Leserbrief
Zweiklassengesellschaft im Verkehr
Lieber Herr Stotz,
seit geraumer Zeit lese ich mit großem Interesse Ihr Editorial. Während ich sonst meist zustimmend nicke, [...] [kann ich] Ihrer Argumentation „die Software macht bereits heute deutlich weniger Fehler als jeder Mensch“ nicht folgen.
Zwar kann ich auch nur mutmaßen, aber die Teslas fahren vorwiegend auf breiten [...] US-Straßen, die weltweite Unfallstatistik schließt aber von fernöstlichen Metropolen über Wüstenpisten bis hin zu Natursteinpässen durch den Dschungel Südamerikas alles ein [...]. Meines Erachtens sind die Parameter für die Feldversuche völlig andere und von einer deutlichen Überlegenheit einer Software somit noch nicht zu sprechen. Was mich aber viel mehr beschäftigt, ist nicht die Überlegenheit zukünftiger Autopiloten, sondern die Unterlegenheit des Menschen. Eine nur teilweise Einführung von Autopiloten wird meines Erachtens nicht zur Steigerung der Verkehrssicherheit im Gesamten beitragen. Wohl schon bei den Insassen der softwaregesteuerten Fahrzeuge mit Sichtfeld einschränkenden, dick verstärkten A-Säulen sowie unzähligen Airbags. Aber nur bei gleichzeitiger Benachteiligung derer, die dann noch selbst reagieren „müssen“, und aufgrund menschlicher Defizite gegenüber Fahrrobotern unterliegen werden. Es zeichnet sich also auch im Verkehr eine Zweiklassengesellschaft ab. Und im Zuge einer vermehrten Einführung von Fahrrobotern werden sich dann auch künftige Unfallstatistiken vollautomatisch zugunsten von Autopilot-Fahrzeuge verändern – hoffentlich dann insgesamt auch mit einem Rückgang an Todesopfern.
Vielen Dank für Ihr offenes Ohr und schreiben Sie bitte weiterhin so interessant!
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Haußmann Geschäftsführer FairFair GmbH








