Meinung
Der Kampf um die Fachkräfte
Das Angebot an Mitarbeitern bleibt eng im Robotermarkt. Die stählernen Arbeitstiere boomen weltweit. Da reißen sich Roboterhersteller, Integratoren und Anwender um die rar gesäten, qualifizierten Jobsuchenden. Jetzt wird es noch enger.
Seit autonomes Fahren zum Zukunftshype der Automobilindustrie geworden ist, lockt die Fahrzeugindustrie das einschlägige Roboterpersonal mit extra-ordinären Angeboten. Das freut das gesuchte Personal, das quält die gefrusteten Personaler. Die Automobilisten haben nämlich den Kampf um die raren Kräfte noch einmal verschärft, weil aufgrund engagierter Entwürfe beim Personal die Entwicklungsabteilungen trocken laufen. Da sind Fachleute der Robotik gefragt. Es ist „ein Krieg um Talente“ entbrannt, sagt Axel Gern, Abteilungschef bei Mercedes für das Autonome Fahren. Wo sollen die Fachkräfte herkommen?
Eine Teillösung könnte Udacity bringen. Das ist eine Online-Lernplattform, gegründet vom deutschen Professor Sebastian Thrun. Er war Informatiker und Robotik-Spezialist an der Standford University; leitete zeitweilig das sagenumwobene Google-Labor und gründete 2011 Udacity. Für einen Onlinekurs über zwölf Monate (Wochenaufwand 10 bis 20 Stunden) sind monatlich 200 Euro fällig. Die Akademie bildet mit kurzen Laufzeiten Fachkräfte für Technologiejobs aus. Nach absolviertem Kurs gibt es ein sogenanntes Nanodegree. Für den Abschluss kann man sich nichts kaufen, aber von der US-Industrie wird er respektiert. Immerhin sind bereits rund 2,8 Millionen Studierende aus weit mehr als 100 Ländern eingeschrieben. Udacity kann und wird die klassische Präsenz-Universität nicht ablösen. Wenn es jetzt in Deutschland gestartet ist, erhöht es aber den Druck auf die technische Hochschulausbildung und fordert Flexibilität ein. Das ist etwas, was das deutsche Bildungswesen gut vertragen kann. Denn die ist, trotz aller Reformerei, schwach ausgebildet, wenn es um Nachfragebefriedigung aus der Wirtschaft geht.
Herzlichst
Ihr
Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur
PS: Nicht nur Roboter bringen technische Innovation in den Markt. Das zeigte erneut der handling award, der 2016 zum 3. Mal auf der Motek verliehen wurde. Gönnen Sie den siegreichen Einreichungen und vor allem den Preisträgern für das Lebenswerk einen Blick auf diesen Seiten.









