Zukunftsfähige Produktion

Andreas Mühlbauer,

5 Maßnahmen, um gestärkt aus der Krise zu kommen

Die Hoffnungen auf ein Ende der Covid-19-Pandemie sind mit dem Beginn der Impfungen gestiegen. Jetzt heißt es für viele Unternehmen durchhalten und nach vorne gehen. Denn wer aktuell clever in Strukturen, Prozesse und Werkzeuge investiert, kommt nicht nur besser durch die Pandemie. Auch für künftige Herausforderungen sind diese Unternehmen besser gerüstet.

Regeln für Schutzkleidung und andere Hygienemaßnahmen müssen derzeit laufend aktualisiert werden. Plattformen für vernetztes Arbeiten ermöglichen die Aktualisierung von SOPs in Echtzeit. © Aleksandar Malivuk/shutterstock.com

Unternehmen mit Weitsicht machen sich Gedanken um die Zeit nach der Pandemie. Um herauszufinden, welche Faktoren sie heute erfolgreich durch die Krise tragen und maßgeblich zur wirtschaftlichen Erholung beitragen, befragte das Weltwirtschaftsforum weltweit Unternehmen der fertigenden Industrie. Hier zeigten sich fünf wesentliche Stellschrauben, an denen es sich zu drehen lohnt:

1. Agilität durch einfache Technologien steigern

Kurzfristige Linienumstellungen waren und sind in vielen Fabriken an der Tagesordnung, um unterschiedliche Produkte, Produktgrößen und -kombinationen zu fertigen. Ebenso häufig müssen Kolleginnen oder Kollegen für kranke oder in Quarantäne befindliche Mitarbeitende einspringen – oft an für sie ungewohnten oder sogar neuen Arbeitsplätzen.

Nur zwei Beispiele dafür, dass ständige Veränderungen durch die Pandemie Alltag geworden sind. Der positive Effekt: Hersteller, die lernen, diese Herausforderungen heute meistern, kommen auch morgen mit häufigen Wechseln in den Betriebsabläufen leichter und schneller zurecht. Damit stehen sie dem permanenten Wandel künftiger Arbeitswelten gelassener entgegen.

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Was aber führt zu diesem Ziel? Zum einen braucht es Technologien, die ein ortsunabhängiges Arbeiten unterstützen. Dazu zählen Digitale Zwillinge, Augmented Reality, Fernüberwachung von Maschinen oder digitale Dashboards. Sie helfen den Unternehmen jetzt und in den kommenden Jahren ihre Flexibilität wesentlich auszubauen. Unterstützt werden sie dabei durch ein Mehr an Automatisierung und Robotik.

Das allein reicht aber noch nicht: Um eine Krise zu bewältigen, gilt es die Industriearbeiter mit digitalen Werkzeugen auszustatten, sodass sie ihre Aufgaben einfacher, schneller und in der nötigen Qualität erledigen können. Denn eines hat die Pandemie deutlich vor Augen geführt: Ohne Menschen läuft in den Fabrikhallen gar nichts.

2. Berufliche Weiterentwicklung „on the job“ ermöglichen

Sollen Mitarbeitende gut mit unvorhergesehenen oder sehr schnellen Veränderungen zurechtkommen, brauchen sie Unterstützung. Zum Beispiel in Form von Software, die just-in-time digitale Anleitungen und Lernmöglichkeiten bereitstellt. Ein konkretes Beispiel sind Werker-Assistenzsysteme wie die Parsable Plattform für vernetztes Arbeiten. Mit ihrer Hilfe lassen sich Standard Operating Procedures (SOPs) zugleich über mehrere Schichten und sogar Standorte hinweg einführen und aktualisieren.

Die Arbeitenden erhalten auf mobilen Geräten umfassende Schritt-für-Schritt-Anleitungen, nach Bedarf angereichert um Videos, Fotos, Grafiken oder PDFs. Interaktive Formulare und Checklisten stellen zudem sicher, dass Werker und Techniker die neuesten lokalen Vorschriften und Standards einhalten. Und das ohne lange Trainings vorab, direkt „on the job“.

So entstehen neue Kompetenzen direkt bei der Arbeit. Das reicht von technischem und operativem Know-how bis hin zu Soft Skills wie Eigenverantwortung, Zusammenarbeit und Problemlösung. Langfristig erhöhen Unternehmen damit ihre Fähigkeit, mit Veränderungen souverän umzugehen.

3. Arbeitssicherheit erhöhen und die Arbeitsfähigkeit verbessern

Die Sicherheit, die durch die dauerhafte Unterstützung einer solchen Werker-Assistenz entsteht, zahlt darüber hinaus auf ein zweites Thema ein, das während der Krise in den Fokus gerückt ist: das der Arbeitssicherheit und des psychischen Wohlergehens. Beides zu gewährleisten, gehört in Deutschland zu den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten des Arbeitgebers, unter anderem verankert im Arbeitsschutzgesetz sowie im Sozialgesetzbuch.

Aber noch nie wurde so klar, was diese Pflicht bedeutet, wie im Laufe des letzten Jahres. Auf einmal galt es innerhalb weniger Tage neue Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen einzuführen. Ebenso wichtig war es, das Vertrauen der Arbeiter in die Fähigkeit ihres Arbeitgebers zu stärken, ihre Gesundheit – und damit auch die ihrer Familien – zu schützen. Und je länger die Pandemie dauerte, desto stärker rückte auch das psychische Wohlbefinden der Mitarbeitenden in den Fokus.

Connected-Worker-Plattformen und die Ausstattung der Belegschaft mit Smart Devices leisten dafür wertvolle Dienste. Sie tragen dazu bei, die Zusammenarbeit trotz 1,5-Meter-Abstandsregeln so natürlich und persönlich wie nur möglich zu gestalten – sowohl am Arbeitsplatz als auch beim Schichtwechsel. Für ein Mehr an Sicherheit und Hygiene sorgt die direkte Integration der Arbeitsschutz-Vorschriften in die Arbeitsabläufe. Das reicht von der Erinnerung ans Händewaschen, über das Tragen der richtigen Schutzausrüstung bis hin zur Durchsetzung von Besuchsregeln.

Diese technischen Hilfsmittel können auch in Zukunft mehr Austausch, Verbundenheit und Partizipation innerhalb der Belegschaft bewirken. Denn Arbeiter und Techniker holen damit auf einfachstem und direktem Wege Rat von Kollegen oder Vorgesetzen ein, melden direkt aus ihrer Arbeitssituation heraus einen Status zurück oder machen Verbesserungsvorschläge – nicht nur in Sachen Gesundheit und Sicherheit.

Corona verdeutlichte Unternehmen und Führungskräften: Wer Angst empfindet und emotional erschöpft ist, bringt auch bei der Arbeit nicht sein volles Potenzial ein. Ein innerbetriebliches Gefühl der Stabilität und des Gleichgewichts zu schaffen, ist daher eine wichtige Stellschraube des geschäftlichen Erfolgs. Diese Erkenntnis und die daraus abgeleiteten Veränderungen stärken daher nachhaltig die Arbeitszufriedenheit sowie Arbeitsfähigkeit – und helfen so, Fachkräfte im Unternehmen zu halten und die Zahl von Krankheitstagen zu verringern.

4. Remote Work: Lehren aus Corona in Erfolgsfaktoren ummünzen

Einen wahren Quantensprung kann die Berufswelt hinsichtlich virtueller Kollaboration verbuchen. Quasi über Nacht wurde es während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 normal, Großteile der Arbeit auf Zoom, Microsoft Teams und andere Collaboration-Plattformen zu verlagern. Als Folge der Dringlichkeit stiegen die damit verbundenen Software-Skills, die Akzeptanz dieser Tools und das soziale Miteinander im digitalen Raum sprunghaft an. Sogar Produktions-Audits wurden remote durchgeführt. Last but not least erlernten Manager und Leader die Kunst des Führens aus dem Homeoffice.

In diesen neu erworbenen Fähigkeiten steckt für die Zukunft großes Potenzial: Auch wenn persönliche Treffen wieder möglich sind, lassen sich durch ein Arbeiten auf Distanz viel Zeit und Kosten sparen. Darüber hinaus eröffnet Remote Work große Chancen, auf persönliche, gesundheitliche und familiäre Umstände von Mitarbeitenden einzugehen. Ein Mix aus Fern- und Vor-Ort-Arbeit kann in Zeiten des drohenden Fachkräftemangels zu einem wichtigen Faktor werden, um Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen in Einklang zu bringen.

5. Unternehmens-Resilienz steigern

Das Wort Resilienz kommt aus dem Lateinischen von resilire: abprallen, zurückspringen, nicht anhaften. Es bezeichnet die Fähigkeit einzelner Menschen, Gruppen oder Gesellschaften, sich Herausforderungen und Veränderungen so anzupassen, dass sie heil oder sogar gestärkt daraus hervorgehen. Vor diesem Hintergrund ist die Covid-19-Krise eine Chance, Widerstandsfähigkeit durch die Erarbeitung neuer Bewältigungsstrategien aufzubauen – und sich damit für künftige Herausforderungen zu wappnen.

Unzählige Manager und Unternehmen haben genau dies getan und tun es weiterhin: Sie ergreifen zusammen mit ihrer Belegschaft mutige Maßnahmen, stärken ihre Mitarbeitenden und investieren in technologische Innovationen, die sie fitter und damit zukunftsfähiger machen.

Carsten Hunfeld, Head of D/A/CH, Parsable, München

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