Robotergestützte Prozessautomatisierung

Andreas Mühlbauer,

Layout für automatisierte Prozessketten planen

Das Institut für Montagetechnik und Industrierobotik automatisiert eine bestehende Prozesskette im Schmiedebereich. Ziel ist die ressourcenschonende Herstellung von Bauteilen mithilfe robotergestützter Prozessautomatisierung. Im Fokus steht dabei unter anderem die Handhabung schmiedewarmer Bauteile.

Ausschnitt der automatisierten Tailored-Forming-Prozesskette. Robotergestützte Verkettung zwischen Erwärmung, Umformmaschine und Qualitätskontrolle in der Massivumformung. © Institut für Umform- technik und Umformmaschinen

Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1153 der Leibniz Universität Hannover wird intensiv an der Entwicklung belastungsangepasster Multimaterialkomponenten durch Massivumformung geforscht. Die einzelnen Teilprojekte fokussieren sich dabei auf Aspekte der Entwicklung hybrider Hochleistungsbauteile mittels Tailored-Forming-Technologie. Um die Ergebnisse der jeweiligen Einzelprozesse bewerten und fundierte Aussagen über die Wirtschaftlichkeit und Ressourceneffizienz treffen zu können, wurde eine vollautomatisierte Prozesskette entwickelt, die die verschiedenen Verfahren und Forschungsleistungen zusammenführt. Im Vordergrund standen vor allem die robotergestützte Verkettung der einzelnen Prozessschritte sowie die flexible Handhabung schmiedewarmer Halbzeuge und Bauteile. Die Vollautomatisierung der Prozesskette gewährleistet zudem eine Reproduzierbarkeit und Taktzeitstabilität, auf deren Basis sich zuverlässige und prozessrelevante Messdaten für weiterführende Analysen generieren lassen.

Die Prozesskette automatisieren

Um eine möglichst effiziente Nutzung der zu Beginn des Prozesses in das Werkstück eingebrachten Wärmeleistung zu erreichen, muss der Roboter so platziert werden, dass die wärmeverlustbehafteten Transportwege zwischen den Prozessschritten minimiert werden. Die Platzierung ist folglich maßgeblich für einen effizienten Prozessablauf und hat einen direkten Einfluss auf dessen Bahnplanung. Eine weitere Herausforderung besteht in der Planung der Prozesskette, die die bestehende Umformmaschine einbezieht. Dies bedingt eine Berücksichtigung räumlicher Einschränkungen.

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Im ersten Schritt erfolgt die Ermittlung der Randbedingungen und technischen Restriktionen, die für Umbau und Erweiterung der Produktionszelle relevant sind. Aufgrund des hohen Gewichts der Umformmaschine ist ein spezielles Fundament erforderlich, sodass eine Neupositionierung nicht möglich ist. Die Positionierung sowie die Konstruktion der Umformmaschine resultieren in einer Herausforderung für die Positionierung des Roboters. Dieser muss die Bauteile durch einen kleinen Ausschnitt im Rahmen der Presse entnehmen. Durch die kinematischen Gegebenheiten eines Vertikalknickarmroboters entsteht folglich ein Platzierungskonflikt beim Erreichen aller Komponenten ohne Kollision.

a) Schematische Darstellung einer geschlossenen Vektorkette: Vektoren der Roboterachsen A1–5, Presstischhöhe vh, Abstand des Roboters zur Presse xPr; b) Komponentenverteilung nach dem Punktwertverfahren mit Gewichtungen in Klammern: Aktiv (A [+2]), Passiv (P [+0]), Erreichbarkeit im Arbeitsraum (R [+1]), Taktzeitrelevanz (T [+1]), Abhängige Komponente (K [+1]). © Institut für Montagetechnik und Industrierobotik

Im zweiten Schritt werden für die Ermittlung einer möglichen Trajektorie des Roboters manuell potenzielle Roboterpositionen bestimmt und mithilfe von geschlossenen Vektorketten auf ihre Eignung bewertet. Um das mathematische Modell zu vereinfachen, wird an dieser Stelle die Annahme getroffen, dass die realen Durchmesser der Roboterachsen vorerst vernachlässigbar sind. Im Rahmen der Berechnung werden der maximale Abstand des Roboters zur Presse bei Strecklage sowie der minimal mögliche Abstand, der unter Berücksichtigung der Abmessungen der einzelnen Achsen möglich ist, ermittelt (Bild oben). In Bezug auf die Roboterpositionierung ließ sich ein Platzierungsbereich von lediglich 187 mm ermitteln, innerhalb dessen eine kollisionsfreie Handhabung möglich ist. Da die übrigen Prozessteilnehmer keine weiteren baulichen Restriktionen besitzen, werden sie im dritten Schritt unter Zuhilfenahme eines Punktwertverfahrens platziert. Im Rahmen der Zuordnung konzeptioneller Kriterien und Eigenschaften erfolgt eine Differenzierung hinsichtlich der aktiven [Gewichtung: +2] oder passiven [+0] Teilnahme am Prozessgeschehen, der Erreichbarkeit durch den Roboter [+1] und der Taktzeitrelevanz [+1] sowie einer direkten Abhängigkeit zu einer anderen Komponente [+1]. Die Gewichtung dieser Kriterien erfolgt in Abhängigkeit von ihrer Bedeutung für den Ablauf der Prozesskette, wodurch eine Rangfolge für alle Prozessteilnehmer entsteht, nach der die Komponenten platziert werden.

KI-gestützte Roboterpositionierung

Um diesen bisher sehr zeitaufwendigen, manuell und iterativ durchgeführten Vorgang effizienter zu gestalten, forscht das Institut match an einem Algorithmus, der die ideale Roboterplatzierung in Abhängigkeit vorangestellter Kriterien für eine allgemeingültige Implementierung von Industrierobotern in (bestehenden) Fertigungsabläufen automatisiert berechnet. Der Algorithmus basiert auf einem 3D-Modell und nimmt im Anschluss an die Berechnung mittels KI-gestützter Optimierung die gleichzeitige Auslegung von notwendigen Adapterelementen zwischen Roboterflansch und Endeffektor vor. Dadurch lässt sich der sonst zeitintensive und iterative Prozess der Roboterplatzierung und -implementierung autonom gestalten, wodurch sich künftig eine erhebliche Ressourceneinsparung erzielen lässt.

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