Automatisierung
Weiterbildung in der Industrie 5.0
Das Institut für Strukturmechanik und Produktionsanlagen der Universität Bremen entwickelt europaweit Schulungen in den Bereichen Robotik, künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit.
Die fortschreitende Digitalisierung der Produktion im Kontext der Industrie 5.0 wird den betrieblichen Alltag und die Arbeitsbedingungen für Millionen von Mitarbeitenden nachhaltig verändern. Um diese Transformation erfolgreich zu gestalten, ist es essenziell, begleitende Weiterbildungsangebote für Mitarbeitende zu entwickeln und umzusetzen. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um die Mitarbeitenden auf die neuen beruflichen Herausforderungen vorzubereiten und langfristig von ihrer Expertise zu profitieren. Obwohl digitale Technologien wie Deep Tech, Robotik und künstliche Intelligenz bereits zunehmend in den betrieblichen Alltag integriert werden, fehlt es weiterhin an geeigneten Lernszenarien für Mitarbeitende. Nur durch die Bereitstellung solcher niedrigschwelligen Weiterbildungsangebote kann die Transformation zu einer digitalen, nachhaltigen und menschenzentrierten Produktion gelingen. Die beiden Projekte DRUMS und KIWI des Bremer Instituts für Strukturmechanik (bime) zeigen beispielhaft, wie sich berufsbegleitende Weiterbildung in der Industrie 5.0 gestalten lässt, um den Anforderungen einer digitalisierten und menschenzentrierten Produktion gerecht zu werden.
Europaweite Weiterbildungsangebote
In einem europäischen Projektkonsortium werden im ERASMUS+-Projekt DRUMS Konzepte und Inhalte für die berufsbegleitende Weiterbildung speziell für die produzierende Industrie entwickelt. Die europäische Zusammenarbeit stellt sicher, dass die entwickelten Lernszenarien nicht nur national, sondern in verschiedenen Branchen anwendbar sind. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Fertigung, Deep-Tech-Lösungen, Robotik, künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit. In diesem Rahmen wird ein umfassendes Qualifizierungskonzept für Lehrende und Lernende in der beruflichen Weiterbildung entwickelt. Dieses Konzept vereinfacht die Vermittlung der für eine menschenzentrierte Produktion erforderlichen Kompetenzen und Qualifikationen und bündelt sie in einem zentralen Ansatz. Neben diesem Konzept werden konkrete Lernszenarien erstellt und bestehende Weiterbildungsangebote ergänzt. Diese Angebote haben einen unmittelbaren Bezug zum beruflichen Alltag und sind daher besonders geeignet, um Lerninhalte niedrigschwellig zu vermitteln. Alle entwickelten Lernszenarien werden in einer App für Android und iOS gebündelt und kostenlos zum Download bereitgestellt.
Virtual Reality für die Weiterbildung auf dem Sofa
Um die Mitarbeitenden langfristig in diesem dynamischen Prozess zu unterstützen, ist es wichtig, dass sie nicht nur an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen, um ihre Beschäftigungsfähigkeit aus Betriebsperspektive zu erhalten. Sie müssen auch für ihre eigenverantwortliche berufliche Entwicklung und den individuellen Nutzen sensibilisiert werden. Eine im KIWI-Projekt entwickelte App nutzt künstliche Intelligenz, um bestehende Fort- und Weiterbildungsangebote anhand individueller Qualifikationen, Kompetenzen, beruflicher Ziele sowie Lernstrategien und -präferenzen zu ermitteln. Die Digitalisierungspotenziale werden in diesem Vorhaben nicht nur für die Suche nach passenden Weiterbildungsangeboten genutzt, sondern auch für deren Gestaltung. Mobile Virtual Reality wird als Lernmedium eingesetzt. Ein exemplarisches Weiterbildungsszenario in KIWI ist die kollaborative Robotik, eine Schlüsseltechnologie im Digitalisierungsprozess, für die ein hoher Bedarf an Fort- und Weiterbildungen besteht, während zielgruppenspezifische Angebote oft fehlen. Weiterbildungsszenarien in VR bieten die Möglichkeit, Lernmaterialien mit interaktiven Elementen zu erweitern und ermöglichen einen einfachen Zugang zum Thema Robotik. Die dreidimensionale Darstellung visualisiert Roboter realitätsnah, und die orts- und zeitunabhängige sowie selbstgesteuerte Erkundung wird ermöglicht. Diese VR-Elemente lassen sich sowohl in Präsenz- als auch Onlineangebote einbetten. Die Lernenden können einen QR-Code in den Lernmaterialien mit dem Smartphone einscannen und die VR-Anwendung erkunden. Die VR-Elemente sind für die Nutzung auf Smartphones in Verbindung mit einem VR-Headset optimiert. Dies ist kosteneffizient, da die meisten Menschen bereits ein Smartphone besitzen und die Kosten für ein VR-Headset relativ gering sind.
Lebenslanges Lernen für eine menschzentrierte Produktion
Erfahrungen im Kontext beruflicher Weiterbildung verdeutlichen, wie entscheidend innovative Weiterbildungsstrategien für die erfolgreiche Umsetzung der Industrie 5.0 sind. Durch die Integration von Technologien wie künstlicher Intelligenz und Virtual Reality in berufsbegleitende Weiterbildungsangebote wird nicht nur die Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden an technologische Veränderungen gefördert, sondern auch deren eigenverantwortliche berufliche Entwicklung unterstützt. Diese Entwicklungen tragen maßgeblich dazu bei, eine digitalisierte, nachhaltige und menschenzentrierte Produktionsumgebung zu schaffen, in der die Expertise und Kompetenzen der Mitarbeitenden optimal genutzt werden. Die praxisnahen und niedrigschwelligen Weiterbildungsangebote, die durch die Zusammenarbeit europäischer Projektpartner entstehen, bieten ein zukunftsweisendes Modell für die Weiterbildung in der Industrie und setzen neue Maßstäbe für die kontinuierliche berufliche Qualifizierung.









