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Artikel und Hintergründe zum Thema

Reduktion der CO2-Emissionen

Alexander Appel / am,

Nachhaltiger produzieren durch aktive, digitale CO2-Steuerung

Nachhaltiger zu produzieren geht einher mit der Reduktion der CO2-Emissionen. Damit dies möglichst schnell gelingt, sollte die Industrie den Ausstoß nicht nur bilanzieren, sondern auch wirtschaftlich in Echtzeit steuern. Die Werkzeuge dafür: Ein konsequentes CO2-Budget-Management, die Analyse der Emissionsintensität und digitale Tools.

Um das individuelle CO2-Budget zu berechnen, wird im Idealfall wie beim XDC-Modell in der gleichen Einheit gemessen, wie die Ziel-Maßeinheit: in Grad Celsius. © MHP

2040 oder 2050? Diese Zahlen werden aktuell viel diskutiert, wenn es darum geht, wann Deutschland klimaneutral sein will. Während die Politik noch uneins ist, sind sich Forscher sicher: Je früher, desto besser. Sie schätzen, dass die nächsten fünf Jahre entscheidend sind, um tatsächlich zu einer deutlichen Emissionsminderung zu kommen. Denn das verbleibende CO2-Budget ist schon heute extrem begrenzt.

Für Unternehmen bedeutet das, mehr denn je ihren Beitrag zum Klimawandel zu leisten und die richtigen Strategien und Lösungen zu entwickeln. Die Transformation zum nachhaltigen Wirtschaften sollte dabei nicht nur als Pflicht, sondern auch als große Investitionschance für die Industrie betrachtet werden. Denn: Dekarbonisierungsmaßnahmen rechnen sich wirtschaftlich, etwa durch verringerte Betriebskosten und stärkere Personalbindung. Unternehmen können sich dadurch frühzeitig Wettbewerbsvorteile sichern.

Dekarbonisierungspfad budgetkompatibel ausrichten

Aller Anfang ist ein Klimaschutzplan, der sich am 1,5-Grad-Ziel orientiert, und eine konkrete Dekarbonisierungsstrategie. Eine ganzheitliche "Sustainability Roadmap" umfasst im Idealfall ein Transformationskonzept, eine Analyse des Status quo und die Roadmap selbst. Anhand von kurz-, mittel- und langfristiger Ziel-KPIs kann der Fortschritt evaluiert und können iterativ weitere Maßnahmen festgelegt werden. Nachhaltigkeitsziele werden dabei mit den übergeordneten Unternehmenszielen abgestimmt beziehungsweise daraus abgeleitet. Dieser Top-Down-Ansatz stellt sicher, dass Nachhaltigkeitsziele klar definiert und auf jede Produktebene heruntergebrochen werden. Die beste Orientierung – auch für nicht reportingpflichtige Unternehmen – bieten der ESRS E1 Standard aus der CSRD sowie die ESG-Kriterien des Finanzmarkts. Anschließend folgt der Bottom-Up-Ansatz in der Produktentwicklung. Hier werden konkrete Nachhaltigkeitsdaten, wie Rezyklatquoten und CO₂-Emissionen, direkt auf der Bauteilebene erhoben.

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Die Reduktion von CO2-Emissionen ist in diesem Zuge ein wesentliches Ziel. Der Dekarbonisierungspfad sollte daher nicht nur auf ein bestimmtes Jahr ausgerichtet, sondern auch budgetkompatibel sein. Es empfiehlt sich, das eigene CO2-Budget strategisch auf die kommenden Jahre aufzuteilen und mit konkreten Reduktionszielen zu verbinden, ähnlich eines Finanzbudgets.

Eine zentrale Frage stellt sich nach der ökonomischen Emissionsintensität: Wie viele CO₂-Emissionen entstehen pro Euro Umsatz, Tonne Produkt oder Dienstleistungseinheit? Diese Kennzahl verbindet Klimawirkung mit wirtschaftlicher Effizienz. Wer diese Metrik kennt und verfolgt, kann eine Vergleichbarkeit zwischen Tochterunternehmen und Standorten, Geschäftsbereichen oder Produkten herstellen, Benchmarking mit Wettbewerbern durchführen, Hotspots im Unternehmen identifizieren und priorisieren sowie Entscheidungen in Forschung und Entwicklung, Einkauf und Produktion an Klimazielen ausrichten.

Bei der Berechnung sollten auch die besonders intensiven Scope-3-Emissionen berücksichtigt werden – hier liegen viele der Emissions-Hotspots. Anschließend empfiehlt sich eine Roadmap zu Reduktionspotenzialen und -zielen. © MHP

In der Praxis bedeutet das: Statt pauschale Kompensationen oder End-of-Pipe-Technologien, kann gezielt dort angesetzt werden, wo die höchste „CO₂-Rendite“ erzielt wird – also am meisten Emissionen je investiertem Euro gesenkt werden.

Digitale Messungen in Grad Celsius

Das Zusammenspiel von Budgetdenken und Emissionsintensitätsanalyse schafft eine neue Qualität der Dekarbonisierungssteuerung. Unternehmen können damit nicht nur Emissionen messen – sondern aktiv priorisieren, wo und wann Investitionen am meisten wirken. Ein Beispiel: Ein Werk verursacht zehn Prozent der Emissionen, aber 30 Prozent des Umsatzes – und seine Intensität sinkt durch Elektrifizierung drastisch. Die Priorität ist hoch. Ein anderer Bereich hat zwar hohe Emissionen, aber eine sehr geringe Wertschöpfung und kaum Reduktionspotenzial. Hier sind langfristige Transformationen mit Ausgleichsstrategie sinnvoller. Diese Kombination erlaubt die ökonomische Optimierung der Klimastrategie – eine Voraussetzung für fundierte Investitionsentscheidungen.

Ohne digitale Unterstützung ist dieses Steuerungsniveau jedoch kaum erreichbar. Hinzu kommt: Der aktuelle Standard, die SBTi-Methodik, reicht aus verschiedenen Gründen nicht aus, um die Anforderungen der CSRD zu erfüllen. Das größte Problem liegt in der Bewertung von besonders intensiven Scope-3-Emissionen; die SBTi evaluiert die Scope-3-Ziele, klassifiziert sie aber nicht.

Es gibt bereits SBTi-Ergänzungen am Markt, die CO2-Budgets von Unternehmen, Gebäuden und Portfolios berechnen und eine aktive CO2-Steuerung ermöglichen. Intuitiv verständliche und zuverlässige Instrumente wie das XDC-Modell berücksichtigt drei Faktoren – Full Scope Emissionen, EBITDA-Angaben und die Personalkosten – und messen in der gleichen Einheit wie es die Ziel-Maßeinheit ist: in Grad Celsius. Sie beantworten damit die Frage, um wie viel Grad Celsius sich das Klima erwärmen würde, wenn die gesamte Welt die gleiche Klima-Performance hätte wie die betrachtete Organisation. Das macht das Ableiten und anschließende Implementieren sektorspezifischer Dekarbonisierungsstrategien in bestehende Prozesse so einfach wie möglich und erleichtert die Compliance. Das Unternehmen erhält ein individuelles CO2-Budget unter Einbeziehung seiner bisherigen Performance und kann so flexible Maßnahmen entlang des 1,5-Grad-Pfades umsetzen. Es kann dadurch beispielsweise einen internen CO2-Preis festlegen, über den sich wiederum Emissionsrisiken quantifizieren lassen.

Zentrale Datenbasis schaffen

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Corporate Carbon Footprint ist die Grundlage für strategisches Klimamanagement. Um wettbewerbsfähig und profitabel zu bleiben, müssen Unternehmen ihre Emissionen verstehen, Risiken erkennen und wirksame Strategien entwickeln. Moderne Carbon-Management-Plattformen machen CO₂-Budgets, Intensitäten und Szenarien sichtbar, vergleichbar und handlungsleitend. Das schafft volle Transparenz über alle Emissionsquellen hinweg und damit Kontrolle. Mit Digital Carbon Management können Unternehmen Scope-1, -2 und -3-Emissionen automatisiert erfassen, in Echtzeit monitoren und Forecastings durchführen, Reduktionsmaßnahmen bezüglich Budget und Kosten simulieren, Daten aus Lieferketten integrieren sowie Berichtspflichten aus Rahmenwerken wie der CSRD erfüllen. Künstliche Intelligenz kann dabei als Enabler für bessere Entscheidungen, höhere Qualität und mehr Effizienz genutzt werden. Bei der Wahl der Plattform empfiehlt es sich, eine All-in-One-Lösung gemäß GHG Protocol als zentrale Datenbasis in der Cloud zu wählen. Sie deckt dann nicht nur das Carbon Management, sondern auch andere relevante Tools für eine nachhaltige Unternehmensführung, Compliance, Transparenz und Effizienz ab.

Von Alexander Appel, Manager Sustainability Transformation, MHP

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