Meinung

Made by Kopieren

Eigentlich ist niemand so richtig überrascht. China ist als Mutterland der Plagiate seit langem bekannt, und der deutsche Maschinenbau ist dabei neben der Konsumgüterindustrie die am stärksten von Produktkopien betroffene Branche. Doch dass die Chinesen nun ausgerechnet eines der Vorzeigeprojekte deutscher Ingenieurkunst, den Transrapid, einfach nachbauen, zeigt vor allem zweierlei:

In der asiatischen Kultur fehlt jedes Verständnis für die Position der betroffenen Unternehmen. Im Gegenteil: Aktionen wie die alljährliche Verleihung des Negativpreises Plagiarius sehen die „Kopierer als Auszeichnung, die man sich stolz ins Büro hängt“, berichtet Joachim Rohwedder, Vorsitzender des Fachverbands Robotik und Automation im VDMA. „Und wenn wir uns bei den Plagiatoren über den Ideenklau beschweren, erhalten wir zur Antwort: Seien sie doch stolz darauf – wir kopieren nur das Beste!“

Zum anderen gehen die westlichen Unternehmen teilweise sträflich leichtsinnig mit dem Schutz ihres Know-hows um. Auch wenn im Fall des Transrapid sowohl das Transrapid-Konsortium als auch die CAC, unter deren Federführung der chinesische Superzug gebaut wird, beteuern, dass keine Patente verletzt wurden. Die Grundidee ist dieselbe. Wenn man einmal weiß, wie man zur Lösung kommt, ist die Entwicklung eines ähnlichen Weges einfach.

Und durch den in China in vielen Branchen herrschenden Joint-Venture-Zwang öffnet sich für die chinesischen Unternehmen – vom Staat bewusst gefördert – der Zugang zu den Lösungen der Partner. Im Rahmen des notwendigen Technologietransfers erhalten sie tiefe Einblick in die Konstruktionspläne und Blaupausen.

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Branchenkenner machen aber auch die Leichtsinnigkeit der Unternehmer für die Misere verantwortlich. „Wer auf dem chinesischen Markt aktiv ist, sollte dort für seine Produkte und Marken unbedingt ein Patent anmelden“, mahnt Tim Glaser, Sprecher der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung.

Zu dem Leichtsinn trägt aber ein weit verbreiteter Irrglaube bei deutschen Unternehmen und Verbandsmanagern bei: Die Vorstellung, schlechte Ausbildung und mangelhafte Infrastrukturen würden den europäischen Vorsprung bei entwicklungsintensiven Produkten auf Jahre sichern. Sie wird sich als die gefährlichste Fehleinschätzung der chinesischen Wirtschaftsleistung herausstellen. Denn immense staatliche Investitionen in die Bildungs- und Forschungsstrukturen des Landes sorgen für eine schnell wachsende Zahl hoch qualifizierter Fachkräfte – im Gegensatz zu Deutschland, das immer weniger Geld in Ausbildung und Forschung in ingenieur-wissenschaftlichen Bereichen steckt. Auch der chinesische Transrapid wurde mit massiver Hilfe staatlicher Forschungsgelder entwickelt.

Ihr

Hajo Stotz, Chefredakteur

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