Bosch Rexroth auf der SPS
„Automatisierung wird zunehmend softwaregetrieben und vernetzt"
Auf der SPS 2025 rückt Bosch Rexroth die softwaregetriebene Automatisierung in den Mittelpunkt. Im Kurzinterview erläutert Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions, welche Technologien derzeit im Fokus stehen, welche Branchentrends für das Unternehmen besonders relevant sind und vor welchen Herausforderungen die Automatisierungsbranche in den kommenden Jahren steht. Zudem berichtet er, welches Messehighlight für ihn persönlich den besonderen Reiz der SPS ausmacht.
Industrial Production: Herr Winkler, welche Technologien stehen bei Bosch Rexroth im Mittelpunkt?
Steffen Winkler: Im Mittelpunkt unseres Messeauftritts stehen das Automatisierungssystem "ctrlX AUTOMATION" und das zugrunde liegende Betriebssystem "ctrlX OS" mit seinem umfassenden Ökosystem. Beide stehen für Offenheit, Konnektivität und Sicherheit in der Automatisierung.
Mit ctrlX OS zeigen wir, wie sich IT und OT immer stärker verzahnen. Das System läuft hardwareunabhängig – von der Feldebene bis in die Cloud – und ermöglicht durchgängige Kommunikation, Analyse und Management. Ein besonderes Highlight ist die Virtualisierung von ctrlX OS: Anwendende können ihre Software künftig völlig flexibel dort betreiben, wo sie den größten Nutzen bringt – ob direkt auf der Maschine, am Edge oder zentral im Rechenzentrum.
Darüber hinaus erweitern wir unser Portfolio um KI-gestützte Funktionen auf allen Leistungsebenen: von der Steuerung über Motion-Komponenten bis hin zu Vision-Anwendungen. Mit der neuen Safety PLC App gehen wir zudem einen großen Schritt in Richtung softwarebasierte Sicherheit, ganz ohne zusätzliche Hardware.
Welcher Branchentrend hat für Ihr Unternehmen derzeit die größte Relevanz?
Wir erleben derzeit den wohl größten Technologiewandel seit Jahrzehnten: Automatisierung wird softwaregetrieben und virtualisiert. Während früher Produktivität vor allem durch leistungsstärkere Hardware erzielt wurde, kommen die Impulse heute aus Software, Virtualisierung und Industrial AI. Intelligente Funktionen lassen sich in bestehende Systeme integrieren und schaffen dort sofort Mehrwert, zum Beispiel durch Qualitätskontrolle in Echtzeit oder Unterstützung von Fachkräften bei ihren Prozessen.
Ein weiterer zentraler Trend ist Co-Creation. Es geht nicht mehr darum, alles allein umzusetzen, sondern das Beste aus verschiedenen Welten intelligent zu kombinieren. Mit unserem offenen Partnernetzwerk ctrlX World, das inzwischen über 110 Partner und über 85 Apps umfasst, leben wir genau dieses Konzept. Kurz gesagt: Offenheit wird in Zukunft zum Innovationsmotor – und Sicherheit zur elementaren Voraussetzung für einen stabilen Betrieb.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihre Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren?
Die Herausforderungen sind vielfältig: Zum einen spüren wir weiterhin die konjunkturelle Schwäche und geopolitische Unsicherheiten, etwa durch Zölle oder den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus Asien. Zum anderen müssen wir in Europa bei den Themen Industrial AI und Softwarekompetenz weiter an Tempo gewinnen.
Ein großes Thema ist außerdem Cybersecurity. Mit zunehmender Vernetzung steigt die Angriffsfläche, und der kommende Cyber Resilience Act (CRA) stellt hohe Anforderungen an Hersteller. Wir setzen hier konsequent auf Secure by Design und Secure by Default. ctrlX OS ist nach IEC 62443-4-2 zertifiziert und bereits heute auf den CRA vorbereitet. Zusätzliche Funktionen wie ein integrierter Security Scanner bieten Transparenz beim Sicherheitsstatus kompletter Maschinenparks.
Kurz gesagt: Die Automatisierung wird zunehmend softwaregetrieben und vernetzt – muss dabei aber umso sicherer ausgelegt sein.
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen bin ich überzeugt optimistisch. Wir stehen nicht am Ende einer Ära, sondern am Beginn einer neuen.
Erstens: Die Technologien, über die wir lange gesprochen haben – Software, KI, Virtualisierung – kommen jetzt in der Praxis an.
Zweitens: Der Wettbewerbsdruck zwingt uns, schneller und offener zu werden. Proprietäre Grenzen lösen sich auf, und es entstehen neue Partnerschaften. Das ist nicht nur technischer Fortschritt, sondern ein kultureller Wandel.
Und drittens: Die Branche denkt heute in Ökosystemen statt in Komponenten. Europas Stärke liegt genau hier: in der Integrationskompetenz, im Engineering-Know-how und im Mut zu Kooperationen.
Und ganz persönlich: Was ist für Sie das Highlight an der SPS 2025?
Für mich ist und bleibt die SPS der zentrale Treffpunkt der Automatisierungsbranche – ein Muss für alle, die sehen wollen, wohin sich die Industrie entwickelt. Mein persönliches Highlight ist, dass wir an unserem Stand nicht nur unsere Technologie präsentieren, sondern viele Partner mit dabei haben. Das macht greifbar, wie Innovation entsteht, wenn unterschiedliche Stärken zusammenkommen.
Unsere Live-Demos und Partnerlösungen zeigen eindrucksvoll, wie Offenheit und Sicherheit gemeinsam funktionieren – und wie sich Konzepte in konkreten Anwendungen umsetzen lassen.
Herzlichen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Melanie Steinbeck.









