Flexibel im Cloud-Standard
Produktionssteuerung mit SAP – aus der Cloud
Aus der Cloud heraus bietet das MES (Manufacturing Execution System) von SAP zahlreiche Vorteile und kann Motor für Innovationen sein. Für eine möglichst unkomplizierte Implementierung im standardisierten Cloud-Umfeld hilft der Fit-To-Standard-Ansatz – und ein versierter Partner.
Produktionsleitsysteme (MES) steuern sämtliche Abläufe an den Linien und sind damit der Dreh- und Angelpunkt aller Fertigungsprozesse in einer Fabrik. Um bisher im eigenen Rechenzentrum oder von einem Dienstleister betriebene Lösungen durch ein Cloud-natives MES wie SAP Digital Manufacturing (DM) abzulösen, bietet der Walldorfer Softwarehersteller einen sehr hilfreichen Ansatz: „Fit To Standard“ soll es Unternehmen leichter machen, die Vorteile der Lösung zu nutzen, ohne komplett auf eigene Anpassungen verzichten zu müssen.
Schneller und kostengünstiger durch Standardisierung
Cloud-Plattformen sind hochstandardisierte Umgebungen – ein Umstand, der im Hinblick auf die IT-Infrastruktur eines MES gleich mehrere Vorteile mit sich bringt. Zum einen ermöglicht ein vorgegebener Standard eine schnelle Implementierung, auch in großem Maßstab und an vielen Standorten: So wird ein Industriekonzern SAP DM beispielsweise in insgesamt 100 Fabriken innerhalb von nur sieben Jahren ausrollen. Diese Geschwindigkeit wäre – schon allein aufgrund der benötigten Infrastruktur – im klassischen IT-Betrieb undenkbar.
Zum anderen spielen auch die Kosten eine Rolle. Jede Anpassung oder Erweiterung verursacht nicht nur einen hohen Entwicklungsaufwand, sondern auch der laufende Betrieb wird betreuungsintensiver. Und erfahrungsgemäß hakt es am meisten bei Abläufen, die vom Standard abweichen. Hier können dann die Ausgaben, etwa für Application Management Services, ebenfalls schnell in die Höhe schießen. Wer im Standard bleibt, hat diese Probleme nicht.
Vom Flickenteppich zur einheitlichen MES-Landschaft
Eine Implementierung von SAP DM als Cloud-natives MES ist jedoch auch unter strategischen Gesichtspunkten sinnvoll. Denn gerade in großen Unternehmen, die viele Produktionsstandorte betrieben und mitunter auch neue Fabrikanlagen zukaufen, stehen oft vor einem „Flickenteppich“ verschiedener klassisch On-Premises-betriebener MES. Das macht eine Harmonisierung und Orchestrierung organisationsweiter Prozesse sehr schwierig. Werden die Produktionslinien über ein zentral in der Cloud betriebenes MES wie SAP DM gesteuert, besteht das Problem nicht. Und darüber hinaus ist diese Einheitlichkeit Voraussetzung für eine unternehmensweite Datenbasis, die Transparenz bzgl. der Werke und des gesamten Produktionsnetzwerks schafft.
Fit-To-Standard als Innovationstreiber
Noch interessanter wird es, wenn die Produktionsdaten zusätzlich mit ERP-Daten in Beziehung gesetzt werden. So lässt sich ein nah am Cloud-Standard implementiertes SAP DM sehr gut mit einem ebenfalls in der Cloud betriebenen ERP-System, etwa S/4HANA, verzahnen, wenn beide Lösungen innerhalb der gleichen Umgebung betrieben werden. Diese harmonische Zusammenarbeit trägt wesentlich zur Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette bei und ist Grundlage für gezielte effizienzsteigernde Maßnahmen.
Und auch im Hinblick auf Innovation empfiehlt sich der Fit-To-Standard-Ansatz. Denn SAP veröffentlicht neue Funktionalitäten im Rahmen einer konsequenten Cloud-first-Strategie zuerst für Cloud-native Lösungen wie SAP DM und S/4HANA. Das gilt auch und insbesondere für KI-basierte Features über SAP Joule als intelligentem Assistenten. Wer von den kurzen Innovationszyklen vollumfänglich und ohne großen Testaufwand profitieren will, sollte sich möglichst „innerhalb der Leitplanken“ bewegen.
Die Herausforderung: Cloud-Standard vs. individuelle Prozesse
Eine Implementierung nah am Standard bringt also zahlreiche Vorteile. Damit Unternehmen jedoch von diesen profitieren können, müssen sie eine zentrale Herausforderung bewältigen und einen gangbaren Mittelweg zwischen Cloud-Standard und individuellen Prozessen finden. Gerade MES bilden häufig über Jahre gewachsenes, branchenspezifisches Know-how ab, und dieses soll durch den Wechsel der Betriebsumgebung nicht komplett verloren gehen.
Die gute Nachricht ist, dass die standardisierten Grundfunktionalitäten von SAP DM die allermeisten Anforderungen von Produktionsunternehmen bereits sehr gut abdecken. Zudem lassen sich mit dem Production Process Designer oder dem Production Operator Dashboard Designer umfassende Anpassungen vornehmen.
Die Kunst besteht darin, die Standardfunktionen von SAP DM detailliert zu kennen und so mit den Anforderungen in Einklang zu bringen, dass möglichst wenig „verbogen“ wird, während die individuellen, über Jahre etablierten Abläufe weitestgehend erhalten bleiben.
Branchenspezifische Templates für schnelle Erfolge
Für eine erfolgreiche und möglichst unkomplizierte Fit-To-Standard-Implementierung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem externen Partner wie etwa Syntax. Dieser sollte insbesondere auf zwei Gebieten einschlägige Erfahrung und Expertise mitbringen.
Im Hinblick auf die technische Umsetzung hat er idealerweise SAP DM-Templates mit branchenspezifischen, vorkonfigurierten Funktionalitäten im Portfolio. So lassen sich auch spezielle und komplexe Fertigungsverfahren wie Spritzguss auf Basis von Best Practices steuern, was eine schnelle Inbetriebnahme ermöglicht. Ein gutes Template ist aber keineswegs eine starre Vorgabe, sondern lässt IT und Werkern im Sinne von Fit-to-Standard Auswahlmöglichkeiten für individuelle Konfigurationen.
Sind Anpassungen nötig, können diese über die SAP Business Technology Platform (BTP) realisiert werden. Zudem empfiehlt sich immer ein Blick über den SAP-Tellerrand. Manchmal lassen sich größere Entwicklungen, etwa durch kleinere Low-Code-/No-Code-Anwendungen, auf Basis der Microsoft Power Platform umgehen. Eigene Entwicklungen über die SAP Business Technologie Platform (BTP) sind sehr kostenintensiv und komplex. Es gilt, immer die Balance zwischen Zuverlässigkeit und einem Workaround nah am Standard zu finden.
Key User sind der Schlüssel zum Erfolg
Implementierungspartner, die Fit-To-Standard-Projekte begleiten, benötigen zweifellos technische Expertise, mindestens genauso wichtig ist aber auch der menschliche Faktor im Rahmen eines professionellen Change Managements.
Denn um sämtliche Vorteile von SAP DM voll auszuschöpfen, müssen alle Beteiligten auf Kundenseite abgeholt werden. Das gilt für das Management, vor allem aber für die Personen, die täglich mit der neuen Lösung arbeiten werden. Gute Berater beziehen alle Beteiligten frühzeitig mit ein und zeichnen ein klares und realistisches Bild von den innerhalb der „Leitplanken“ vorhandenen Spielräume auf.
Eine besondere Rolle kommt dabei den Key Usern im Unternehmen zu. Wer sie von Anfang an einbindet, schult und schon früh eigene Demos entwickeln lässt, fördert Kreativität und Neugierde und gewinnt interne Befürworter der neuen Lösung, die helfen, Vorbehalte in der Belegschaft abzubauen.
Autor:
Dr. Jakob Weber, Head of Digital Factory bei Syntax









