zurück zur Themenseite

Automobil- und Industriezulieferer

Andreas Mühlbauer,

Schaeffler baut 4400 Stellen ab

Schaeffler forciert seine Umstrukturierung und streicht im Rahmen dessen unter anderem 4400 Stellen. Laut Unternehmen soll der Stellenabbau sozialverträglich erfolgen.

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hatte bereits 2018 begonnen, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten.

Schaeffler beschleunigt seine Transformation und baut 4400 Stellen sozalverträglich ab. © Schaeffler

Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler-Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 Prozent entspricht. 

Zusätzliche strukturelle Maßnahmen

Auf die Coronavirus-Pandemie und die hiermit verbundenen starken Nachfragerückgänge in allen drei Sparten reagierte die Schaeffler-Gruppe zunächst mit kurzfristig orientierten Gegensteuerungsmaßnahmen, sodass das Unternehmen bislang vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist. Neben einer Ausweitung des europäischen Freiwilligenprogramms von 1.300 auf 1.900 Stellen, von denen 1.700 auf Deutschland entfallen, nutzte Schaeffler temporäre Maßnahmen, wie zum Beispiel Schließtage, den Abbau von Zeitkonten und Urlaubstagen sowie die Einführung von Kurzarbeit.

Trotz einer Belebung der Nachfrage in allen drei Sparten und vier Regionen in den letzten Monaten bleibt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die daraus resultierende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hoch. Zudem deuten die Markt- und Umsatzerwartungen für den Zeithorizont bis 2025 auf eine langsame Erholung hin, was strukturelle Unterauslastungen der Produktionswerke zur Folge hat. Insbesondere der Automobilsektor, der sich bereits zuvor in einem Strukturwandel hin zur E-Mobilität befand, wird durch die Coronakrise hart getroffen.

Anzeige

In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage sind daher laut Unternehmen neben temporären Maßnahmen, die auch weiterhin voll ausgeschöpft werden, zusätzliche strukturelle Maßnahmen erforderlich.

Auf dieser Basis hat der Vorstand der Schaeffler AG auf Gruppenebene und im Rahmen der Spartenprogramme ein zusätzliches Maßnahmenpaket verabschiedet, um die Transformation der Schaeffler-Gruppe zu beschleunigen und ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu verbessern. Erstens, den Abbau von strukturellen Überkapazitäten und die Konsolidierung von Standorten in Europa mit dem Schwerpunkt Deutschland sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und den Ausbau von lokalen Kompetenzen an ausgewählten deutschen Standorten. Die strukturellen Maßnahmen, die bis Ende 2022 weitgehend umgesetzt sein sollen, betreffen im Wesentlichen zwölf Standorte in Deutschland und zwei weitere Standorte in Europa.

Kapazitätsabbau und Konsolidierung von Standorten

Vom Kapazitätsabbau und der Konsolidierung sind neben den Großstandorten Herzogenaurach, Bühl, Schweinfurt, Höchstadt und Homburg vor allem Standorte mit einem technologisch auslaufenden Produktportfolio oder kleinteiligen Werksstrukturen betroffen. Zu letzteren gehören die Produktionsstandorte Wuppertal, Luckenwalde und Eltmann, der Schaeffler-Engineering-Standort in Clausthal-Zellerfeld sowie die Aftermarket-Betriebsstätten Hamburg und Köln.

Insgesamt sind in Europa vom Abbau netto rund 4.400 Stellen betroffen, von denen der weitaus größte Anteil auf Deutschland entfällt. Alle drei Sparten und alle Zentralfunktionen tragen zu den Maßnahmen bei.

Am Standort Herzogenaurach, dem Hauptsitz der Schaeffler Gruppe, wird unter anderem neben dem Aufbau eines hochmodernen Zentrallabors zukünftig das Kompetenzzentrum für Wasserstofftechnologie angesiedelt. Höchstadt erhält ein Kompetenzzentrum für den Werkzeugbau, das die vorhandenen Kapazitäten aus Herzogenaurach übernimmt. Im Gegenzug werden die Aktivitäten der Sparte Industrie von Höchstadt nach Schweinfurt verlagert, so dass Höchstadt ein reiner Automobil-Standort wird. Der Standort in Bühl, Sitz der Sparte Automotive OEM, wird als Kompetenzzentrum für E-Mobilität und die Serienfertigung von Elektromotoren ausgebaut.

Daneben steht das AKO-Logistik-Zentrum in Halle kurz vor der Inbetriebnahme. In Halle werden mit Unterstützung der Schaeffler Gruppe bei einem externen Dienstleister rund 600 Arbeitsplätze mit Tarifbindung geschaffen.

250 bis 300 Millionen Euro Einsparpotenzial

Das Maßnahmenpaket soll zu einem Einsparpotenzial in Höhe von 250 bis 300 Millionen Euro jährlich führen, das 2023 zu 90 Prozent realisiert sein soll und in etwa hälftig auf die Sparten Automotive OEM und Industrie entfällt und nur zu einem geringen Teil auf die Sparte Automotive Aftermarket.

Die Umsetzung des Maßnahmenpakets erfolgt sozialverträglich auf Basis der Zukunftsvereinbarung, die das Unternehmen 2018 mit der IG Metall abgeschlossen hat. Das Unternehmen befindet sich mit den Arbeitnehmervertretern in einem konstruktiven Dialog mit dem Ziel, die strukturellen Maßnahmen mithilfe eines Mix von unterschiedlichen Instrumenten zu realisieren.

Anzeige
zurück zur Themenseite

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige