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Artikel und Hintergründe zum Thema

Elektroniker

Holger Engelbrecht / am,

Vom Lötkolben zum Laptop

Der Beruf des Elektronikers hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt. Digitalisierung, Miniaturisierung und immer smartere Systeme treiben diese Entwicklung voran – und erweitern stetig das Berufsfeld des Elektronikers. Dieser Beitrag wirft einen Blick darauf, welche Werkzeuge und Fähigkeiten heute und in Zukunft gefragt sind.

Der Beruf des Elektronikers ist in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. © industrieblick/stock. adobe.com

Lange Zeit lag der Schwerpunkt im Beruf des Elektronikers vor allem auf den handwerklichen Fähigkeiten. Zu den wichtigsten Tätigkeiten zählten das Installieren und Verdrahten von Anlagen, das Reparieren defekter Geräte oder das Austauschen von Bauteilen. Auch die Fehlerdiagnose war im Vergleich zur heutigen Technik einfach: Mit einem Durchgangsprüfer oder einem einfachen Multimeter ließ sich ein Schaltkreis meist schnell überprüfen.

Die Werkzeuge, die dafür benötigt wurden, waren überschaubar: Schraubendreher, Zange, Lötkolben – mehr brauchte es im Alltag meist nicht. Auch die Bauteile selbst waren größer, besser greifbar und weniger komplex aufgebaut. Elektroniker arbeiteten an überschaubaren Schaltungen, die sie mit etwas Erfahrung schnell beherrschten. Präzision war selbstverständlich schon damals wichtig: saubere Lötstellen, ordentlich verlegte Kabel und möglichst fehlerfreie Handarbeit galten und gelten als Markenzeichen einer guten Fachkraft. Denn die Tätigkeit verlangte vor allem handwerkliches Können und praktische Fertigkeiten.

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Heute sieht das ganz anders aus. Die Miniaturisierung der Bauteile zwingt Elektroniker dazu, deutlich feinere Werkzeuge einzusetzen. Wer schon einmal versucht hat, ein winziges SMD-Bauteil mit bloßen Händen zu greifen, weiß: Ohne Pinzette, Mikroskop oder gar spezielle Rework-Station ist das unmöglich. Die Werkstattausstattung ist inzwischen hochspezialisiert: Lötstationen mit präziser Temperaturregelung verhindern Schäden an empfindlichen Bauteilen. Digitale Multimeter und moderne Oszilloskope ermöglichen nicht nur Messungen, sondern auch detaillierte Analysen. In der Qualitätskontrolle kommen Röntgen- oder CT-Systeme zum Einsatz, um schwer erkennbare Fehler sichtbar zu machen. Selbst der 3D-Druck hält Einzug in die Arbeitspraxis – etwa für Gehäuse, Prototypen oder spezielle Halterungen. Aus dem klassischen Handwerk ist ein Hightech-Beruf geworden, der eher an die Arbeit in einem modernen Labor erinnert.

Digitalisierung verändert die Arbeit

Hinzu kommt die Digitalisierung, die den Beruf inhaltlich stark verändert hat. Elektroniker arbeiten längst nicht mehr nur an einzelnen Geräten, sondern an vernetzten Systemen. Ob Smarthome, KNX oder industrielle IoT-Lösungen – die Grenzen zwischen klassischer Elektrotechnik und IT verschwimmen zunehmend. Der Elektroniker wird dabei immer mehr zum Systemintegrator, der dafür sorgt, dass Hard- und Software reibungslos zusammenspielen.

Das verlangt nicht nur technisches Fingerspitzengefühl, sondern auch neue Kompetenzen: Programmierung, Parametrierung von Steuerungen und die Nutzung digitaler Tools gehören heute zum Alltag. Tablets ersetzen die Dokumentation auf Papier, cloudbasierte Systeme ermöglichen die Zusammenarbeit im Team, CAD-Programme unterstützen bei Planung und Entwicklung. Die eigentliche Handarbeit tritt ein Stück in den Hintergrund, denn die richtige Konfiguration und die präzise Auswertung von Messdaten werden immer wichtiger. Mit den neuen Werkzeugen und Arbeitsweisen steigen auch die Anforderungen. Ein moderner Elektroniker braucht heute ein viel breiteres technisches Wissen, das von klassischer Hardware bis hin zu komplexer Software reicht. Gleichzeitig muss er in der Lage sein, moderne Diagnosesysteme zu bedienen und Daten richtig zu interpretieren.

Die zunehmende Vernetzung bringt zudem neue Themen mit sich: Datensicherheit und Netzwerkschutz sind in Zeiten von Smarthome und Industrie 4.0 längst keine Nebenschauplätze mehr. Auch Soft Skills gewinnen an Bedeutung: Elektroniker mussten schon immer mehr mitbringen als technisches Know-how – etwa Kommunikationsfähigkeit und Problemlösungskompetenz im Team, bei Inbetriebnahmen oder in der Kundenberatung. Heute sind diese Fähigkeiten jedoch noch entscheidender geworden.

Blick in die Zukunft

Ein Blick nach vorn zeigt: Der Wandel ist noch lange nicht abgeschlossen. Werkzeuge und Arbeitsweisen werden in den kommenden Jahren noch digitaler, vernetzter und automatisierter. Künstliche Intelligenz könnte bei der Fehlerdiagnose unterstützen, indem sie Muster erkennt, die dem menschlichen Auge entgehen. In der Fertigung sind bereits heute weitgehend automatisierte Produktionslinien im Einsatz – Elektroniker könnten in Zukunft verstärkt die Rolle von Überwachern und Troubleshootern einnehmen. Auch Augmented-Reality-Brillen könnten zum Standardwerkzeug werden, wenn es darum geht, komplexe Reparaturen Schritt für Schritt durchzuführen. Damit wird der Elektroniker zum Brückenbauer zwischen traditioneller Technik und zukunftsweisendem Fortschritt. Seine Aufgabe bleibt es, Systeme zu verstehen, Fehler zu finden und Lösungen zu entwickeln – nur eben mit ganz anderen Mitteln als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der Schraubendreher wird also nicht verschwinden, aber er bekommt Gesellschaft von Mikroskop, Tablet und vielleicht bald auch von einer KI.

Holger Engelbrecht, Produktmanager bei Reichelt Elektronik

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