DRV-Vorstand Helmut Schmid im Interview
"Wir müssen uns auf den Wandel vorbereiten"
Das Thema Robotik war integraler Bestandteil der Hannover Messe. Ein Highlight war in diesem Jahr der Application Park, der mit dem Deutschen Robotik Verband (DRV) einen starken Partner an seiner Seite hatte.
Helmut Schmid, Vorstand des Verbands, sprach im Interview mit Annina Schopen im Vorfeld der Hannover Messe über Künstliche Intelligenz in der Robotik, die Auswirkungen auf die Ausbildung von Arbeitskräften sowie Trends und Barrieren bei der Einführung von Robotertechnologien.
Wie kam es zur Zusammenarbeit des DRV mit der Hannover Messe?
Wir waren schon länger im Gespräch und auf der Suche, wie man komprimiert Robotik-Anwendungen kleinerer, innovativer Unternehmen auf der Messe zeigen kann. Mit der Idee des Applikation Parks und der Zusammenarbeit beim Robotik Kongress im Vorfeld haben wir dies dann gemeinsam umgesetzt. Ich bin schon sehr gespannt, ob uns dies gelungen ist.
KI ist ein großes Thema auf der Hannover Messe und selbstverständlich in der Robotik. Ist die Kombination Roboter – KI wirklich geeignet, um den Fachkräftemangel zu lindern?
Davon bin ich absolut überzeugt, und die Schnelligkeit der Entwicklung und das Verschmelzen beider Bereiche zeigt auch, dass die Kombination sehr gut funktioniert. Da uns im Jahr 2030, dem Jahr der Babyboomer, bereits vier bis sechs Millionen Fachkräfte fehlen werden, brauchen wir mehrfache Ansätze, um diesen Mangel zu lindern. Dazu gehört eine gute Migrationspolitik, Aus- und Weiterbildung, Reduzierung von Regularien und Abbau von Bürokratie, eine gute Energiepolitik, aber vor allem auch mehr Investitionen in Robotik und KI.
Wo bzw. in welchen Anwendungen macht sich die KI im Roboter besonders bemerkbar? Was geht damit, das vorher nicht ging?
Die Programmierung und Bedienung von Robotern werden zukünftig durch den Einsatz von Sprache, Gesten und Bildern noch viel einfacher und schneller machbar sein. Auch Bereiche außerhalb der Industrie werden dadurch schneller zugänglich gemacht. Insbesondere der Bereich der sozialen Roboter kann hiervon voraussichtlich einen Schub erfahren.
Wie hat sich die Robotik in den letzten Jahren weiterentwickelt, und welche neuen Anwendungen oder Technologien sind besonders bemerkenswert?
In den letzten zehn Jahren hat vor allem der Cobot durch seine einfache Bedienung und vielfältigen Einsatz seinen Durchbruch in der Robotik bei den KMUs gehabt. Mittlerweile erlebt die mobile Robotik einen enormen Zuspruch, was wir auch auf der Messe im Application Park zeigen wollen. Bemerkenswert finde ich insbesondere den Hype um humanoide Roboter und das enorm viele Geld, dass in diese Technologie investiert wird, auch wenn heute noch keine industriellen Anwendungen anzutreffen sind. Es ist und bleibt auf jeden Fall eine spannende Zeit.
Welche Möglichkeiten und Herausforderungen ergeben sich durch den Einsatz von Robotern in Bezug auf Sicherheit, Effizienz und Kosten?
Robotersicherheit war schon immer wichtig, wird aber durch die neue Normierung noch anspruchsvoller in der Umsetzung. Bei der richtigen Wahl der Anwendungen ist die Effizienz des Roboters in der Regel unbestritten und die Erhöhung der Produktivität vorprogrammiert. Ein jedes Unternehmen wird am Ende die Kosten und die Wirtschaftlichkeit im Auge haben, wodurch sich neue Entwicklungen genau hierauf fokussieren werden.
Welche Auswirkungen hat die fortschreitende Automatisierung auf die Ausbildung und Qualifikation von Arbeitskräften?
Unser heutiges Schul- und Ausbildungssystem ist aus meiner Sicht nicht gut auf die bevorstehenden Veränderungen durch Robotik und KI vorbereitet. Es werden sich in kürzester Zeit neue Berufsbilder ergeben, aber eben auch ein paar bestehende entfallen. Hierauf gilt es, sich schnellstmöglich vorzubereiten, damit die kommende, aber auch die jetzige Generation den neuen Anforderungen und dem Wandel besser gewachsen ist.
Wie beeinflussen gesellschaftliche Faktoren wie Ethik und soziale Verantwortung die Entwicklung und den Einsatz von Robotertechnologien?
Gerade in der jetzigen, sich stark veränderten geopolitischen und gesellschaftlichen Zeit sollte die Ethik und die Verantwortung beim Einsatz von Robotik und KI eine treibende Kraft spielen. Der Grad, wofür und wie Robotik außerhalb der Industrie eingesetzt werden kann, ist sehr schmal, und einige Science-Fiction-Filme zeigen auch andere Beispiele.
Welche Trends zeichnen sich in der Robotik ab, und welche Bereiche werden voraussichtlich in Zukunft am stärksten von Innovationen profitieren?
Die Trends im E-Commerce, in der Veränderung unserer Ernährung, beim urbanen Wohnen, aber auch im Dienstleistungsbereich wird der Innovationskraft in der Robotik neuen Schub verleihen, denn diese Bereiche sind heute nicht oder nur wenig automatisiert sind. Daher sehe ich insbesondere die Logistik, die Bauindustrie, die Agrar- und Landwirtschaft, das Handwerk, aber auch den Service, die Pflege und den Einsatz im Krankenhaus mit sozialen Robotern als Profiteure der kommenden Innovationen.
Wie können kleine und mittelständische Unternehmen von Robotertechnologien profitieren, und welche Barrieren müssen sie möglicherweise überwinden, um diese einzuführen?
Viele der neuen Technologien von Start-ups, aber auch in ihren Bereichen bereits führenden Herstellern zielen auf den Klein- und Mittelstand. Auf dem Weg zur Do-It-Yourself-Robotik werden insbesondere die KMUs von der neuen Robotik mit Fokus auf schnelle und einfache Bedienung und Inbetriebnahme profitieren. Nur so können wir die Robotik in der breiten Masse demokratisieren. Ich sehe hier sehr optimistisch in die vor uns liegende Zukunft.









