Software

Intelligentes Standardisieren, Teil 3

Rainer Hochgeladen

Bild 1: Diese beiden einfachen Strukturen beschreiben dasselbe Teil. Links erschließt sich die Parametrik dem Betrachter nahezu von selbst. (Quelle: SmardCAD Deutschland GmbH).

Ulm

Oft ist es erstaunlich, welche weit reichende Wirkung recht einfache Maßnahmen entfalten. Ein eindrucksvolles Beispiel im Rahmen von Standardisierungsbemühungen liefern Strukturierung und einheitliche Nomenklatur.

Die Standardisierung in der Konstruktion ist ein weites und manchmal komplexes Feld. Das Gute daran: Oft können in sich abgeschlossene Einzelmaßnahmen getroffen werden, die eine große Wirkung entfalten, ohne zwingend in umfangreiche Gesamtkonzepte eingebettet zu sein. Trotzdem sind sie für übergreifende, strategische Vorhaben wertvoll und häufig unverzichtbar. Im Gegensatz zur Strukturierung, ist die Standardisierung der Nomenklatur bei der CAD-Konstruktion ein gutes Beispiel dafür.

CAD-Systeme erstellen automatisch für alle erzeugten Komponenten schematisierte Bezeichnungen. Dabei kann nur die Art des erzeugten Elementes berücksichtigt werden und nicht die Funktion. In Catia V5 beispielsweise werden Ebenen in Englisch mit »Plane.1« und »Plane.2« sowie in Deutsch mit »Ebene.1« und »Ebene.2« bezeichnet, wobei die Nummerierung kein semantisches Gewicht hat. Ein Konstrukteur würde dagegen in der Bezeichnung lieber die Funktion wiederfinden, beispielsweise »Trennebene« statt »Plane.27«. Deswegen erlauben nahezu alle CAD-Systeme das individuelle Umbenennen der geometrischen Elemente.

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Eine Randbemerkung dazu: In Catia V5 werden Elemente, die ihren vom System vergebenen Standardnamen behalten, nationalsprachlich angepasst. Wird eine Ebene in einer englischsprachigen Catia-Umgebung erzeugt, heißt sie beispielsweise »Plane.27«. Wenn die erstellte Datei danach in einem deutschsprachigen Catia geöffnet wird, so heißt diese Ebene dort »Ebene.27«. Ein Makro, welches sich auf ein derartiges Element bezieht, muss diesem Umstand Rechnung tragen und entsprechend mehrsprachig agieren. Wurde die Ebene jedoch in »Trennebene« umbenannt, so bleibt diese Bezeichnung in allen Sprachumgebungen erhalten.

Das Umbenennen erzeugter geometrischer Elemente ist ohne Zweifel ein gewisser Aufwand, der sich aber immer lohnt und oft unverzichtbar ist. Ein Beispiel dafür sind die beiden einfachen Strukturen in Bild 1, die dasselbe Teil beschreiben. Während die Rechte schlicht unlesbar ist, erschließt sich die Parametrik der Linken dem Betrachter nahezu von selbst. Dabei sind die Bezeichnungen durchaus praxisgerecht gewählt, denn es wurden nicht alle Elemente neu bezeichnet, sondern nur die für das Verständnis Wichtigen. Außerdem wurden zwar Abkürzungen verwendet, aber dieses geschah konsistent.

Nun gehen die Auffassungen darüber, was »wichtig« ist, oft weit auseinander. Deshalb ist ein einfaches, kurzes und nicht interpretierbares Regelwerk erforderlich. Einfach, weil es von allen Betroffenen ohne Mühen verstanden werden soll; kurz, weil alle, die damit zu tun haben, es lesen sollten; nicht interpretierbar, weil ein Standard 1:1 umgesetzt und nicht gedeutet werden sollte. Nachfolgend – exemplarisch – ein Vorschlag, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder auf hundertprozentige Treffgenauigkeit im Einzelfall. Zunächst: Was sollte unbedingt umbenannt werden, und nach welchem Prinzip soll dies erfolgen? Zur Bezeichnung bietet sich vordergründig die Teilenummer (wie Sachnummer) an. Das ist sinnvoll bis hinab zur Teileebene; auf Sub-Teileebene, also bei Körpern, geometrischer Hilfsgeometrie und Ähnlichem, sollte zur Namensfindung die Funktion des Elementes herangezogen werden. Danach sollten individuell benannt werden: alle Parameter, alle Körper, alle Sets geometrischer Elemente, alle Achsen beziehungsweise Mittellinien, alle Mittelpunkte, alle Referenz- und Bezugselemente, wichtige Relationen (Formeln, Regeln), wichtige Hilfsgeometrie und – in Catia – alle veröffentlichten Elemente. Die Bezeichnung besteht stets erstens aus einer einleitenden Abkürzung, die zwingend so zu verwenden ist, und zweitens aus einem freien Teil, den der Konstrukteur vergibt. Oft ist es vorteilhaft, die Abkürzungen so zu wählen, dass sie möglichst für deutsche und englische Umgebungen gleich gut verwendbar sind (Tabelle 1).

Abschließend ein Wort zum so genannten »Exemplarnamen« (Instance Name), der beispielsweise in Catia V5 zur Verfügung steht und der häufig falsch genutzt wird. Betrachten wir eine Schraube, DIN 912 M14x30, die einen Träger an einer Platte befestigt. Die Sachnummer der Schraube ist sinnvollerweise eine Zeichenkette, die ein Segment »DIN912M14x30« enthält, und der betreffende Dateinamen (Dokumentenname, Document Name, File Name) wird in der Regel (weitestgehend) identisch sein. Historisch bedingt besetzen heute die meisten Nutzer die Exemplarbezeichnung mit derselben Zeichenkette, was aber nicht im Sinne des Erfinders ist. Hier sollte wiederum eine Bezeichnung benutzt werden, die auf die Funktion hinweist, beispielsweise »Traegerschraube«. Das ist sinnvoll, weil diese Schraube auch dann die Trägerschraube bleibt, wenn sie aus technischen Gründen zum Beispiel verstärkt werden muss. Das ändert zwar die Sachnummer (beispielsweise in »DIN912M16x30«), nicht aber die Verwendung!

Und noch ein Aspekt ist zu beachten: Context-Links in Catia V5 verweisen auf das Exemplar, CCP-Links auf den Dateinamen. Jedwede Geometrie, die mit Context-Links arbeitet und sich daher auf das Exemplar bezieht, wird ihre Links ohne weitere Maßnahmen beibehalten, wenn die bezogene Komponente ersetzt wird. Wenn sich aber der Exemplarname (außerhalb des Context) verändert, reißt der Link ab und muss aufwändig repariert werden!

Eine einheitliche Nomenklatur ist eine große Erleichterung für alle Beteiligten und eine wichtige Grundlage für die weiterführende Standardisierung, beispielsweise für die Strukturierung, mit der sich der nächste Artikel befassen wird. -fr-

SmardCAD Deutschland GmbH http://www.smardcad.com

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