Fördertechnik
Das Kreuz mit dem Kreuz
Beim Fahren mit mobilen Maschinen können auftretende Schwingungen ab einer bestimmten Intensität und bei jahrelanger Einwirkung die Wirbelsäule schädigen. Aber auch schon bei geringer Intensität können im Laufe der Zeit Rückenschmerzen auftreten. In allen Fällen kann ein richtig eingestellter, anatomisch geformter und vibrationsgeminderter Sitz helfen, diese Beschwerden zu vermeiden oder zumindest zu lindern. Voraussetzung ist allerdings, dass der Sitz passend zum mobilen Arbeitsgerät ausgewählt wurde.
Um die entsprechenden neuesten technischen Möglichkeiten sowie den aktuellen Stand in Medizin und Gesetzgebung ging es im Juli 2005 auf dem „Symposium Arbeitsplatz Fahrersitz“ der Firma Grammer. Über 70 Teilnehmer, vor allem Betriebsärzte und Vertreter von Berufsgenossenschaften, waren ins Audimax der Fachhochschule Amberg-Weiden gekommen, um sich über die Entwicklung in der Sitzergonomie zu informieren. Der Arbeitsplatz Fahrersitz wurde aus orthopädischer, gewerbeärztlicher, ergonomischer und biomechanischer Sicht erörtert: Wie sitzt der Mensch richtig? Was ist ergonomisch sinnvoll? Wie bleibt die Wirbelsäule gesund?
EU-Vibrationsverordnung
Auf dem Symposium wurden die Inhalte und Konsequenzen der EU-Richtline 2002/44/EG „Vibrationen“ vorgestellt und diskutiert. Das Thema ist brandaktuell, denn seit Sommer 2005 muss diese Richtlinie in nationales Recht umgesetzt sein. Sie dient dem Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch Vibrationen. Ziel der Bestimmungen sind präventive Maßnahmen gegen Muskel- und Skeletterkrankungen sowie Durchblutungsstörungen. Die Umsetzung der Vorschrift wird oftmals weitreichende organisatorische Maßnahmen sowie entsprechende technische Arbeitsschutzmaßnahmen zur Folge haben. Muskel-Skelett-Erkrankungen haben in der EU einen Anteil von etwa 50 Prozent an allen arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen. Solche Schädigungen erleiden vor allem Arbeitnehmer, die bei der Arbeit ständig mechanischen Schwingungen ausgesetzt sind.
Mit der neuen EU-Norm wird geregelt, welchem „Gesamtvolumen“ an Schwingungen ein Arbeitnehmer täglich maximal ausgesetzt werden darf und welche Konsequenzen es hat, wenn diese Grenzwerte nicht eingehalten werden. Arbeitgeber in der EU müssen künftig in angemessenen Abständen die Vibrationen messen, denen die Arbeitnehmer ausgesetzt sind. Sollten die Grenzwerte überschritten sein, hat der Arbeitgeber unverzüglich Maßnahmen zur Minimierung der Gefährdung und zur Einhaltung der Grenzwerte zu ergreifen. Äußerst unangenehm wird es für Arbeitgeber, wenn Arbeitnehmer krank werden und ein Zusammenhang mit überhöhten Vibrationen hergestellt werden kann.
Sitzkomfort in neuen Dimensionen
Der Fahrersitz – Hauptschnittstelle zwischen Mensch und Kabine des mobilen Arbeitsgeräts – beeinflusst die Arbeitsbedingungen maßgeblich. Durch die ergonomische Gestaltung dieses Arbeitsplatzes kann ein wichtiger Beitrag zur Prävention geleistet werden. Dabei muss allerdings unterschieden werden, um welche Arbeitsmaschine es sich handelt. Die Arbeitsaufgabe eines Staplerfahrers beispielsweise unterscheidet sich erheblich von der eines LKW- oder Baumaschinenfahrers.
Insbesondere die Sitzneuheit Primo für kompakte Baumaschinen und Stapler setzt auf größtmöglichen Schwingungskomfort. Dieser Sitz ist mit einer niedrigaufbauenden Luftfederung (oder alternativ einer mechanischen Federung mit Gewichts-Schnelleinstellung) ausgestattet und damit für die neuen Normen gerüstet.
Die breiten, ergonomischen Polster dieses Sitzes und seine höhen- und neigungseinstellbaren Armlehnen stützen den Körper optimal. Ebenso die Rückenlehne, die sich in einem Neigungswinkel von minus fünf bis plus 30 Grad einstellen lässt. Der Primo gibt auch beim Rückwärtsfahren einen guten Halt: Die asymmetrische Rückenlehne ist auf der rechten Seite verjüngt und erleichtert so das Umdrehen im Sitz. Für den sensiblen Bereich der Lendenwirbel hat der Primo weltweit als erster niedrigstaufbauender Kompaktsitz eine Lordosenstütze. Und auch die Lehnenhöhe lässt sich in 13 Stufen um bis zu 170 Millimeter passend zur Körpergröße oder Arbeitssituation einstellen. (gm)









