Flexible Automatisierung

Andreas Mühlbauer,

Variation beim unbemannten Fräsen

Eine anpassbare Plattform ermöglicht es einem Zerspanungsunternehmen, seine Automatisierung flexibel zu gestalten und jederzeit neue Maschinen hinzuzufügen.

Paletten-Handling bei Edumar. © BMO Automation

Auf dem Weg zu einer noch flexibleren mannlosen Fertigung fiel die Wahl des niederländischen Fertigungsbetriebs Edumar Metaalbewerking bereits zum zweiten Mal auf eine Verbundlösung der Automatisierungsspezialisten BMO und Hedelius Maschinenfabrik.

Die Infinity-Zelle mit dem 5-Achsen-Bearbeitungszentrum Hedelius Acura 85. © BMO Automation

Edumar Metaalbewerking ist der Pilotkunde für die neue Infinity-Plattform, eine flexible, anpassbare Automatisierungsplattform von BMO Automation, die mit dem Zerspanungsunternehmen wächst. Die beiden Gründer und Inhaber von Edumar Metaalbewerking, Eduard und Marius Wijlaars, blicken auf einen Werdegang bei Philips zurück. "Wir möchten unsere eigenen Erfahrungen gerne an unsere Kunden weitergeben und ihnen zeigen, wie sie die Herstellung ihrer Werkstücke noch weiter optimieren können", erläutert Eudard Wijlaars. Sozial verantwortungsbewusstes Unternehmertum ist für die beiden Brüder aus Someren, Niederlande, selbstverständlich. "Wir versuchen, so viel wie möglich für die Gemeinschaft in Someren zu tun." Dies reicht von dem Angebot von Praktikumsplätzen über die Beteiligung an einer beruflichen Fachausbildung, in deren Rahmen erfahrene Fachleute von Edumar wöchentlich Unterricht anbieten, bis hin zur Bereitstellung von Mittagessen für die Mitarbeiter.

Erfahrung mit Automatisierung

Ihren ersten Roboter kauften die beiden Brüder bereits im Jahr 2006. Eduard Wijlaars erinnert sich an die Anfänge der automatischen Beladung einer CNC-Maschine. Die Fräsmaschine hatte die Produkte auf den 12 Paletten innerhalb von zwei Stunden abgearbeitet. "Ich bin von zu Hause aus wieder in die Firma zurückgefahren, um neue Werkstücke aufzuspannen. Deshalb war ich nach wenigen Wochen schon nicht mehr ganz so glücklich mit dieser Lösung." Innerhalb eines Jahres wurde ein Roboter mit 30 Palettenpositionen angeschafft. Und 2012 kaufte Edumar die erste BMO-Roboteranlage. Heute sind bei Edumar mehrere Roboterzellen von BMO Automation im Einsatz. "Die Vertragsprodukte stellen wir an den Wochenenden und über Nacht her, damit sie nicht mit anderen Aufträgen kollidieren. Über Nacht und an den Wochenenden laufen unsere Maschinen immer. Wir verarbeiten immer mehr kleine Stückzahlen in großer Vielfalt, also so genanntes ‚low volume high mix‘."

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Anfang 2022 erhielt Edumar einen Großauftrag zum Fräsen von Aluminiumplatten für eine Produktionshalle in der Halbleiterindustrie. Es ging um eine große Stückzahl in einer Größe von mehr als 600 mm im Quadrat. Aufgrund ihrer Größe waren sie daher nicht für den Einsatz in der Titanium-Zelle von BMO geeignet. Den beiden Brüdern war klar, dass für einen Auftrag dieser Größenordnung eine Automatisierung erforderlich war. Eduard Wijlaars: "Frank Biemans versprach, eine Lösung zu finden. Wir wollten aber nicht nur die großen Platten laden, sondern später in der neuen Zelle auch kleinere Bauteile unbemannt fräsen können." Ein paar Monate später war der Lieferant Pilotkunde für die Infinity-Plattform von BMO, die auf der EMO 2023 vorgestellt wurde. Die Zelle zeichnet sich durch ihren modularen Aufbau aus. Die Höhe der standardisierten Träger für Produkte und Werkzeuge ist einstellbar. Diese dynamische Lagerung wird mit intelligenten Algorithmen gesteuert: In den Infinity-Lagermodulen lässt sich die Höhe für die Träger in Schritten von 5 cm vollautomatisch anpassen – anhand der gemessenen Höhe während der Zuführung. Auf diese Weise passen sich die Lagermodule dynamisch an die zu bearbeitenden Aufträge an. "Dadurch wird es für uns noch einfacher, Produkte in großer Vielfalt unbemannt herzustellen", sagt Eduard Wijlaars.

Gemeinsam mit dem Unternehmen wachsen

Der modulare Aufbau macht die Infinity-Plattform zu einer nachhaltigen Investition. Lagermodule lassen sich nach Bedarf hinzufügen. Oder man beginnt mit der einen Variante und erweitert diese dann um die andere. Edumar zum Beispiel begann mit der Palettenbeladung nur, weil sie die Zelle schnell einsetzen wollten. Die Erweiterung um Produkthandling nahm kaum einen Tag Arbeit in Anspruch. Genauso einfach lässt sich auch die nächste CNC-Maschine zur Plattform hinzufügen. Ursprünglich war die Infinity-Plattform bei Edumar mit einem 3-Achsen-Bearbeitungszentrum Hedelius Forte 65 gekoppelt. Ein paar Monate später kam das 5-Achsen-Bearbeitungszentrum Hedelius Acura 85 dazu. "Daraus ergab sich auch der Bedarf an Produkthandling", erläutert Eduard Wijlaars. "Wir stellen viele Produkte auf dem Fünfachser her." Für die Zukunft plant Edumar die Erweiterung der Inifinity-Zelle um automatische Beladung mittels einem AMR – eine Option, die bereits vorbereitet ist.

Die Infinity-Software

BMO Automation steuert die Produktion in der Zelle über seine eigene Job-Management-Software. Mit der Option Tool Life Management bewertet die Software anhand der Betriebsstunden automatisch, ob die Standzeit für die geplante Produktion noch ausreicht. Ist dies nicht der Fall, wird der Bediener während der Einrichtung automatisch gewarnt. "Je kleiner die zu fräsenden Batches sind, desto wichtiger ist diese Tool Life Management Software", sagt Eduard Wijlaars. "Die Software hilft, den Stillstand von Maschinen zu vermeiden. Wenn die Bediener die gesamte Liste abgehakt haben, können sie die Maschinen mit gutem Gefühl einschalten." Die einfache Bedienung der Software ist für ihn eine unabdingbare Voraussetzung. "Für den Bediener sollte die Software so einfach wie möglich sein. Er möchte nicht unbedingt 9 Achsen programmieren oder einen Roboter mit einem Teach-Panel programmieren."

Die Infinity-Plattform lässt sich problemlos für die Bedienung von mehr als zwei CNC-Maschinen einrichten. Bei Edumar belässt man es bewusst bei zwei CNC-Maschinen. Laut Eduard Wijlaars ist dies effizient genug. "Wenn man die Kosten des Roboters gegen die einer Maschine abwägt, ist eine Zelle mit zwei CNC-Maschinen eine gute Lösung, vor allem, wenn wir bald mit dem AMR arbeiten." Sobald die neue Halle fertig ist, wird dort ein großes Regal für die Lagerung stehen und davor ein Roboter, der den AMR beladen wird, um die Infinity-Plattform automatisch mit Materialien, Werkstücken und bald auch mit Werkzeugen zu versorgen.

Mit einer Lösung wie der Infinity-Plattform ist die Automatisierung außerordentlich flexibel. "Wir halten unsere Mitarbeiter nicht dazu an, härter zu arbeiten, sondern motivieren sie eher dazu, intelligenter zu arbeiten. Am liebsten hätte ich faule Leute, denn die lassen die Maschinen und den Roboter die Arbeit tun", lacht der Metallunternehmer aus den Niederlanden.

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