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Artikel und Hintergründe zum Thema

Bitkom zum Weltfrauentag

Alexandra Hose,

Fehlende Frauen, verlorene Chancen: IT-Berufe noch in Männerhand

Ob Programmierung, Cloud-Architektur oder KI-Entwicklung – IT- und Digitalberufe sind noch immer eine Männerdomäne. Der Frauenanteil ist verschwindend gering, und das gefährdet aus Sicht der deutschen Wirtschaft die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

© Bitkom

Von KI-Expertin über Programmiererin bis hin zur Cloud-Architektin – Frauen sind in den IT- und Digitalberufen weiterhin stark unterrepräsentiert. Das zu ändern ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit: Knapp zwei Drittel, 64 Prozent, der deutschen Unternehmen sagen, ohne Frauen in Digital- und IT-Berufen verspielt die deutsche Wirtschaft ihre Zukunft. 59 Prozent sehen die deutsche Wirtschaft beim Thema Frauenanteil in Digital- und IT-Berufen international unter den Nachzüglern, 23 Prozent sagen sogar, die deutsche Wirtschaft hat den Anschluss verpasst. 15 Prozent sehen die deutsche Wirtschaft hingegen unter den Vorreitern, nur 1 Prozent an der Spitze. Das sind Ergebnisse einer Studie des Digitalverbands Bitkom anlässlich des Weltfrauentages am 8. März, für die mehr als 600 Unternehmen aller Branchen repräsentativ befragt wurden.

Geht es um den allgemeinen Frauenanteil unter den Beschäftigten deutscher Unternehmen, sind in 64 Prozent der Unternehmen weniger als die Hälfte weiblich. 19 Prozent haben etwa gleiche Anteile von Frauen und Männern in der Belegschaft. 15 Prozent mehr Frauen als Männer. Betrachtet man speziell die IT-Abteilungen innerhalb der Unternehmen sind in 94 Prozent der deutschen Unternehmen weniger als die Hälfte der IT- und Digitalstellen weiblich besetzt. In weiteren 4 Prozent ist der Geschlechteranteil in diesen Berufen etwa gleich.

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„Frauen bringen neue Perspektiven und andere Erfahrungen in Unternehmen ein. Diese Vielfalt stärkt nicht nur technologische Innovation und  Wettbewerbsfähigkeit“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

© Bitkom

Dass sich die Wirtschaft mehr Frauen in diesen Bereichen wünscht und auch etwas dafür tut, ist aber nicht eindeutig: 37 Prozent der Unternehmen haben sich interne Ziele gesteckt, um den Frauenanteil speziell in den IT- und Digitalberufen zu erhöhen. Wohingegen 38 Prozent der Unternehmen keine Ziele diesbezüglich haben. Als Gründe, bisher keine Ziele verankert zu haben, geben die meisten dieser Unternehmen an, nicht genügend qualifizierte Bewerberinnen zu haben (68 Prozent) oder andere Prioritäten zu setzen (61 Prozent). Rohleder: „Gute Absichten reichen oft nicht aus, erst klar definierte Ziele und Verantwortlichkeiten sorgen für Bewegung. Gerade um sich zukunftsfähig und resilient aufzustellen, müssen Unternehmen die Gewinnung von Frauen strategisch angehen.“


Hürden in den Unternehmen 

Die Gründe, warum der Frauenanteil in den IT- und Digitalberufen nicht höher ist, sind vielfältig: 59 Prozent der Unternehmen sehen Hürden beim Wiedereinstieg als Grund, wie fehlende Weiterbildungen während der Elternzeit, 53 Prozent traditionelle Rollenbilder in den Unternehmen, 52 Prozent fehlende Netzwerke für Frauen. Gleichzeitig sagt auch die Hälfte (50 Prozent), eine männlich geprägte Kultur in IT- und Digitalberufen schrecke Frauen ab.

© Bitkom

So sagen zum Beispiel zwar einerseits über zwei Drittel (69 Prozent) der Unternehmen, IT-und Digitalberufe müssten für Frauen attraktiver werden, andererseits sind aber auch 39 Prozent der Meinung, Männer seien für IT- und Digitalberufe grundsätzlich besser geeignet. „Wer einem solchen Irrglauben nachhängt, muss sich über den Fachkräftemangel nicht wundern. Digitalisierung und IT kennen kein Geschlecht“, so Rohleder. „Frauen sollten sich nicht von Stereotypen aufhalten lassen, sondern die Karrierechancen in diesen Zukunftsberufen bewusst für sich nutzen.“

Neugier auf Technik fördern

Aber auch im Bereich der Politik sowie bei den Frauen selbst werden Gründe für den geringen Anteil verortet. Die Hälfte (50 Prozent) sieht eine ungenügende Qualifizierung von Bewerberinnen als Grund, 46 Prozent meinen, es läge an der schlechteren Selbstvermarktung von Frauen. Außerdem sehen 55 Prozent der Unternehmen in dermangelnden Betreuungsinfrastruktur einen Grund für den geringen Frauenanteil in IT- und Digitalberufen.

52 Prozent beobachten Hürden beim Quereinstieg, so würden Arbeitsagenturen Frauen zum Beispiel seltener eine IT-spezifische Weiterbildung empfehlen. Fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) macht eine klischeebehaftete Ausbildung oder Berufsorientierung an Schulen als Grund aus. Rohleder: „Neben dem Elternhaus spielen Schulen und Hochschulen eine wichtige Rolle für die spätere Berufswahl. Umso wichtiger ist es, gerade dort die Neugier von Mädchen und jungen Frauen auf Technik und Digitalisierung zu fördern.“


Initiative #SheTransformsIT

Um Frauen für Karrieren in der digitalen Wirtschaft zu begeistern und Politik und Unternehmen dabei zu unterstützen, weibliche Fach- und Führungskräfte besser zu fördern, engagiert sich der Bitkom mit weiteren Partnern in der Initiative #SheTransformsIT. Das interdisziplinäre Bündnis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft setzt sich dafür ein, Mädchen und Frauen in der digitalen Welt zu stärken.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Gesamtumfrage ist repräsentativ. Die Interviews wurden mit der Führungsebene, Entscheiderinnen und Entscheidern und Personalchefinnen und -chefs durchgeführt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 51 2024 bis KW 6 2025 statt.

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