Editorial
Neue Rezeptur
Der morgendliche Blick in die Zeitung offenbarte mit einem simplen Schaubild, was das Problem mit grundlegenden Veränderungen ist: Oft geben wir nur vor, offen für Neues zu sein, und vertrauen dann doch auf das Bekannte. Das einfache Schaubild stellte nämlich die drei beliebtesten Eissorten der Deutschen dar: Erdbeere, Schokolade und Vanille. Das zeugt nicht von großer Experimentierfreude.
Veränderungen sind jedoch unausweichlich. In unserer Titelgeschichte wird am Exempel des Konstrukteurs aufgezeigt, welche Bedeutung der digitale Wandel für die heutige Arbeitswelt haben kann. Nach dem panischen Aufschrei, die Automatisierung, Roboter oder Künstliche Intelligenz nähmen uns die Arbeitsplätze weg, setzten sich nun doch immer mehr Menschen mit der Veränderung und dem Mehrwert, den wir daraus ziehen können, aus-einander. So fördern beispielsweise Cloud-Lösungen die Flexibilität – schließlich kann der virtuelle Konstruktionsraum durch viele Türen betreten werden. Und das nicht nur vom Konstrukteur, sondern auch von Zulieferern oder Endkunden. Durch die kooperative Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg gewinnt das Produkt, da der Entwickler über das Netzwerk unmittelbar ein Feedback erhält, das er in Echtzeit in seine Arbeit einfließen lassen kann.
Für eine erfolgreiche Transformation muss das Umdenken jedoch auch in der Unternehmensleitung stattfinden. Denn – um bei dem Beispiel des Konstrukteurs zu bleiben – der CAD-Experte verlässt seine gewohnten Arbeitsstrukturen. Abstimmungen finden nicht mehr Hierarchie-orientiert statt, sondern richten sich nach dem Projekt. Das gibt den Projektbeteiligten mehr Verantwortung und verlangt der Leitungsebene mehr Vertrauen in ihre Mitarbeiter ab, denn „Kontrolle und Hierarchien funktionieren in diesem Arbeitsumfeld nicht mehr“, wie Andreas Barth von Dassault Systèmes im Rahmen der Titelstrecke der SCOPE erklärt. Generell muss somit die Rezeptur des Führungsstils geändert werden, was zum einen eine Neudefinition des unternehmerischen Selbstverständnisses mit sich zieht, zum anderen wiederum zum Wettbewerbsvorteil werden kann. Angefangen beim Recruiting – der Fachkräftemangel gibt den Vorstellungen der nachwachsenden Generation einer modernen Arbeitswelt mehr Gewicht –, aber auch bei der Innovationsfähigkeit. Allerdings ist nicht nur die Führungsriege gefordert, gleichermaßen verlangt der Wandel auch von den Mitarbeitern mehr Eigeninitiative und den Willen, Veränderungen verantwortungsvoll mitzutragen.
Zurück zum Blick in die Zeitung: Bei so vielen Veränderungen, die um uns passieren, verwundert es nicht, dass manch einer an Bewährtem festhält. Da ich nicht im Eis-Konsens mit der Mehrheit stehe, bin ich um einige Geschmackserfahrungen reicher: Lavendel erinnert an Seife, Gurke hält sich geschmacklich stark zurück, während Basilikum immer wieder überrascht.









