NIS2

Miriem Ajouri / am,

Vom Risiko zur Resilienz

Mit NIS2 steigen die Anforderungen an industrielle Sicherheitskonzepte deutlich. Neben Cyberresilienz gewinnt der physische Zutrittsschutz an Bedeutung. Elektronische Schließsysteme ermöglichen eine flexible, skalierbare und nachvollziehbare Absicherung sensibler Bereiche.

Assa Abloy hat ATEX-zertifizierte Schließprodukte mit eCliq-Technologie im Programm, die stromlos oder batteriebetrieben funktionieren und somit Funkenschlag verhindern. © Assa Abloy

Ob Chemie, Pharma, Automobilindustrie, Lebensmittelverarbeitung oder Maschinenbau – industrielle Produktionsumgebungen stehen unter einem deutlich gestiegenen Sicherheitsdruck. Cyberangriffe auf OT- und IT-Infrastrukturen, komplexere Lieferketten sowie ein verschärftes regulatorisches Umfeld erhöhen die Anforderungen an den Schutz von Anlagen, Personal und sensiblen Daten. Spätestens seit das Gesetz zur Umsetzung der NIS2-Richtlinie am 6. Dezember 2025 in Deutschland in Kraft getreten ist, rückt die Frage in den Fokus, wie Unternehmen ganzheitliche Sicherheitsarchitekturen aufbauen, die sowohl physische als auch digitale Zutrittsrisiken zuverlässig adressieren. Während NIS2 vor allem Cyberresilienz und lückenlose Nachweise fordert, bleibt die physische Sicherheit ein entscheidender Baustein – denn ohne kontrollierten Zutritt sind weder Daten noch Prozesse wirksam geschützt.

Industriebetriebe verfügen häufig über gewachsene, heterogene Areale mit unterschiedlichen Gebäudetypen, Anlagenstrukturen und sensiblen Bereichen. Dazu kommen gesetzliche Dokumentationspflichten, wechselnde Mitarbeitergruppen, externe Dienstleister und ein hoher Kostendruck. Für moderne Schließsysteme bedeutet das: maximale Flexibilität, hohe Skalierbarkeit und eine zuverlässige, revisionssichere Verwaltung über alle Standorte und Liegenschaften hinweg. Zudem muss in produzierenden Industrien mit explosionsgefährdeten Zonen, Gefahrstofflagern oder kritischen Forschungsbereichen der physische Zutritt besonders präzise gesteuert werden. Fehlende Kontrolle kann in diesem Kontext nicht nur zu enormen Sachschäden führen, sondern auch zu Produktionsausfällen, Umweltvorfällen oder Compliance-Verstößen im Rahmen geltender Richtlinien und Branchenstandards wie NIS2, TISAX oder IFS.

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Um ein maßgeschneidertes Sicherheitskonzept umzusetzen, das in einem gesamten Objekt harmoniert, investiert Assa Abloy in eine intensive Planung und Beratung. © Assa Abloy

Elektronische Schließsysteme sind der Schlüssel

Elektronische Schließanlagen, wie etwa auf der Cliq-Technologie basierende Systeme, bieten Unternehmen einen hohen Grad an Sicherheit und gleichzeitig große Flexibilität. Zutrittsberechtigungen lassen sich zeitlich und räumlich exakt definieren und anpassen – ein wichtiger Vorteil in dynamischen Produktionsumgebungen. Das schlüsselbasierte eCliq-System lässt sich dabei unkompliziert auch in Bestandsgebäuden integrieren, da für die Installation keine Verkabelung der Türen nötig ist. Ist zuvor eine mechanische Schließanlage in Nutzung gewesen, werden die mechanischen Schließzylinder einfach durch ihr elektronisches Pendant ersetzt und sind sofort einsatzbereit. Da die Batterien in einem eCliq-Schlüssel direkt im Schlüssel verbaut sind, entfallen auch aufwändige Wartungen und Instandhaltungen. Ein weiterer wesentlicher Mehrwert: Mit einer einzigen Schließanlage lassen sich Türen, Tore, Maschinenzugänge, Werkzeugschränke, Spinde oder Vorhängeschlösser absichern – bei Bedarf sogar mit einem einzigen Schlüssel. Das reduziert die Komplexität zusätzlich und erleichtert die betriebliche Organisation erheblich.

Über den Cliq Web Manager lassen sich auch große und geografisch weitverteilte Schließanlagen zentral verwalten. Berechtigungen können komfortabel einzeln vergeben oder angepasst, ein Schlüssel bei Verlust sofort deaktiviert werden. Entsprechend verfügbare Wandprogrammiergeräte ermöglichen dabei eine dezentrale Verwaltung, so dass die Nutzenden ihre Berechtigungen komfortabel aktualisieren können, was besonders im Schichtbetrieb oder bei standortübergreifenden Aufgaben wertvolle Effizienzgewinne bringt. Die optionale, DSGVO-konforme Protokollierung sämtlicher Schließereignisse erleichtert zudem die Einhaltung von Compliance-Anforderungen – insbesondere vor dem Hintergrund der verschärften NIS2-Anforderungen an Nachweisbarkeit, Risikomanagement und physische Zugangssteuerung.

Sensible Bereiche sichern

Das rein elektronische System der Cliq-Familie, eCliq, bietet hohen Schutz gegen Manipulation und intelligente Angriffe © Assa Abloy

Hersteller wie Assa Abloy bieten für industrielle Hochrisikobereiche speziell zertifizierte Schließlösungen, die den besonderen Anforderungen sensibler Zonen gerecht werden. In explosionsgefährdeten Bereichen beispielsweise minimieren die nach ATEX=II 2G Ex ib IIC T4 Gb zertifizierten eCliq-Schlüssel Professional und Connect sowie sämtlicher eCliq-Zylindertypen das Risiko von Zündquellen, da sie stromlos arbeiten und ihre Energie direkt aus dem Schlüssel beziehen. In der Lebensmittelverarbeitung wiederum hat sich Cliq dank seiner Witterungsbeständigkeit und Zulassung nach IFS Food 6.1 bewährt. Besonders interessant für Lackierereien und die Automobilindustrie ist, dass alle Cliq-Schlüssel grundsätzlich LABS-frei sind, also keine lackbenetzungsstörenden Substanzen enthalten. Zudem unterstützt das elektronische eCliq-System in der Automobilbranche die Einhaltung des Branchenstandards TISAX, da es ein präzises Zugangsmanagement mit lückenloser Dokumentation ermöglicht. So lassen sich sensible Bereiche in den verschiedensten Industriebranchen – vom Labor bis zur Fertigung – zuverlässig absichern.

Viele der branchenspezifischen Lösungen im Cliq-Portfolio sind aus der direkten Zusammenarbeit mit den anfragenden Industrieunternehmen entstanden. Denn gerade vor dem Hintergrund der steigenden regulatorischen Anforderungen bietet die Kombination aus Kunden- und Hersteller-Expertise, den modular entwickelten Schließsystemen und schnellen Skalierungsmöglichkeiten einen entscheidenden Vorteil: Unternehmen können ihre Sicherheitsarchitektur kontinuierlich weiterentwickeln – ohne Produktionsprozesse zu stören und bei gleichzeitig hoher Zukunftssicherheit.

Miriem Ajouri, Business Development Managerin Industry, Assa Abloy Sicherheitstechnik

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