Interview
"Die Umsetzung dauert oft zu lange"
IT und OT wachsen zusammen – doch fehlende Daten, Fachkräfte und Tempo bremsen die Praxis. Warum Deutschland trotz guter Konzepte hinterherhinkt und wie reale Projekte den Weg zur smarten Fabrik ebnen, erklärt Prof. Dr.-Ing. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender der Technologie-Initiative SmartFactory-KL, im Gespräch mit Andreas Mühlbauer.
IT und OT wachsen zusammen. Wo hakt es heute in der Praxis am meisten?
Der für mich wichtigste Faktor ist Zeit. Die IT/OT-Konvergenz geht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess. Und dieser stellt Unternehmen noch immer vor einige Herausforderungen: Auf der einen Seite haben wir die OT, die für Stabilität und Echtzeitfähigkeit steht, aber im Wesentlichen auf der klassischen Elektrokonstruktion aufsetzt. Auf der anderen Seite die IT, die mit Flexibilität und Skalierbarkeit auf Basis von modernen Softwarekonzepten punkten kann. Diese beiden Welten zusammenzubringen, führt selbstverständlich zu gewissen Reibungsverlusten.
Hinzu kommen weitere typische Herausforderungen wie Cybersicherheit und Datenschutz, eine schlechte oder unvollständige Datengrundlage sowie der Fachkräftemangel und der Know-how-Gap bei den vorhandenen Fachkräften. Die Unterschiede in den Profilen der Mitarbeitenden auf der OT-Ebene und in der IT sind teilweise sehr groß. Daher fehlt das Bewusstsein auf der Feldebene für die Vorteile von IT-Konzepten und umgekehrt. Hier müssen wir noch Aufklärungsarbeit leisten.
Deutschland gilt als Industrie-4.0-Pionier. Sind wir bei der IT/OT-Konvergenz noch vorn?
Wie bei so vielen Prozessen hat Deutschland auch bei der IT/OT-Konvergenz das Problem, dass wir zu behäbig sind. Wir entwickeln Konzepte, standardisieren und planen, brauchen aber für die Umsetzung oft zu lange. Wir müssen jetzt angreifen und die Konzepte in die Breite ausrollen. Denn gute Konzepte gibt es bereits, gerade bei uns in der SmartFactory-KL haben wir in den letzten Jahren intensiv daran gearbeitet, wie Unternehmen die IT- und OT-Welt zusammenführen und ihre eigene smarte Fabrik aufbauen können. Das Ergebnis ist unsere Open SmartFactory Architecture, die einen klaren Orientierungsrahmen darstellt; im Prinzip eine Blaupause, wie die smarte Fabrik funktioniert. Statt monolithischer Systeme setzt sie auf ein modulares und auf offenen Standards basierendes Baukastenprinzip, das eine flexible und skalierbare Produktions-IT erlaubt. Wenn Unternehmen sich an unserer Architektur orientieren, können sie die IT/OT-Konvergenz bewältigen.
Im April 2027 veranstalten Sie gemeinsam mit INDUSTRIAL Production den IT/OT Integration Summit. Welche Art von Impulsen zur IT/OT-Integration können die Teilnehmenden erwarten?
Das Besondere bei unserer gemeinsamen Konferenz ist der Fokus auf reale Projekte aus Maschinenbau und Produktion. Wir wollen echte, erprobte Integrationsansätze vorstellen, keine Hochglanz-Demos mit nichts dahinter. Wir schauen uns also reale Projekte an, diskutieren herstellerübergreifende Ansätze und stellen unsere Architektur vor, mit deren Hilfe Unternehmen den Weg zur smarten Fabrik beschreiten können. Die Teilnehmenden werden erleben, wie IT/OT-Integration tatsächlich in der Praxis funktioniert.










