VDE-Studie zu Elektrotechnik
Mehr Renteneintritte als Studienabschlüsse
Bis 2029 werden laut einer VDE-Analyse mehr als 30.000 Elektroingenieurinnen und -ingenieure in den Ruhestand gehen, ohne dass ausreichend Absolventen nachrücken. Ursache sind sinkende Studierendenzahlen und hohe Abbruchquoten.
Der Fachkräftemangel in der Elektro- und Informationstechnik könnte sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Demnach werden bis 2029 mehr als 30.000 Elektroingenieurinnen und -ingenieure in den Ruhestand gehen, ohne dass genügend Hochschulabsolventen nachrücken.
Laut der Analyse wird die Zahl der Verrentungen ab 2027 etwa doppelt so hoch sein wie die Zahl der Studienabschlüsse. Während 2027 voraussichtlich 13.100 Fachkräfte den Arbeitsmarkt verlassen, werden lediglich 6523 Absolventinnen und Absolventen ihr Studium der Elektro- und Informationstechnik abschließen.
|
Jahr |
Studienabschlüsse |
Verrentungen |
|
2025 |
7858 |
12.000 |
|
2026 |
6806 |
12.550 |
|
2027 |
6523 |
13.100 |
|
2028 |
6704 |
13.650 |
|
2029 |
6674 |
14.200 |
„Das ist aus wirtschaftlicher Sicht zwar eine schlechte Nachricht“, sagt Dr. Michael Schanz, Referent für den VDE-Ausschuss „Studium, Beruf und Gesellschaft“ und Mitautor der Untersuchung. „Aus Sicht potenzieller Studierender zeigt er aber auch: Wer das Studium abschließt, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“
Die Untersuchung zeigt zudem, dass nur etwa die Hälfte der Studienanfängerinnen und Studienanfänger ihr Elektrotechnikstudium erfolgreich beendet. Die sogenannte Schwundquote hat sich seit der Jahrtausendwende von rund 25 auf etwa 50 % verdoppelt.
Verband fordert besser Berufs- und Studienorientierung an Schulen
Als eine Ursache nennt der VDE den Übergang von Schule zu Hochschule. „Die Erwartungen der Studieninteressierten an das Studium und an sich selbst passen oft nicht zur Realität“, erklärt Prof. Dr. Kira Kastell, Vorsitzende des VDE-Ausschusses „Studium, Beruf und Gesellschaft“ und Präsidentin der Hochschule Hamm-Lippstadt. Zudem nutzten manche Studienanfänger das erste Hochschuljahr zur Orientierung und wechselten anschließend in andere Studiengänge.
Der Verband fordert deshalb eine bessere Berufs- und Studienorientierung an Schulen sowie einen intensiveren Austausch zwischen Schulen und Hochschulen. Ziel sei es, Erwartungen realistischer zu gestalten und Studienabbrüche zu reduzieren.
Auch die Hochschulen seien gefordert. Thomas Hegger, stellvertretender Vorsitzender des VDE-Ausschusses, empfiehlt, Studienabbrüche systematischer zu erfassen und Studierende gezielter zu unterstützen. Unternehmen sollten die prognostizierte Entwicklung frühzeitig in ihre Personalplanung einbeziehen.
Trotz der angespannten Lage sieht der VDE für Absolventinnen und Absolventen gute Perspektiven. „Der Gap zwischen Absolventinnen und Absolventen auf der einen und Verrentungen auf der anderen Seite ist derart groß, dass das Studium der Elektrotechnik insbesondere im Hinblick auf Jobsicherheit nach wie vor eine klare Empfehlung ist“, sagt Hegger. Bereiche wie Energiewende, Elektromobilität, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz seien langfristig auf Elektroingenieurinnen und -ingenieure angewiesen.
Die Untersuchung basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes sowie weiteren Auswertungen des VDE-Ausschusses „Studium, Beruf und Gesellschaft“.









