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Artikel und Hintergründe zum Thema

Humanoide Robotik aus Deutschland

Melanie Steinbeck,

Igus bringt Serviceroboter für Industrie und Alltag auf den Markt

Mit dem neuen Iggy Rob Home will Igus humanoide Robotik aus dem Experimentierstadium in praktische Anwendungen überführen. Der Roboter basiert auf einer mobilen Plattform, kostet ab 55.000 Euro und soll sowohl in Servicebereichen als auch in der Industrie eingesetzt werden können.

Humanoide Robotik aus Deutschland: Igus bringt Serviceroboter für den Alltag auf den Markt © Igus

Humanoide Roboter gehören derzeit zu den meistdiskutierten Technologien der Automatisierungsbranche. Sie laufen Marathon, tanzen den Moonwalk und demonstrieren eindrucksvoll, was technisch bereits möglich ist. Doch zwischen spektakulären Vorführungen und dem alltäglichen Einsatz in Unternehmen klafft bislang oft eine große Lücke. Einer der Hauptgründe: die hohen Kosten vieler Systeme.

Der Kölner Motion-Plastics-Spezialist Igus setzt genau an diesem Punkt an. Nachdem das Unternehmen bereits 2025 den Iggy Rob Industrial für Produktionsumgebungen vorgestellt hatte, erweitert es seine humanoide Roboterplattform nun um eine zweite Variante. Der neue Iggy Rob Home soll den Einsatz humanoider Robotik in Service-, Bildungs- und Alltagsumgebungen ermöglichen und ist ab 55.000 Euro erhältlich.

Entwicklung und Fertigung erfolgen vollständig in Deutschland – von der Mechanik über die Elektronik bis zur Software.

Warum der Roboter keine Beine hat

Wer bei humanoider Robotik automatisch an menschenähnliche Laufbewegungen denkt, wird beim Iggy Rob überrascht. Sowohl der Iggy Rob Industrial als auch der neue Iggy Rob Home bewegen sich nicht auf zwei Beinen, sondern auf einer autonomen mobilen Roboterbasis. Zum Einsatz kommt der ReBeLMove Pro mit einer Traglast von bis zu 250 Kilogramm.

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Für Igus ist das eine pragmatische Entscheidung. Mobile Fahrzeuge haben sich in Industriehallen und Gebäuden längst bewährt, lassen sich sicher integrieren und vergleichsweise einfach CE-konform in bestehende Umgebungen einbinden. Für viele reale Anwendungen seien laufende Systeme derzeit weder notwendig noch wirtschaftlich.

„Unsere Welt ist von Menschen für Menschen gebaut. Deshalb ist es logisch, dass Automatisierungstechnik irgendwann menschenähnliche Formen annimmt", sagt Alexander Mühlens, Prokurist und Leiter des Geschäftsbereichs Low-Cost-Automation bei Igus.

„Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass sich humanoide Systeme erst im praktischen Einsatz weiterentwickeln. Deshalb setzen wir auf eine offene, robuste Plattform, die Anwender an ihre Anforderungen anpassen können.“

Offene Plattform für Industrie und Service

Die Roboter erreichen je nach Ausführung eine Höhe zwischen 1,30 und 1,70 Metern. Mit 16 Freiheitsgraden (DOF) sollen sie natürliche Bewegungen ausführen können. Die Navigation erfolgt über LIDAR- und 3D-Kamerasysteme, die autonome Laufzeit beträgt bis zu acht Stunden.

Zur Standardausstattung gehören zwei ReBeL-Roboterarme von Igus mit einer Traglast von jeweils 2,5 Kilogramm. Alternativ können auch Cobots anderer Hersteller oder humanoide Hände integriert werden. Die Plattform ist offen ausgelegt: Sensorik und Endeffektoren lassen sich anpassen, die Steuerung erfolgt über ROS 2. Zudem sind die Systeme CE-zertifiziert und für den Flottenbetrieb nach VDE 5050 vorbereitet.

Humanoider Roboter mit breiteren Einsatzfeldern

Während der Iggy Rob Industrial vor allem für Produktions- und Logistikumgebungen entwickelt wurde und dort Aufgaben wie Materialtransport, Maschinenbeschickung oder einfache Montagearbeiten übernehmen soll, richtet sich der neue Iggy Rob Home an deutlich breitere Einsatzfelder.

Zu den vorgesehenen Anwendungen zählen Empfangs- und Informationsbereiche, Bildungseinrichtungen, Forschungslabore, Gastronomiebetriebe sowie verschiedenste Serviceaufgaben in Gebäuden. Gleichzeitig bleibt der Roboter auch für industrielle Aufgaben interessant, etwa für Pick-and-Place-Anwendungen, den innerbetrieblichen Materialtransport oder Transporte zwischen wechselnden Arbeitsstationen.

Darüber hinaus sieht Igus den Roboter als Plattform für KI-Training, Datenerfassung sowie Forschungs- und Bildungsprojekte an Hochschulen und Instituten.

Mehr Interaktion, größere Reichweite

Technisch basiert der Iggy Rob Home auf derselben industrietauglichen Plattform wie das Industrial-Modell. Für den Einsatz in serviceorientierten Umgebungen wurde das System jedoch um zusätzliche Funktionen erweitert.

Dazu gehören ruhigere Bewegungsprofile, ein Display für einfache Gesichtsausdrücke sowie vorkonfigurierte Servicefunktionen. Eine integrierte Linearachse vergrößert den Arbeitsbereich der Arme. Für den Transport von Gegenständen steht ein Rückenkorb mit einer Traglast von bis zu 50 Kilogramm zur Verfügung.

Eine integrierte 3D-Kamera unterstützt die Objekterkennung sowie das Greif- und Navigationstracking. Dank Wireless Charging soll ein unterbrechungsfreier Betrieb möglich sein. Über die ROS-2-Schnittstelle lässt sich der Roboter in bestehende Robotiksysteme integrieren.

Je nach Anwendung können unterschiedliche Endeffektoren eingesetzt werden – darunter Sauggreifer, Zwei- und Drei-Finger-Greifer oder eine bionische Hand mit integrierter Greiferkennung.

Wenn der Roboter mit KI-Systemen kommuniziert

Nach Angaben von Igus lässt sich der Iggy Rob Home über eine intuitive Programmieroberfläche auch ohne tiefgehende Robotikkenntnisse bedienen. Die zugrunde liegende Systemarchitektur soll einen stabilen und zuverlässigen Betrieb gewährleisten.

Mit dem Software-Addon Dynamic Mission Data Interface können Missionen über ein Netzwerk gestartet und Daten in Echtzeit bidirektional ausgetauscht werden. Dadurch wird eine dynamische Interaktion mit externen KI-Systemen während laufender Aufgaben möglich.

Mechanik, Elektronik und Software stammen vollständig aus der Entwicklung von Igus in Köln sowie von Commonplace Robotics by Igus in Osnabrück. Individuelle Anpassungen und Weiterentwicklungen können daher direkt mit den Entwicklungsteams abgestimmt werden.

Erst testen, dann investieren

Wie bei anderen Automatisierungslösungen verfolgt Igus auch bei den humanoiden Robotern das Prinzip „Test before you invest“. Unternehmen können die Systeme zunächst in ihrer eigenen Umgebung erproben und gemeinsam mit dem Hersteller technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit bewerten.

Ergänzend betreibt Igus den Robotik-Marktplatz RBTX. Dort waren zur Hannover Messe 2026 nach Unternehmensangaben rund 100 humanoide Robotermodelle von 35 Anbietern gelistet. Neben Hardware werden auch Integrationsleistungen, Beratung sowie verschiedene Nutzungs- und Finanzierungsmodelle angeboten.

Mit dem Iggy Rob Home versucht Igus damit, humanoide Robotik aus dem Bereich spektakulärer Demonstrationen stärker in konkrete Anwendungen zu überführen – und dies zu einem Preisniveau, das nach Ansicht des Unternehmens den Weg in den praktischen Alltag ebnen soll.

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