Hebesysteme für die Industrie
Ergonomisches Handling in der Tierfutter-Logistik
Der anhaltende Boom im Heimtiersegment stellt die Logistik in der Produktion, im Lager und im Versand vor neue Herausforderungen. Immer größere Sortimente, häufige Produktwechsel und schwere, unhandliche Gebinde müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicher und schnell bewegt werden. Besonders die manuellen Schnittstellen zwischen Maschinen, Fördertechnik und Versandlager werden zum Nadelöhr: Hier bewegen Lagermitarbeitende schwere Ware nach wie vor händisch und unter Zeitdruck von A nach B. Moderne Hebesysteme eröffnen Optimierungspotentiale: Sie verbinden hohen Durchsatz mit ergonomischem Arbeiten und machen Gesundheitsschutz zu einem messbaren Produktivitätsfaktor.
Der Heimtiermarkt wächst seit Jahren stabil und zeigt selbst in wirtschaftlich volatilen Zeiten eine bemerkenswerte Resilienz. Mit der zunehmenden „Humanisierung“ von Haustieren steigen jedoch nicht nur Absatzmengen, sondern vor allem die Sortimentsvielfalt. Für Hersteller und Logistikverantwortliche bedeutet das eine Abkehr von weitgehend standardisierten Verpackungsstrukturen. Heute dominieren parallel unterschiedlichste Gebinde: 20- bis 25-Kilogramm-Säcke mit Trockenfutter, Kartonagen mit empfindlichen Nassfutter-Pouches, Dosen-Trays, Folienverpackungen oder Kunststoff-Eimer.
Diese Vielfalt wirkt sich unmittelbar auf die Intralogistik aus. Wo früher homogene Gebinde mit klar definierten Greifpunkten verarbeitet wurden, sind heute flexible Prozesse mit hoher Anpassungsfähigkeit gefragt.
Die körperliche Belastung in der Intralogistik wird häufig unterschätzt. Zwar sind moderne Produktionsstätten und Logistikzentren hochgradig strukturiert und IT-gestützt, doch das Bewegen der Ware erfolgt insbesondere an Übergabepunkten vielfach weiterhin manuell. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Dimension: Kommissioniert ein Mitarbeitender pro Schicht 400 Einheiten mit einem Einzelgewicht von 20 Kilogramm, bewegt er insgesamt acht Tonnen. Und das nicht einmalig, sondern immer wieder.
Beispiel produktionsnahe Intralogistik: schwere Gebinde, hohe Taktzahlen
In der produktionsnahen Intralogistik treten ergonomische Herausforderungen vor allem beim Abnehmen von Sackware aus Verpackungsmaschinen, dem Umsetzen auf Fördertechnik, dem manuellen Nachjustieren von Lagen sowie beim Palettieren am Linienende auf. Diese Tätigkeiten sind häufig hochgetaktet und lassen sich aufgrund variierender Sackformate, Gewichte und Materialeigenschaften nur eingeschränkt automatisieren.
Wiederholtes Heben, Drehen und Positionieren schwerer Lasten belastet Mitarbeitende erheblich und führt ohne technische Unterstützung langfristig zu Ermüdung, Leistungsabfall sowie einem erhöhten Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen. Da diese Prozessschritte zugleich eine hohe Relevanz für den Gesamtdurchsatz haben, wirken sich Leistungseinbußen und krankheitsbedingte Ausfälle unmittelbar auf die Linienverfügbarkeit aus. Ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze an diesen kritischen Übergabepunkten sind daher kein reiner Arbeitsschutzaspekt, sondern ein zentraler Faktor für Mitarbeiterbindung und Lieferfähigkeit.
Wirtschaftlichkeit und ROI
Für Betriebsleiter ist die Investition in Handhabungstechnik letztlich eine wirtschaftliche Entscheidung. Ihre Amortisation stützt sich auf drei zentralen Faktoren: Erstens sinken die Lohnnebenkosten, da schwere Lasten von einer einzelnen Person sicher bewegt werden können. Zweitens reduzieren sich krankheitsbedingte Fehlzeiten, insbesondere durch Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenbeschwerden, die in der Logistik zu den häufigsten Ursachen für Langzeitausfälle zählen.
„Ein Vakuumheber amortisiert sich oft bereits durch die Vermeidung von ein bis zwei Langzeitausfällen pro Jahr“, berichtet Fabian Wenninghoff, Key-Account-Manager bei dem Premiumhersteller von Vakuum-Hebetechnik Timmer GmbH aus Neuenkirchen. Drittens sorgen unterstützte Prozesse für konstante Taktzeiten über die gesamte Schicht hinweg, unabhängig von Ermüdung.
Formvariable Gebinde als Belastungsprobe für Prozesse und Ergonomie
In der Planung moderner Logistikprozesse dominieren häufig idealisierte Annahmen: standardisierte Kartons, berechenbare Lasten, definierte Greifpunkte. Die Realität in der Tierfutterindustrie sieht anders aus: Hier prägen formvariable, teils instabile Gebinde den Materialfluss und stellen insbesondere manuelle und teilautomatisierte Handlingprozesse vor erhebliche Herausforderungen.
Säcke mit Trockenfutter beispielsweise sind unhandlich, denn der Inhalt kann sich verlagern. Der Schwerpunkt wandert, dementsprechend müssen die Bewegungsabläufe beim Heben permanent nachjustiert werden. Das erhöht nicht nur die körperliche Belastung, sondern reduziert auch die Prozessgeschwindigkeit. Hinzu kommt der hohe Anspruch an den Produktschutz. Verpackungen fungieren als Visitenkarte des Produkts. Beschädigte Folien oder deformierte Gebinde wirken sich unmittelbar auf die wahrgenommene Qualität aus.
Intuitive Technik für hohe Taktzahlen
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben sich Vakuum-Schlauchheber als Brückentechnologie zwischen manueller Arbeit und Vollautomatisierung etabliert. Entscheidend ist dabei die individuelle Auslegung auf konkrete Prozesse. „Nur Systeme, die optimal auf Gebinde, Gewichte und Taktzahlen abgestimmt sind, werden im Arbeitsalltag tatsächlich genutzt“, sagt Wenninghoff.
Für hochtaktige Pick-and-Place-Prozesse eigne sich beispielsweise das System "quickLIFT". Die Einhandbedienung ermöglicht schnelle, fließende Bewegungen. Mit Tragfähigkeiten von bis zu 65 Kilogramm kann eine einzelne Person Aufgaben übernehmen, die zuvor im Zwei-Personen-Betrieb ausgeführt wurden. Spezielle Greifer wie der Multisauger mit Schaumstruktur gewährleisten dabei sicheren Halt auch bei grob strukturierten Kartonagen. „Durch einen 90°-Schwenkkopf und 360°-Drehteller kann der Vakuumheber individuell an seinen Einsatzort angepasst werden“, so Wenninghoff.
Verfügbare Greiflösungen für den Vakuumheber sind unter anderem ein Kegsauger für Fässer, ein Sacksauger für Sackware, ein Balgsauger, eine kleine Pakettraverse, ein Hakenadapter für Kanister oder Eimer mit Henkel sowie der Kistengreifer für Eurokisten oder Kleinladungsträger.
„Durch die gleichmäßige Verteilung der Haltekraft gelingt das Produkthandling besonders materialschonend, sodass Verpackungen, Füllungen und empfindliche Oberflächen unversehrt bleiben“, erklärt Wenninghoff. Selbst instabile Sackware oder grob strukturierte Oberflächen lassen sich präzise heben, absetzen und drehen, ohne dass das Material verformt oder beschädigt wird.
Speziallösungen für komplexe Gebinde
Wo eine besonders präzise Positionierung erforderlich ist, etwa beim Palettieren schwerer Sackware, kommen Systeme mit Zweihandbedienung wie das System "lightLIFT" zum Einsatz.Hier sind Erweiterungen, wie ein 360°-Drehteller sowie eine Fernbedienung für die Vakuumpumpe für maximale Anpassungsfähigkeit, möglich. Sauger für verschiedene Anwendungen sind erhältlich. „Unser Schnellwechselsystem ermöglicht zudem den werkzeuglosen Austausch der Greifer innerhalb weniger Sekunden“, ergänzt Wenninghoff. So wird das Hebesystem zum vielseitigen Multitool.
Integration in bestehende Verpackungslinien
Die Integration der Schlauchheber erfolgt meist modular an strategischen Knotenpunkten der Verpackungslinie, etwa am Ende von Absackstationen oder beim Umpacken von Trays in Versandkartons. Schwenkausleger mit Aktionsbereichen von bis zu 270 Grad ermöglichen eine nahtlose Einbindung in bestehende Layouts, ohne Verkehrswege für Flurförderzeuge zu blockieren. „Das geringe Eigengewicht der Aluminium-Kranausleger minimiert die Massenträgheit und unterstützt ein präzises, ermüdungsfreies Arbeiten“, berichtet Wenninghoff.
Anwendungsbeispiel Warenausgang
Wie ein ergonomisch optimierter Warenausgang gestaltet werden kann, zeigt exemplarisch ein Projekt bei dem Elektronikgroßhändler ENO telecom GmbH aus Nordhorn. Dort wurde der Versandbereich, der insbesondere in Auftragsspitzen durch hohe Taktzahlen und wiederholtes Heben von bis zu 32 Kilogramm schweren Paketen geprägt ist, mit einem Vakuum-Schlauchheber ausgestattet. Die Hebehilfe ermöglicht es, das Hebegut direkt von der Fördertechnik aufzunehmen und kraftarm umzusetzen. Durch die Integration des Schlauchhebers ist der Arbeitsplatz am Warenausgang deutlich attraktiver geworden und ENO verzeichnet weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Übertragen auf das Handling von Tiernahrung lässt sich dieses Set-up als Blaupause verstehen: Ein durchdacht integrierter Schlauchheber stabilisiert die Abläufe im Warenausgang, reduziert körperliche Belastungen und trägt zu einem gleichmäßigen, effizienten Materialfluss bei, auch wenn Bestellungen zum Tagesende gebündelt anfallen.
Die Logistik für Tiernahrung wird sowohl in ihrem Volumen als auch in ihrer Komplexität weiter wachsen. Der steigende Variantenreichtum lässt sich jedoch nur dann wirtschaftlich beherrschen, wenn Mensch und Technik optimal zusammenspielen. Ergonomische Hebesysteme zeigen, dass Produktivität und Arbeitsschutz keine Gegensätze sind. Durch die Entlastung der Belegschaft und die Stabilisierung hoher Taktzahlen entstehen Prozesse, die effizient, resilient und langfristig zukunftsfähig sind.
Globaler Tiernahrungsmarkt
• Marktwachstum: Der weltweite Markt für Heimtiernahrung wird bis 2030 voraussichtlich ein Volumen von über 170 Mrd. USD erreichen. Treiber ist der Megatrend der „Humanisierung von Haustieren“ (Quelle: Fortune Business Insights).
• Handling-Leistung: In modernen Distributionszentren bewegen Kommissionierer während einer 8-Stunden-Schicht oft eine kumulierte Last von 5.000 bis 8.000 kg. Ohne mechanische Unterstützung bedeutet dies eine enorme körperliche Belastung.
• Ergonomische Auswirkungen: Internationalen Studien zufolge sind Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSD) weltweit die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit in der Logistik. Sie verursachen branchenübergreifend Kosten in Milliardenhöhe durch Produktivitätsverluste.
• Operative Effizienz: Der Einsatz von Vakuum-Schlauchhebern wie quickLIFT oder lightLIFT stabilisiert die individuelle Pick-Rate, da körperliche Ermüdung als limitierender Faktor reduziert wird.
Timmer GmbH auf der Logimat: Halle 7, Stand 7A25









