Meinung

Liebe Leserinnen und Leser,

Deutschland, die Konjunkturlokomotive Europas, ist wieder in Fahrt. Auch im Maschinenbau ist das „K-Wort“ endlich runter von der Tagesordnung. Weil der aktuelle Bedarf an Fachpersonal steigt, haben die Personalabteilungen den Schalter umgelegt: Es ist Einstellungs-Zeit. Entwicklungsingenieur, Projektleiter, Konstrukteur, Maschinenbauingenieur, Mechatroniker, Bauingenieur, Testingenieur, Elektroingenieur – diese Stellenangebote gab es jüngst auf zwei Doppelseiten derselben Zeitung an einem einzigen Tag. Ingenieure sind derzeit gesucht wie lange nicht. Für die Bewerber sind das gute Aussichten, denn sie haben offenbar die Wahl.

Aber es sieht nicht gut aus: Der „Fachkräftemonitor“ ist so dunkel wie mein Bildschirm, wenn ich ihm den Stecker ziehe. Fast 40.000 Ingenieurstellen seien derzeit mangels Bewerber unbesetzt. Diese Lücke wird nicht nur bleiben, sondern noch größer werden. Denn in den kommenden Jahren verabschieden sich mehr Ingenieure in den Ruhestand, als ausgebildete Absolventen die Hochschulen verlassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft prognostiziert, dass bis 2014 (das ist schon in drei Jahren!) 200.000 Techniker, Naturwissenschaftler und Ingenieure fehlen werden. Wo soll da der Dampf für unsere Lokomotive herkommen? Der Dampf – das sind die Ideen, das Können und das Wissen der Ingenieure. Ihre Leistungen – freilich nicht nur die, aber die vor allem – bringen die Welt voran. Gerät die Lokomotive in absehbarer Zeit also ins Stocken?

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Das ist alarmierend. Die Unternehmen sind mehr denn je auf das solide Erfahrungsfundament älterer Mitarbeiter angewiesen. Und eine „geregelte Zuwanderung“, wie sie gerade diskutiert wird, ist nur Symptombehandlung. Wem die Ernte fehlt, muss sich fragen lassen, ob er rechtzeitig und richtig gesät hat. Und gelangt wieder an den Punkt, dass bei der Bildung alles seinen Anfang nimmt, vor allem die Zukunft.

Ingenieure bauen sie maßgeblich mit. Erstaunlich und schade, dass sich nicht mehr junge Menschen an diesem Gedanken entzünden. Wer sich für diese verantwortungsvolle Aufgabe entscheidet, muss neben der Begeisterung für Technik auch ein gerüttelt Maß an Wissensdurst, Engagement, Fleiß und Ausdauer mitbringen. Denn das anspruchsvolle ingenieurwissenschaftliche Studium ist kein Spaziergang. Rund ein Drittel der Maschinenbaustudenten an den Universitäten brechen ihr Studium ab – am Thema verhoben oder den Antrieb verloren, wer weiß. Wer ihn allerdings behält und dranbleibt, gestaltet mit: Zum Beispiel neue, spannende Lösungen für Automatisierungsaufgaben, wie wir sie demnächst in Nürnberg während der SPS/IPC/Drives vom 23. bis 25. November 2010 erleben können. In diesem Heft haben wir eine Vorschau für Sie zusammengestellt – jede Menge Antrieb für unsere Lokomotive.


Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Dipl.-Ing. Petra Born

Chefredakteurin handling

[email protected]

P.S.: Wenn Ihre Lok während der Messe eine Ruhepause benötigt: Wir freuen uns auf Ihren Besuch in Nürnberg am Stand 231 in Halle 4A.

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