Hannover Messe 2026
Fraunhofer zeigt industrielle Zukunft zwischen KI, Daten und neuen Materialien
Wie kann industrielle Wertschöpfung in einer Zeit globaler Unsicherheiten zugleich effizient, nachhaltig und anpassungsfähig bleiben? Die Fraunhofer-Gesellschaft gibt darauf Antworten auf der Hannover Messe 2026 und setzt dabei auf konkret demonstrierbare Technologien statt abstrakter Zukunftsbilder. Unter dem Leitmotiv »Innovations for our Future« präsentieren neun Fraunhofer-Institute und -Verbünde sowie die Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) vom 20. bis 24. April 2026 Lösungen für eine Industrie, die zugleich resilient, digital vernetzt und nachhaltig sein soll.
Die Fraunhofer-Gesellschaft versteht sich als zentrale Akteurin der anwendungsorientierten Forschung. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit industrieller Umsetzung und treibt den Transfer in wirtschaftliche Anwendungen voran. Die Organisation betreibt in Deutschland 75 Institute und Forschungseinrichtungen. Rund 32.000 Beschäftigte, überwiegend aus natur- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen, erwirtschaften ein jährliches Finanzvolumen von 3,6 Milliarden Euro, davon 3,1 Milliarden Euro im Bereich der Vertragsforschung.
Im Zentrum des Messeauftritts steht die Frage, wie sich industrielle Systeme mithilfe von Daten, Künstlicher Intelligenz und neuen Materialien so gestalten lassen, dass sie nicht nur effizienter, sondern vor allem widerstandsfähiger und flexibler werden. Die Exponate machen deutlich, dass Resilienz heute weniger als Einzelmerkmal verstanden werden kann, sondern als Ergebnis eines Zusammenspiels aus Datenökosystemen, automatisierten Prozessen und nachhaltigen Technologien.
Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 11 (Stand D33) wird diese Perspektive in konkrete Anwendungen übersetzt. Die Bandbreite reicht von virtuellen KI-Avataren im Metaverse über neue Ansätze der Produktionsplanung bis hin zu Verfahren des Batterierecyclings und der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe sowie leistungsfähigen Elektroniksystemen. In dieser Vielfalt zeigt sich die interdisziplinäre Stärke der Fraunhofer-Gesellschaft, die unterschiedliche Technologiefelder systematisch miteinander verbindet.
Einen internationalen Akzent setzt das Fraunhofer Liaison Office Brasilien mit Blick auf das Partnerland der Hannover Messe 2026. Vorgestellt werden Kooperationsprojekte, die industrielle Transformation als globale Aufgabe verstehen und die Rolle internationaler Innovationsnetzwerke betonen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Wasserstoffwirtschaft. An der Wasserstoff-Insel (Halle 11, Stand E9–E11) zeigen Fraunhofer-Institute Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Speicherung und Transport bis hin zu industriellen Anwendungen. Wasserstoff wird dabei als bereits technologisch greifbares System präsentiert, nicht nur als Zukunftsoption.
Der Messeauftritt steht zudem im Zeichen des Gedenkjahrs zum 200. Todestag Joseph von Fraunhofers unter Schirmherrschaft der UNESCO. Damit unterstreicht die Fraunhofer-Gesellschaft ihren Anspruch, Forschung konsequent in industrielle Anwendung zu überführen.
Exponate
Collaborative Powerwall und virtuelle KI-Avatare
Die industrielle Zusammenarbeit der Zukunft wird hier in den Raum des Metaverse verlagert. Gezeigt werden neue Formen des Engineerings, der Serviceentwicklung und der Mensch-Maschine-Interaktion. Im Fokus stehen immersive Visualisierungen, KI-Avatare und digitale Zwillinge.
Hochleistungs-Packaging-Technologie
Ein Demonstrator aus der APECS-Pilotlinie im Rahmen des EU Chips Acts zeigt Lösungen für Chip-Integration, Kühlung und Packaging. Ziel ist es, komplexe Hochleistungselektronik platzsparender und kosteneffizienter zu gestalten – ein Feld mit hoher industrieller Relevanz.
Maßgeschneiderter und biobasierter Dünger
Ein vollständig biologisch abbaubares Düngemittel soll Pflanzen gezielt mit Nährstoffen versorgen und Überdüngung vermeiden. Auf der Messe werden Ergebnisse entsprechender Versuchsreihen vorgestellt.
Batterierecycling und Rückgewinnung kritischer Rohstoffe
Ein neu entwickeltes elektrochemisches Verfahren ermöglicht die chemikalienfreie Rückgewinnung kritischer Rohstoffe. Der Prozess arbeitet bei Raumtemperatur und Umgebungsdruck und verspricht reduzierte Investitions- und Betriebskosten.
Strategische Produktionsplanung mit Mathematik
Mithilfe mathematischer Optimierung lassen sich komplexe Produktions- und Logistikprozesse strukturieren. Ziel sind geringere Kosten, höhere Durchsätze und verlässlichere Liefertermine.
Sicheres Unlearning bei verteilten KI-Modellen
Gemeinsam mit Fujitsu zeigt Fraunhofer, wie sich Daten aus dezentralen KI-Systemen gezielt entfernen lassen, ohne die Modellqualität wesentlich zu beeinträchtigen. Für Datenräume wie Manufacturing-X eröffnet das Verfahren Perspektiven für datensouveräne und DSGVO-konforme KI-Anwendungen.
Umwandlung biogener Reststoffe in Kraftstoffe und chemische Zwischenprodukte
Die TCR-Technologie (Thermo-Catalytic Reforming) wandelt biogene Reststoffe in Synthesegas, Bio-Rohöl und Biokohle um. Damit adressiert sie Fragen der Kreislaufwirtschaft und der Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen.
Smart-Data-Pipelines als Grundlage vertrauenswürdiger KI
Die Smart-Data-Pipelines strukturieren den gesamten Datenprozess von der Erhebung über den Austausch bis zum KI-Training. Ziel ist ein transparenter, nachvollziehbarer und qualitätsgesicherter Datenfluss für KI-Anwendungen.
Lignew-Holzschaumwerkstoff
Ein vollständig ökologischer, recycelbarer Holzschaumwerkstoff ohne synthetische Bindemittel eröffnet Bau-, Möbel- und Verpackungsindustrie sowie dem Leichtbau neue Anwendungsmöglichkeiten. Er steht exemplarisch für Materialinnovationen, die Ressourceneffizienz und industrielle Anwendbarkeit verbinden.
Unterm Strich fügt sich der Fraunhofer-Auftritt auf der Hannover Messe 2026 zu einem Bild, das die Industrie der kommenden Jahre weniger als Abfolge einzelner Innovationen zeigt, sondern als eng verflochtenes System. Produktion wird nicht nur digitaler und effizienter, sondern soll zugleich robuster gegenüber Krisen und flexibler in ihren Abläufen werden. Dass sich dieser Anspruch quer durch Themen wie Wasserstoffwirtschaft, Batterierecycling oder KI-gestützte Produktionsplanung zieht, unterstreicht den systemischen Charakter der gezeigten Ansätze.
Die Fraunhofer-Gesellschaft positioniert sich damit erneut als Institution, die technologische Entwicklung nicht nur abbildet, sondern in industrielle Realität zu übersetzen versucht.
Hannover Messe 2026, Halle 11, Stand D33









