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Artikel und Hintergründe zum Thema

Energieketten

Andreas Mühlbauer,

Beste Qualität für den Stahl

Die Bedingungen in der Stahlindustrie sind rau und unwirtlich. Die eingesetzten Maschinen müssen den anspruchsvollen Umgebungsbedingungen standhalten, um stets die beste Qualität zu liefern.

Der Prüfkopf vermisst unter anderem Geometrie, Topologie, Außenkonturen, Volumen und Bindefehler. © GMH Prüftechnik

Damit sie das können, kommen weltweit Prüfsysteme von GMH Prüftechnik zum Einsatz, die Produkte durchgängig auf Produktionsfehler testen. Für die Bewegung in den Prüfanlagen nutzt GMH ein fertig konfektioniertes Readychain-System von Igus.

Seit 1993 ist das Nürnberger Unternehmen GMH Prüftechnik in der manuellen, halbautomatischen und automatischen zerstörungsfreien Werkstoffprüfung unterwegs und bedient dort global unterschiedliche Branchen. Das Portfolio umfasst vor allem die Ultraschall- und Wirbelstromprüfung. "Diese Prüfarten lassen sich sehr gut automatisieren", sagt Geschäftsführer Peter Archinger. GMH beliefert beispielsweise Bahnunternehmen weltweit; unter anderem werden die Wellen, Räder, Achsen und Drehgestelle von Lokomotiven und Zügen mit Prüfanlagen von GMH Prüftechnik auf Fehler hin untersucht. "Im Grunde bedienen wir alles unterhalb der Bahnsteigkante", sagt Archinger. Neben der Eisenbahnindustrie ist GMH jedoch auch stark in der Stahlindustrie aktiv – das Unternehmen gehört nicht zuletzt zur Georgsmarienhütte, einem führenden Anbieter für Roh-, Stab- und Blankstahl mit Sitz im gleichnamigen Ort in Niedersachsen. Für die Stahlindustrie steuert GMH riesige Blechprüfanlagen von bis zu 50 m Länge, 8 m Breite und 4 m Höhe bei. Die Anlagen prüfen die Bleche auf nicht-metallische Einschlüsse und Bindefehler. Vor kurzem hat das Unternehmen ein Großprojekt mit einem österreichischen Stahl- und Technologiekonzern durchgeführt. In der Anlage werden Großbleche auf ihre Qualität hin überprüft. Damit das System seine Arbeit problemlos verrichten kann, hat GMH zur bewegten Leitungsführung Energieketten des Kölner Spezialisten Igus verbaut.

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Zuverlässigkeit und Robustheit gefordert

Der Kunde profitiert in der Qualitätsprüfung von einer Vielzahl an unterschiedlichen Parametern, die durch die Prüfanlage nahezu gleichzeitig an einem Blech ermittelt werden können. Die Anlage vermisst unter anderem Geometrie, Topologie, Außenkonturen, Volumen und Bindefehler. "Eine Kombination, die weltweit einmalig ist", sagt Peter Archinger. In die Lösung ist jede Menge Know-how von GMH geflossen, die Projektumsetzung hat mehrere Jahre gedauert. Das ist nicht verwunderlich, denn die Umgebungsbedingungen vor Ort sind hoch anspruchsvoll: Es ist heiß und staubig, gleichzeitig läuft die Produktion an rund 350 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag. GMH musste sich bei der Auswahl der Komponenten also auf eine große Robustheit und lange Lebensdauer verlassen können. "Da kam die Zusammenarbeit mit Igus genau richtig", sagt Archinger. Die beiden Unternehmen kennen sich bereits seit mehr als 15 Jahren und haben unterschiedliche Projekte gemeinsam umgesetzt.

Für die Bewegung in den Prüfanlagen setzt GMH Prüftechnik fertig konfektionierte Readychain-Systeme von Igus ein. © GMH Prüftechnik

Als es um die Auslegung der Leitungsführung ging, fiel die Entscheidung schnell auf die bereits bekannten Readychain-Energieketten von Igus. Besonders ein Umstand hat GMH dabei überzeugt: "Wir waren sehr begeistert, dass Igus die Energiekette als fertig konfektionierte Baugruppe liefert", erinnert sich der Geschäftsführer. Das Komplettpaket kam dem Mittelständler deshalb zugute, weil mit der fertigen Baugruppe nur noch wenig Arbeit in die Installation gesteckt werden muss. "Bei einer so großen Anlage wie dieser haben wir schlicht nicht die Zeit und Kapazität, uns um jedes einzelne Teil einer Energiekette zu kümmern", sagt Archinger. GMH Prüftechnik beschäftigt 20 Mitarbeitende, von denen ein Großteil bereits mit dem Projekt betraut war. Das Unternehmen kümmert sich von der Konstruktion über die Elektroplanung und Verdrahtung bis hin zur Software ganzheitlich um die Umsetzung seiner Projekte.

Energiekette mit gewaltigen Ausmaßen

Die verbaute Energiekette H4.56 war sowohl für GMH als auch für Igus ein Novum. Die Kette hat einen Verfahrweg von 46 m, wartet mit einer Innenhöhe von 56 mm und eine Breite von 462 mm auf. "In dieser Dimension war es die größte Energiekette, die ich bisher auslegen durfte", sagt Werner Pecher, technischer Verkaufsberater bei Igus, der das Projekt mit GMH betreut hat. In der 10 Tonnen schweren Anlage kommt es zu Verfahrgeschwindigkeiten von bis zu 1 Meter pro Sekunde, auch die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) war GMH und dem Kunden ein wichtiges Anliegen. Die halbstegige Energiekette H4.56 ist sowohl im Innenradius wie auch im Außenradius befüllbar. In der Ausführung als Readychain haben Anwender nur noch wenig Arbeit nach der Lieferung. Die Kette kommt fertig mit Leitungen bestückt beim Kunden an und ist direkt montierbar. "Igus hat alles aus einer Hand liefern können", erinnert sich auch Konstrukteur Rolf Kopp.

Für das Projekt war GMH auf ganz unterschiedliche Leitungen angewiesen, in der Readychain liegen Druckluft- und Wasserleitungen. Bei den elektrischen Leitungen hat Igus Produkte aus seinem breiten Chainflex-Portfolio verbaut. Die Leitungen sind speziell für den Einsatz in bewegten Anwendungen entwickelt und in Millionen von Testzyklen im Prüflabor am Igus-Firmensitz in Köln getestet worden. Insgesamt bietet Igus ab Werk über 1.350 Leitungstypen für Daten-, Bus- und Hybridsysteme, Steuerung und Antrieb. Für die Druckluft- und Hydraulikleitungen arbeitet der Hersteller mit einem zertifizierten Partnerunternehmen zusammen.

Schnelle Montage durch geschultes Personal

Dass das Projekt für alle Seiten zufriedenstellend abgeschlossen wurde, liegt auch am kontinuierlichen Austausch zwischen den Unternehmen. Igus-Mitarbeiter Werner Pecher kennt die Firma bereits seit vielen Jahren, war stets für GMH ansprechbar. "Eine solche Betreuung ist wirklich nicht selbstverständlich", erläutert Eduard Deister, Elektrotechniker bei GMH. Auch in der Konstruktion hat Igus geholfen. Das Unternehmen bietet seinen Kunden an, die 3D-CAD-Dateien der infrage kommenden Energieketten kostenlos online herunterzuladen und in die eigene Software einzubinden. Das erleichtert nicht nur die Planung, sondern letztlich auch die Umsetzung. Igus war selbst in Österreich mit seinem geschulten Montageteam vor Ort, um die Energiekette zu installieren. "Wir haben darauf geachtet, dass wir erfahrenes Personal zum Kunden schicken", erinnert sich Werner Pecher. Die Installation vor Ort hat problemlos funktioniert, GMH hat die Zusammenarbeit überzeugt. "Die Kette ist wartungsarm, fertig konfektioniert, robust und damit genau das, wonach wir gesucht haben", sagt Konstrukteur Kopp.

Die Prüfanlage von GMH überprüft im Werk des Kunden nun Großbleche, die später im Rohrleitungs- oder Schiffsbau Anwendung finden. Bisher sind die Erfahrungen mit dem neuen System positiv, was unter anderem auch an der Readychain liegt, die ihre Arbeit ohne Probleme erfüllt. Nach vielen anstrengenden Jahren im Projekt freuen sich Peter Archinger, Eduard Deister, Rolf Kopp und Werner Pecher nun darauf, was die Zukunft für die Zusammenarbeit zwischen Igus und GMH Prüftechnik noch bereithält.

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