Flexible Produktionssysteme

Patrick Rückert / Andreas Mühlbauer,

Mutualistische Netzwerke in der MRK

Netzwerke nach dem Vorbild der Natur können dazu beitragen, Produktionssysteme auf die neuesten Anforderungen auszurichten und dabei autonome Entscheidungen zu treffen.

Das aus der Biologie entnommene Konzept der Mutualistik kann die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter verbessern. © Patrick Pollmeier

Produzierende Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, ihre Produktionssysteme flexibler und effizienter zu gestalten, um auf steigende Variantenvielfalt und dynamische Marktanforderungen reagieren zu können. Traditionelle, zentralisierte Planungs- und Steuerungssysteme stoßen dabei häufig an ihre Grenzen, besonders wenn schnelle Anpassungen oder autonome Entscheidungen erforderlich sind. Ein Ansatz, der in diesem Zusammenhang vielversprechend ist, basiert auf bioanalogen Prinzipien, wie dem Mutualismus, der die dezentrale und eigenständige Verteilung von Aufgaben ermöglicht. Dies schafft flexiblere und anpassungsfähigere Produktionsprozesse.

Der Begriff Mutualismus stammt aus der Biologie und beschreibt eine symbiotische Beziehung, in der beide beteiligten Parteien gegenseitigen Nutzen ziehen. Übertragen auf die industrielle Produktion steht Mutualismus für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Dabei erfolgt die flexible Zuweisung von Aufgaben an die jeweiligen Akteure – sei es Mensch oder Roboter – basierend auf ihren spezifischen Fähigkeiten und den aktuellen Produktionsanforderungen. Dieser Ansatz ermöglicht eine höhere Anpassungsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit, besonders in Situationen unerwarteter Ereignisse wie Maschinenausfällen oder kurzfristigen Änderungen in der Auftragslage.

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Mutualistische Netzwerke in der Produktionsplanung

In traditionellen Produktionssystemen werden Entscheidungen oft zentral getroffen, was zu starren Abläufen führen kann. Diese Systeme funktionieren zwar gut für vorhersehbare und vorab geplante Prozesse, doch sind sie weniger geeignet, um flexibel auf unvorhergesehene Veränderungen zu reagieren. Der mutualistische Ansatz hingegen bietet eine dezentrale Alternative, bei der Mensch und Roboter als gleichwertige Akteure agieren und ihre Aufgaben dynamisch und autonom verteilen. Dabei kommt es zur laufenden Überwachung der Produktionsbedingungen, um Ressourcen bedarfsgerecht und effizient zu allokieren.

Ein zentrales Element dieser Netzwerke sind Stimuli, die in Echtzeit Informationen verarbeiten, Aufgaben priorisieren und die Ressourcenzuteilung optimieren. Der Auslastungsstimulus überwacht die Kapazität der einzelnen Stationen und leitet Ressourcen dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden, um Engpässe zu vermeiden. Der Dringlichkeitsstimulus priorisiert zeitkritische Aufträge, während der Fähigkeitsstimulus sicherstellt, dass Aufgaben den jeweils am besten geeigneten Akteuren – Mensch oder Roboter – zugewiesen werden. Schließlich berücksichtigt der Umweltstimulus externe Faktoren wie Materialengpässe oder Maschinenstörungen und passt die Aufgabenverteilung dynamisch an. Durch diese Mechanismen wird die Flexibilität und Resilienz des Produktionssystems erhöht.

Simulation des mutualistischen Ansatzes

Um die Wirksamkeit des mutualistischen Ansatzes in der Praxis zu überprüfen, wurde eine ereignisorientierte Simulation entwickelt. In verschiedenen Produktionsszenarien wurde die Interaktion zwischen Mensch und Roboter in einem dezentral gesteuerten Umfeld modelliert. Die Simulation ermöglichte es, die Auswirkungen der autonomen Aufgabenverteilung auf zentrale Produktionskennzahlen wie Auslastung, Durchlaufzeiten und Flexibilität zu analysieren. In der Simulation wurden sowohl Menschen als auch Roboter als flexible Ressourcen betrachtet, die Aufgaben basierend auf ihren Fähigkeiten und der aktuellen Auslastung eigenständig übernahmen. Mithilfe dynamischer Filter konnte die Ressourcenzuteilung in Echtzeit optimiert und an die Stationen mit den höchsten Kapazitätsanforderungen angepasst werden. Diese dezentrale Steuerung ermöglichte eine reaktionsschnellere Anpassung an sich verändernde Produktionsbedingungen und minimierte potenzielle Engpässe.

Die Simulationsergebnisse zeigten, dass der mutualistische Ansatz positive Auswirkungen auf die Produktionsleistung haben kann. Besonders in komplexen Produktionsszenarien, bei denen eine Vielzahl von Aufträgen parallel bearbeitet werden muss, führte die flexible Ressourcenzuteilung zu einer verbesserten Auslastung und verkürzten Durchlaufzeiten. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass Mensch und Roboter durch die dezentrale Steuerung in der Lage sind, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und Engpässe schneller zu überwinden. Zudem erwies sich der mutualistische Ansatz als besonders vorteilhaft in Produktionsumgebungen mit hoher Variabilität und Dynamik. Die Fähigkeit, Aufgaben autonom und in Echtzeit zu verteilen, erhöhte die Effizienz und Anpassungsfähigkeit der Produktion erheblich. Obwohl die genauen Auswirkungen je nach Produktionsszenario variieren können, deuten die Simulationsergebnisse darauf hin, dass mutualistische Netzwerke die Produktionssteuerung effektiv unterstützen und verbessern können.

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Patrick Rückert, bime / am

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