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Artikel und Hintergründe zum Thema

Thyssenkrupp trennt sich von Automation Engineering

Melanie Steinbeck,

Agile Robots startet Krause Automation

Thyssenkrupp Automotive Technology hat den Verkauf ihrer Business Unit Automation Engineering an das Münchner Unternehmen Agile Robots SE abgeschlossen. Der Industriekonzern Thyssenkrupp ordnet sich neu, konzentriert sich auf das, was es als Kern begreift: Chassis, Komponenten, Aftermarket, Schmiedegeschäft. Alles andere wird daraufhin überprüft, ob es noch in diese Ordnung passt. Automation Engineering tat es offenbar nicht mehr.

© Agile Robots SE

Ein Industriekonzern verkauft einen Teil seines Geschäfts und spricht dabei nicht von Rückzug, sondern von Schärfung: Thyssenkrupp Automotive Technology hat seine Business Unit Automation Engineering an die Münchener Agile Robots verkauft. Der Deal, im November 2025 angekündigt, ist inzwischen vollzogen. Für beide Seiten ist er mehr als ein Eigentümerwechsel. Er ist ein Rollenwechsel.

Bei Thyssenkrupp ist man sich über die Richtung klar. Weg von der Breite, hin zur Fokussierung. Künftig konzentriert sich das Segment auf Chassis, Komponenten, Aftermarket und Schmiedegeschäft. Automation Engineering passt nicht mehr in dieses Bild – zumindest nicht in seiner bisherigen Form.

„Mit dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion haben wir einen weiteren wichtigen Schritt in der Umsetzung unserer Strategie vollzogen. Für Automation Engineering ist damit der Weg frei für die Weiterentwicklung unter einem starken industriellen Eigentümer. Gleichzeitig schärfen wir unser Portfolio weiter mit Blick auf Wachstum und Kapitalmarktfähigkeit.“, sagt CEO Volkmar Dinstuhl.

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Was nüchtern klingt, ist Teil eines größeren Musters: Industrieunternehmen sortieren sich neu. Kapitalintensive, komplexe Bereiche werden abgegeben, wenn andere sie besser entwickeln können. Wachstum entsteht nicht mehr zwangsläufig im eigenen Haus.

Aus Automation Engineering wird Krause Automation

Aus Automation Engineering wird Krause Automation. Der neue Name ist nicht zufällig gewählt. Er knüpft an eine mehr als 75-jährige Engineering-Tradition an und soll zugleich den Neustart markieren.

Unter dem Dach von Agile Robots wird daraus ein eigenständiger Anbieter für industrielle Automatisierung. Einer, der klassische Stärken – Sondermaschinenbau, Anlagenintegration – mit neuen Technologien verbindet: Robotik und Künstliche Intelligenz.

Agile Robots hat dafür gezielt zugekauft. Mit den übernommenen Assets in Europa und Nordamerika erweitert das Unternehmen nicht nur sein Portfolio, sondern auch seine Reichweite. Neue Märkte, neue Kunden, engere Beziehungen zu OEMs.

Vor allem aber entsteht etwas, das in der Industrie gerade zum Versprechen geworden ist: ein durchgängiges Angebot. Vom Industrieroboter bis zur fertigen Produktionsanlage. Von der Planung bis zum Projektabschluss.

Physical AI – das große Versprechen

Agile Robots nennt das „Physical AI“. Gemeint ist die Verbindung von künstlicher Intelligenz und physischer Maschine. Systeme, die nicht nur programmiert werden, sondern lernen. Die ihre Umgebung wahrnehmen, Daten verarbeiten und sich anpassen.

„Dieser Schritt spiegelt unseren Anspruch wider, das volle Potenzial von Physical AI für die globale Industrie auszuschöpfen.", sagt CEO und Gründer Zhaopeng Chen.

Und er präzisiert: „Das Ergebnis: vollständige Fertigungssysteme, in denen alle Elemente intelligent und miteinander vernetzt sind und kontinuierlich lernen".

An anderer Stelle formuliert er es etwas zugänglicher: „Das Ergebnis sind vollständige Fertigungssysteme, in denen alle Elemente smart und miteinander vernetzt sind. Sie können dann kontinuierlich lernen.“

Das klingt nach Zukunft. Tatsächlich ist es bereits Gegenwart – zumindest in Ansätzen. Mehr als 20.000 installierte Robotiklösungen bringt Agile Robots nach eigenen Angaben mit. Das Unternehmen, gegründet von Forschenden des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), versteht sich als Brücke: zwischen Forschung und Fabrikhalle.

Deutschland kann das – noch

Die Übernahme ist auch ein Signal in Richtung Standortdebatte. Die deutsche Industrie steht unter Druck: Transformation der Automobilbranche, globale Konkurrenz, steigende Kosten. Und doch gibt es sie noch, die Argumente für den Standort.

Maschinenbau-Kompetenz. Industrielles Know-how. Vor allem aber: Daten. Reale Produktionsdaten, über Jahrzehnte gesammelt.

„Durch die Verbindung der KI-Fähigkeiten von Agile Robots mit der Engineering-Expertise von Krause Automation ist das gemeinsame Unternehmen ein starkes Beispiel dafür, was die deutsche Industrie auf globaler Ebene leisten kann – mit intelligenten Automatisierungslösungen für Kunden, von Roboter-Hardware und KI-Software bis zur vollständigen Anlagenintegration, entwickelt und geliefert aus Deutschland", sagt Rolf-Günther Nieberding, der Krause Automation künftig als CEO führen wird.

Wer Robotik und KI beherrscht, ist nicht mehr an eine Branche gebunden

Für Krause Automation beginnt damit ein neues Kapitel. Unter dem neuen Eigentümer öffnen sich Branchen, die bislang keine Rolle spielten: Unterhaltungselektronik, Medizintechnik, Logistik.

Die Logik dahinter ist einfach: Wer Robotik und KI beherrscht, ist nicht mehr an eine Branche gebunden. Automatisierung wird zur Querschnittstechnologie.

Und doch bleibt eine alte Frage bestehen: Wer kann diese Systeme wirklich integrieren? Technologie allein reicht nicht. Es geht um Umsetzung, um Engineering, um das Zusammenspiel vieler Teile.

Genau hier liegt die Wette dieses Deals. Dass aus der Kombination von jahrzehntelanger Erfahrung und neuer Technologie mehr entsteht als die Summe ihrer Teile. Oder, anders gesagt: dass die Maschine nicht nur schneller wird. Sondern klüger.

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