MRK + Cobots
Hightech fürs Kinderzimmer
Es ist das Jahr 1964. Zwischen Osaka und Tokio nimmt der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen seinen Betrieb auf. Im heimatlichen Tumlingen (Gemeinde Waldachtal, 60 Kilometer südwestlich von Stuttgart) macht sich Artur Fischer Gedanken über ein Weihnachtsgeschenk für seine Kunden und Geschäftspartner. Heute, vier Jahrzehnte später, kann man Fischertechnik-Baukästen rund um den Globus – und nicht nur im Kinderzimmer – finden. Allein der Fanclub zählt mehr als 30.000 Mitglieder. Auch an Schulen, Universitäten und in Entwicklungsbüros wird mit dieser Technik entwickelt und simuliert. Und so manche Ingenieur-Karriere begann mit einem dieser Baukästen.
Das aktuelle „Robo Mobile Set“ besteht aus 350 Bausteinen und zwei Motoren für acht Fahr- und einen Laufroboter, dem Robo-Interface, der Software Robo Pro und einem ausführlichen Handbuch. Die Tastsensoren der Roboter erkennen und umgehen Hindernisse, Begrenzungen oder Kanten. Ein Modell kann beim Rückwärtsfahren ein Hindernis lokalisieren und umfahren. Mit einem Lichtsensor orientiert sich das Modell „Spurensucher“ an einer dunklen Farbmarkierung oder das Modell „Lichtsucher“ an einer Lichtquelle. Das selbstständige Bewegen haben Fischertechnik-Modelle schon früh gelernt, nun können sie auch laufen. Im so genannten Dreifußgang läuft der Sechsbeiner „Mike“ sicheren Schrittes voran. Seine Beine sind als Viergelenkgetriebe konstruiert. Angetrieben von einer Kurbel, führen die beweglich gelagerten Glieder des Getriebes eine schwingende Bewegung aus, die einem Schritt beim Laufen ähneln.
Die Roboter werden mit der neuen Software Robo Pro und dem Robo-Interface gesteuert. Alternativ lässt sich das Interface mit der Programmsprache C steuern. Die Programme werden entweder über USB oder die serielle Schnittstelle auf das Interface (mit eigenem Mikroprozessor und Flashspeicher) geladen. Zwei Programme lassen sich auf der Schnittstelle speichern, die über einen einfachen Schalter umgeschaltet werden können. Das Interface wird vom PC abgekoppelt und kann die Modelle selbstständig steuern. Auch nach der Unterbrechung der Stromzufuhr bleiben die Programme geladen. Das Erweiterungsmodul Robo I/O-Extension stellt zusätzliche Ein- und Ausgänge bereit.
Das Baukastenprinzip setzt der Hersteller auch bei der Software Robo Pro fort. Die Benutzeroberfläche und das Editieren der Programmbausteine sind verständlich gestaltet. Die Bausteine werden automatisch verknüpft, Unterprogramme in einer eigenen Bibliothek gespeichert. Sie lassen sich auch in andere Projekte kopieren und können zwischen verschiedenen Anwendern (beispielsweise über das Internet) ausgetauscht werden. Aus einer Bibliothek lassen sich bereits fertige Programmbausteine zusammenfügen und ermöglichen eine schnell erlernbare Steuerung der mobilen Roboter. Und mit einer intelligenten Teach-in-Software können während des Betriebes die Steuerungsparamenter komfortabel eingestellt werden. (gm)








