerb ab, indem wir uns an den Schwerlastbereich trauen und einen Cobot mit 110 kg Traglast anbieten werden, während die bestehenden kollaborierenden Lösungen sich hauptsächlich auf Kleinrobotik beschränken. Außerdem ist es möglich, dass der Werker den Roboter mit der Hand führt und ihm die Bewegung des Arbeitsschritts zeigt und beibringt. Anschließend führt der Roboter diese Bewegungen dann selbstständig aus.

SCOPE: Comau hat ebenfalls im letzten Jahr erstmalig einen Scara-Roboter vorgestellt. Was ist hier die Innovation?

Daniel: Die Innovation bei unserem neuen 4-Achser Rebel-S ist der modulare Aufbau, vergleichbar mit dem Legobaukastenprinzip. Wir bieten fünf Modellvarianten mit einer Nutzlast von 6 kg und drei verschiedenen Reichweiten an, die durch Distanzelemente, sprich Module, realisiert werden und den Aktionsradius des Roboters vergrößern. Mit einem Erweiterungssatz bestehend aus Modulen und Kabeln sind die fünf Modelle untereinander austauschbar. Einen kaufen, fünf bekommen!

SCOPE: Was sind die Hintergründe Ihrer Kooperation mit dem Steuerungshersteller B&R?

Daniel: Unsere Kooperation besteht in der gemeinsamen Lösung Open Robotics, mit der wir die vollständige Integration der Robotersteuerung in die Anlagensteuerung ermöglichen. Konkret bedeutet das, dass der Roboter in die Automatisierungsumgebung von B&R integriert ist, so dass zwischen der Anlagensteuerung und dem Roboter kein zusätzlicher Roboter Controller mehr nötig ist.

SCOPE: Was unterscheidet Open Robotics von ähnlichen Lösungen des Wettbewerbs, (z.B. Siemens und Kuka), die auch Powerlink-Schnittstellen in ihre Robotersteuerung einbauen?

Daniel: Open Robotics verzichtet vollständig auf zusätzliche Gateways oder Schnittstellen, so dass wir hier von einer echten Integration sprechen. Durch den Wegfall einer Steuerungsebene profitiert der Kunde von einem vereinfachten Engineering, geringerem Wartungsaufwand und schnelleren Reaktionszeiten der Gesamtanlage. Es gibt dann nur noch ein zentrales Engineering, also ein Tool für PLC, HMI und den Roboter.

SCOPE: Zu Ihnen persönlich: Womit kann man Sie begeistern?

Daniel: Ein wichtiger Treiber für mich ist der Erfolg und die Anerkennung, wenn man Herausforderungen meistert. Die Messlatte erhöht sich natürlich im Laufe der Zeit und es macht mir Spaß mich immer neu zu beweisen. „Life begins at the end of your comfort zone“: Herausforderungen, Veränderung und Neues zu gestalten geben mir positive Energie. Das war auch einer der Motivationsgründe, die spannende Aufgabe bei Comau zu übernehmen und die Neuausrichtung von Comau Robotics mitzugestalten. Generell verbringe ich gerne Zeit mit Menschen, von denen ich lernen, aber auch Erfahrungen weitergeben und austauschen kann. Am einfachsten und schnellsten kann man mich aber mit sportlichen und emotionellen Autos begeistern.

SCOPE: Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit und was zeichnet Sie aus?

Daniel: Freizeit ist beim mir in der Regel sehr eng mit Sport, Natur und gutem Essen verknüpft. Ich liebe die Berge zum Bergsteigen und Skifahren, genieße es aber auch in traumhaften Insel-Landschaften einfach die Seele baumeln zu lassen. Somit passt meine neue Wahlheimat Italien natürlich sehr gut zu meinen Vorlieben.

Generell versuche ich, starke Extreme zu vermeiden und die Dinge im Gleichgewicht zu halten. Beim Sport kombiniere ich z.B. Joggen oder Bergsteigen mit Yoga und Fitnessstudio.

Privat wie beruflich können sich meine Freunde und Kollegen stets 100-prozentig auf mich verlassen. Ich halte mich für einen sehr geradlinigen und offenen Partner, der auch stets für Spaß zu haben ist, dabei allerdings nie den notwendigen Ernst und die Konsequenzen aus dem Auge verliert.

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