Zerspanen

Neues aus dem Schuppen

Heiß begehrte Maschinen - das sind nicht nur die Norton Manx Motorräder. Mit einer Haas Mini Mill 2 fertigt Patrick Walker Motorteile für die Rennmaschinen aus den 50er und 60er Jahren. Für das vertikale Bearbeitungstzentrum ist Platz im kleinsten Schuppen.

Patric Walker mit seiner originalen 1939iger 350cc Manx Norton TT Rennmaschine. Nicht nur den Motor, sondern mittlerweile gesamte Motorräder baut er mit Hilfe der Haas Mini Mill 2. Zu seinen Kunden zählen hartgesottene Rennfahrer, die, wie er betont, trotz des historischen Wertes ihrer Maschinen auf Sieg fahren.

In den 1950er Jahren bezeichnete Enzo Ferrari die ersten britischen Formel-1-Teams als "garagisti" und meinte damit, dass man sie als ärmliche Garagenbewohner nicht so ernst nehmen sollte wie die Maranello Scuderia, die sich selbst gern als Aristokratie des Motorsports - als Blaublüter in einem Sport der Emporkömmlinge mit ölverschmierten Overalls - sah. Allerdings wäre es wohl korrekter gewesen, wenn der "Alte Mann" seine Rennkonkurrenten als "ripar-isti" (riparo = Schuppen) bezeichnet hätte. Nichts symbolisiert das bescheidene Understatement der Engländer so passend wie der Gartenschuppen, in dem über einem Becher mit dampfendem Tee großartige, ja weltbewegende Pläne geschmiedet werden und an preisgekrönten Apparaten und Erfindungen herumgebastelt wird.

Patrick Walker ist das, was die Oldtimer-Motorrad-Gemeinde liebevoll als einen Schuppenbastler bezeichnen würde. Sein in den West-Midlands ansässiges Unternehmen Works Racing Ltd fertigt Motorteile für die geschätzte Rennmaschine Norton Manx 500 aus den 50er und 60er Jahres des vergangenen Jahrhunderts. Seine „Fabrik“ ist nur ein schmuckloser und ziemlich einfacher Holzkasten neben dem Haus, das er mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Hunden teilt. Sie wohnen auf halbem Wege in einer matschigen Gasse unweit von Stratford-Upon-Avon, dem Geburtsort von William Shakespeare. Bei schönem Wetter öffnet Walker die Doppeltür seines nach Süden blickenden Arbeitsplatzes und das Sonnenlicht fällt auf den Raritätenladen aus Motoren, halbfertig restaurierten Motorrädern, Werkbänken, Motorrad-Andenken und eine Haas Mini Mill 2.
Wie der Name vermuten lässt, wurde die Norton Manx (der Name verweist auf die Isle of Man) für die jährliche Tourist Trophy (TT) konstruiert und gebaut. Dieses älteste Motorradrennen der Welt folgt einem umständlichen Rundkurs von etwa 60 km durch die Dörfer, Nebenstraßen und Berge der Insel. Die Norton Manx 350/500cc der späten 50er und frühen 60er Jahre steht vielleicht für die Blütezeit des Unternehmens, bevor technisch mehr ausgereifte Motoren aus Japan sie schließlich verdrängten. Heute sind die ‚Manxs‘ heiß begehrte Maschinen. Und obwohl sie bis zu $50.000 kosten können, werden sie auf den Oldtimer-Treffen, wie dem Goodwood Revival, das jedes Jahr veranstaltet und von den noch lebenden Rennsport-Legenden wie Giacomo Agostini und John Surtees besucht wird, immer noch mit viel Leidenschaft vorgeführt und bestaunt.

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Mann der Tat

„Mein Geschäftspartner Miles Robinson und ich entschieden uns im Jahr 2008 die Works Racing Motor Cycles Ltd. zu gründen, als wir am Rennen von Goodwood teilnahmen“, meint Patrick Walker. „Wahrscheinlich hatten wir damals zu viel Champagner getrunken. Wir wollten unsere eigenen 350-cm3- und 500-cm3-Motoren und Teile bauen und sie dann an die Norton-Besitzer auf der ganzen Welt verkaufen.” Walker hatte drei unterschiedliche Möglichkeiten in Erwägung gezogen: „Wir hätten jemanden einstellen und eine Maschine kaufen können. Oder wir hätten alle Teile an Zulieferer vergeben können, was wohl der offensichtlichste Weg gewesen wäre. Aber wir haben uns entschieden, einen dritten Weg zu gehen, und der bestand darin, eine Maschine zu kaufen, an der ich dann selbst die Teile fertigen würde.” Zu diesem Zeitpunkt sprach er mit Haas UK, dem alleinigen Haas Händler in Großbritannien, und entschloss sich, eine Mini Mill 2 zu kaufen. Diese kompakte CNC-Werkzeugmaschine mit kleiner Stellfläche benötigt nur einen Einphasen-Netzanschluss und ist daher ideal für den Schuppen von Works Racing geeignet, da man die Stromversorgung nicht ausbauen musste.

Walker meint, die Art und Weise, wie er die vielen unterschiedlichen Motorengussteile fertigt, ist schon etwas ungewöhnlich. Anstatt Losgrößen von 10 oder 20 Teilen zu produzieren, was wohl der übliche Weg wäre, baut er einen kompletten Motorensatz, dessen Teile als Einzelstücke gefertigt werden. „Anstelle von 10 Kurbelgehäusen, 10 Zylinderköpfen, 10 Nockenwellengehäusen usw. stelle ich erst einen Satz aller Teile her, die genau den Vorgaben des Kunden entsprechen. Dieser Motor wird dann zusammengebaut und ausgeliefert, und erst danach fange ich mit dem nächsten an. Ich programmiere komplexe 3D-Profile, wie Verbrennungsräume, mit der Edgecam 3D CAM-Software von Planit.“ Um den Verlust an Bearbeitungszeit, der durch die unterschiedlichen Einspannungen bedingt ist, möglichst gering zu halten, arbeitet Walker mit einer einfachen Speedy Schnellspann-Modulplatte von Stark, die es ihm erlaubt, Teile wirtschaftlich als Einzelstücke und nicht in Gruppen zu fertigen. „Die Platte ist dauerhaft am Maschinenbett befestigt”, sagt er, „und sie ermöglicht mir, in nur fünf Sekunden vom Spannfutter zum Montagegestell und zum Schraubstock zu wechseln. Ich muss nicht jedes Mal die Zeit stoppen, wenn ich das Gestell oder die Einspannung wechsle. Innerhalb von Mikrosekunden liegt jede Vorrichtung in exakt der gleichen Position. Die Platte funktioniert sehr gut mit der Haas Maschine.”

Die Entscheidung für den Kauf des Bearbeitungszentrums anstatt die Produktion an einen Unterauftragnehmer zu vergeben, hat Works Racing in die Lage versetzt, das Tempo selbst zu wählen, ohne bei Qualität oder Lieferterminen ein Risiko einzugehen. In den ersten eineinhalb Jahren hat sich das Unternehmen ausschließlich auf die Produktion von Motorteilen konzentriert. Kürzlich ist es jedoch dazu übergegangen, komplette Motorräder zu bauen, und bietet jetzt einen genauen Nachbau einer 500cc Manx Norton von 1962 an. In einem zweiten, kleineren Schuppen am Ende seines Gartens lagert Walker die schwarzen, pulverbeschichteten „Federbett“-Rahmen, die letztendlich Teil der neuen Motorräder seiner Kunden werden. „Ich bin mit meinen Haas Maschinen wirklich zufrieden”, ergänzt Walker. „Für so ein kleines Jungunternehmen war es eine große Investitionsentscheidung, die Teile selbst zu bearbeiten. Doch es hat sich gelohnt. Die Haas Mini Mill 2 ist präzise und stellt tolle Teile her.”ee

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