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Artikel und Hintergründe zum Thema

Wenn Hitze die Produktion bremst

Melanie Steinbeck,

Kühlkonzept für Industriehallen mit deutlich reduziertem Energiebedarf

Hohe Temperaturen in Industrie- und Produktionshallen entwickeln sich für Unternehmen zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor. Überhitzte Hallen im Sommer belasten Mitarbeitende, Maschinen und Prozesse gleichermaßen. Die Folgen reichen von sinkender Leistungsfähigkeit und instabilen Abläufen bis hin zu steigenden Energie- und Betriebskosten.

Infranorm entwickelt ein Kühlkonzept für Industriehallen auf Basis zweistufiger adiabater Kühlung. Der Energieverbrauch soll sich laut Unternehmen um bis zu 95 Prozent reduzieren lassen. © Infranorm

Klassische Kälteanlagen stoßen bei großen Hallenvolumen jedoch häufig an wirtschaftliche Grenzen. Sie gelten als energieintensiv, verursachen hohe Betriebskosten und lassen sich in bestehenden Produktionsumgebungen nicht immer effizient integrieren. Die Infranorm Technologie GmbH hat ein alternatives Kühlkonzept für Industriehallen entwickelt.

Kühlen ohne klassische Kälteanlage

Die Lösung richtet sich an große Industrie-, Produktions- und Logistikhallen mit hohem Kühl- und Energiebedarf. Grundlage ist ein „Sustainable Hall Conditioning“ in Kombination mit zweistufiger adiabater Kühlung (Kühlung durch Verdunstung von Wasser).

Nach Angaben des Unternehmens kann der Energieverbrauch der Hallenkühlung gegenüber klassischen Kälteanlagen um bis zu 95 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig sollen stabile Temperaturen, kontrollierte Luftfeuchtigkeit und konstante Bedingungen für Produktion und Personal erreicht werden.

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„Industriehallen müssen heute anders gedacht werden. Es reicht nicht, einfach Kälte in ein großes Volumen einzubringen. Entscheidend ist ein System, das Temperatur, Luftqualität, Energieeinsatz und Produktionsbedingungen gemeinsam betrachtet“, sagt Christian Lindner, Geschäftsführer von Infranorm.

Hitze als betriebswirtschaftlicher Faktor

Hohe Temperaturen in Produktionsumgebungen gelten zunehmend nicht mehr nur als Komfortproblem. Sie wirken sich auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden aus, können Maschinen belasten und die Stabilität von Prozessen sowie die Produktqualität beeinflussen.

Parallel dazu stehen Unternehmen unter dem Druck, Energiekosten zu reduzieren und Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten. „Gerade in bestehenden Industriehallen lautet die zentrale Frage nicht nur, wie man kühlt, sondern wie man wirtschaftlich, nachhaltig und betriebssicher kühlt“, so Lindner. „Genau hier setzt Sustainable Hall Conditioning an.“

Technischer Ansatz: zweistufige adiabate Kühlung

Kern der Lösung ist eine zweistufige adiabate Kühlung. Im Unterschied zu einfachen adiabaten Systemen wird die Luft zunächst über einen Luft-Wasser-Wärmetauscher vorgekühlt und anschließend einer direkten adiabaten Kühlung unterzogen.

Dieses Verfahren soll die Kühlleistung erhöhen und gleichzeitig den Feuchteeintrag reduzieren. In der Praxis nennt das Unternehmen bis zu sieben Grad Celsius niedrigere Temperaturen sowie einen um bis zu 60 Prozent geringeren Feuchteeintrag im Vergleich zu einstufigen adiabaten Systemen. Ziel ist eine Raumluftfeuchte im für Produktion und Technik geeigneten Bereich.

Zum System gehören zudem Aluminiumlamellen mit 3D-Wabenstruktur, die eine größere Verdunstungsoberfläche ermöglichen und den Druckverlust reduzieren sollen. Laut Infranorm beträgt die Standzeit der Kühlwaben bis zu fünf Jahre.

Planung auf Basis von Simulationen

Ein zentraler Bestandteil des Ansatzes ist die Planungssicherheit vor der Umsetzung. Dafür werden standortbezogene Wetterdaten, die Geometrie der Halle sowie interne Wärmelasten ausgewertet.

Auf dieser Basis erstellt Infranorm eine stunden- und tagesgenaue Prognose der zu erwartenden Kühlleistung. Unternehmen sollen dadurch bereits vor Projektbeginn abschätzen können, welche Temperatur- und Feuchtewerte erreichbar sind und wie hoch die potenziellen Energieeinsparungen ausfallen.

Referenzen aus Industrie und Logistik

Laut Unternehmen wird das Konzept bereits in unterschiedlichen Branchen eingesetzt. Auf einer Best-Practice-Übersicht führt Infranorm Anwendungen aus Industrie, Produktion und Logistik auf, darunter Projekte zur Hallenkühlung, Frischluftversorgung, Hallenkonditionierung und Luftreinigung.

Genannt werden unter anderem Anwendungen bei WIHO Hofbauer, Profiform sowie GMT Wintersteller. Diese Projekte kombinierten Kühlung, Luftqualität und stabile Produktionsbedingungen in unterschiedlichen industriellen Umgebungen.

Systemischer Ansatz statt Einzeltechnik

Das Kühlkonzept ist Teil eines umfassenderen Systems zur Hallenkonditionierung. Es ist modular aufgebaut und kann in bestehende Hallen- und Anlagenstrukturen integriert werden.

Bestehende Heiz- und Lüftungssysteme sollen dabei nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. Neben Kühlung lassen sich auch Lüftung, Luftreinigung, Wärmerückgewinnung und Präzisionsklimatisierung integrieren. Ziel ist eine ganzheitliche Betrachtung der Hallenumgebung, die neben Temperatur auch Luftqualität, Energieeinsatz und Betriebssicherheit berücksichtigt.

Einordnung für die Industrie

Mit dem Konzept adressiert Infranorm vor allem große Industrie-, Produktions- und Logistikhallen, in denen klassische Kälteanlagen an wirtschaftliche oder energetische Grenzen stoßen.

Ein weiterer Aspekt ist der Verzicht auf Kompressionskälte sowie auf klimaschädliche Kältemittel wie F-Gase oder PFAS. Damit wird das System auch im Kontext von Energieeffizienz und Klimazielen eingeordnet.

„Unser Ziel ist es, Industriehallen nicht einfach nur zu kühlen, sondern sie ganzheitlich besser zu machen – effizienter, produktiver und nachhaltiger“, sagt Lindner. „Der Gamechanger Kühlen ist dafür ein zentraler Baustein.“

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