Umsatz im Mobilitätsgeschäft wächst um rund fünf Prozent
Bosch wächst in China und treibt automatisiertes Fahren auf Level 3 voran
China bleibt für Bosch der zentrale Wachstumstreiber im globalen Automobilgeschäft. Auf der Auto China in Peking hat das Unternehmen seine jüngsten Entwicklungen im Bereich softwaredefinierter Mobilität und automatisierten Fahrens vorgestellt – mit besonderem Fokus auf den Übergang zu hochautomatisierten Fahrfunktionen auf Level 3. Zugleich konnte die Mobilitätssparte ihren Umsatz im Land im abgelaufenen Geschäftsjahr um rund fünf Prozent steigern.
Der China-Umsatz von Bosch Mobility stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 116,6 Milliarden CNY auf 122,3 Milliarden CNY (circa 15,1 Milliarden Euro), ein Plus von 4,9 Prozent. Mehr als die Hälfte der Erlöse wurde dabei mit chinesischen Fahrzeugherstellern erzielt. Insgesamt entfielen 2025 in China 34,5 Millionen Pkw und schwere Nutzfahrzeuge auf die Produktion, entsprechend mehr als einem Drittel der weltweiten Fahrzeugproduktion.
„Das Mobilitätsgeschäft in China ist zwar anspruchsvoll, doch Bosch fährt an der Spitze“, sagt Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, bei der diesjährigen Auto China in Peking. „Bosch arbeitet in China mit nationalen und internationalen Herstellern zusammen. In der zunehmend von Software und künstlicher Intelligenz geprägten Mobilität sind wir gefragter Technologiepartner, weil wir mit hoher Geschwindigkeit hervorragende Lösungen entwickeln und bereitstellen können.“
Ein Beispiel für diese Entwicklungsgeschwindigkeit ist die neue automatische Ausweichfunktion „Autonomous Emergency Steering“, die Bosch gemeinsam mit einem chinesischen Fahrzeughersteller innerhalb von sechs Monaten zur Serienreife gebracht hat. Das System verbindet Fahrassistenz und Fahrzeugsteuerung so, dass die Sicherheit deutlich erhöht wird. Wenn bei plötzlich auftretenden Hindernissen – etwa einem ausschwenkenden Fahrzeug oder einem unerwarteten Fußgänger – der Bremsweg nicht mehr ausreicht, verhindert die Funktion Kollisionen. Das Vehicle Motion Management von Bosch koordiniert dabei Bremse, Lenkung und Antriebsstrang so schnell und zielgerichtet, dass das Fahrzeug ausweicht, ohne an Stabilität zu verlieren – auch unter winterlichen Straßenverhältnissen.
Automatisiertes Fahren: Entwicklung von Level 2 zu Level 3
Im Bereich assistiertes und automatisiertes Fahren baut Bosch seine Position in China weiter aus. Während bereits rund zwei Drittel der neu verkauften Pkw im Land mit Fahrerassistenzsystemen auf Level 2 ausgestattet sind, steigt die Nachfrage nach höheren Automatisierungsstufen deutlich. „Bosch ist einer der führenden Anbieter im stark wachsenden chinesischen Markt für assistiertes und automatisiertes Fahren", sagt Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender von Bosch Mobility. Das Unternehmen hat entsprechende Systeme in unterschiedlichen Ausbaustufen weltweit im Portfolio und zahlreiche Aufträge in allen wichtigen Regionen gewonnen.
Der Markt in China strebt zunehmend nach Level-3-Funktionen. Parallel dazu wird an der gesetzlichen Grundlage für den Einsatz entsprechender Systeme in Privatfahrzeugen gearbeitet. Bosch hat seit März 2026 die Lizenz, im chinesischen Wuxi Fahrzeuge mit Level-3-Funktionen im Realbetrieb zu testen. Zum Einsatz kommt dabei eine weiterentwickelte ADAS-Systemlösung im Chery Exeed ES, die in umfangreichen Tests bereits überzeugt hat.
Auf Level 3 übernimmt das Fahrzeug in definierten Situationen die Fahraufgabe vollständig. Der Fahrer darf Hände vom Lenkrad und Augen von der Straße nehmen. Das System ermöglicht automatisiertes Fahren auf Autobahnen und Schnellstraßen bis 120 km/h und arbeitet bei Sichtweiten bis zu 300 Metern. Spurwechsel erfolgen automatisch. „Wir sind idealer Partner, um Level-3-Fahrfunktionen mit echtem Mehrwert ins Fahrzeug zu bringen“, sagt Markus Heyn: „Wir setzen KI in jedem Softwarebaustein ein und kombinieren sie mit einer redundaten Sicherheitsarchitektur. Mit unserem Wissen über alle Fahrzeugdomänen hinweg sind wir idealer Partner für Hersteller, um Level 3 zu skalieren“, sagt Heyn.
Bosch sieht sich dabei als Systemanbieter entlang der gesamten Wertschöpfungskette der softwaredefinierten Mobilität – von Halbleitern und Sensorik über Hochleistungsrechner bis hin zu Software, KI und Cloud-Lösungen. Ein wesentlicher Baustein sind By-Wire-Systeme für Bremse und Lenkung. Für Brake-by-Wire bietet Bosch eine Lösung aus zwei unabhängigen Bremsgeräten: einem neu entwickelten Bremsaktuator sowie einem klassischen ESP-System. „Mit unserem hydraulischen Brake-by-Wire haben wir ein für alle wichtigen Regionen attraktives Produkt entwickelt. Es beruht auf bewährten sowie kosteneffizienten Komponenten, ist leicht zu integrieren und erleichtert dadurch den Umstieg auf die neue Technologie“, erklärt Heyn. Mit fünf Herstellern bestehen bereits Lieferverträge, die Serienanläufe im Pkw-Bereich sind für Mitte 2026 vorgesehen; zusätzlich kommt das System in Robotaxi-Plattformen mit Produktionsstart voraussichtlich 2027 zum Einsatz.
Auch Steer-by-Wire-Systeme gehören zum Portfolio. Sie sollen ein Fahrgefühl ohne mechanische Verbindung ermöglichen, jedoch mit variabler Lenkübersetzung – von komfortabel beim Einparken über sportlich auf Landstraßen bis hin zu sehr direktem Ansprechverhalten auf der Rennstrecke. Das System wurde in Wintererprobungen in Schweden getestet und soll in diesem Jahr in mehreren Plattformen in Serie gehen. Ergänzend arbeitet Bosch an 48-Volt-Bordnetzen für softwaredefinierte Fahrzeuge. Auf der Auto China 2026 soll gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Chery eine strategische Entwicklungskooperation in diesem Bereich angekündigt werden.
Elektromobilität und Produktionszahlen
Auch im Bereich Elektromobilität baut Bosch seine Position aus. Das Unternehmen hat bereits mehr als 25 Millionen Komponenten für elektrifizierte Antriebe produziert. Für 2026 sind über sieben Millionen weitere Komponenten und Systeme für Elektro- und Hybridfahrzeuge geplant. In China beliefert Bosch mehr als 30 Fahrzeughersteller. Die Effizienz von Elektromotoren wurde nach Unternehmensangaben um bis zu 30 Prozent verbessert, etwa durch Optimierungen bei Blechen, Wicklungen und Kühlung. Für kleinere Fahrzeuge kommen Aluminiumwicklungen statt Kupfer zum Einsatz, während bei sportlichen Anwendungen Leistungsdichten von bis zu 16 kW/kg erreicht werden.
Bereits 2025 stellte Bosch zudem eine eAchse mit Magnesiumgehäuse vor, die rund ein Fünftel Gewicht einspart. Der Trend zur Systemintegration – also der Kombination mehrerer Funktionen in einem Gehäuse – führt zu weiteren Effizienzgewinnen bei Gewicht, Bauraum und Kosten. Die 6-in-1 eAchse kombiniert Elektromotor, Getriebe, Inverter, On-board-Ladegerät, DC/DC-Wandler und Power Distribution Unit und geht in diesem Jahr in China in Serie.
„Wer wie wir in der Lage ist, Angebot und Lieferketten an regionale Gegebenheiten anzupassen, und gleichzeitig Weltniveau liefern kann, ist klar im Vorteil“, sagt Bosch-Chef Hartung. Bosch Mobility ist der größte Unternehmensbereich der Bosch-Gruppe und trug 2025 mit 55,8 Milliarden Euro rund 61 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Die Bosch-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 91 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 413.000 Mitarbeitende.










