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VDMA

Andrea Gillhuber,

Aufschwung erwartet

Der VDMA hat seine Produktionsprognosen für 2020 und 2021 korrigiert. Grund ist das überraschend gut verlaufene dritte Quartal. Außerdem: Die neue US-Administration wird neue Herausforderungen bringen.

Der VDMA hat seine Produktionsprognose für 2020 und 2021 korrigiert. © VDMA

Die Corona-Krise hat den Rückgang der deuten Maschinenproduktion in diesem Jahr deutlich verstärkt. Schon im Jahr 2019 ging diese um -2,6 Prozent zurück, in diesem Jahr werden es wohl -14 Prozent auf einen geschätzten Produktionswert von 194 Mrd. Euro sein, so die Produktionsprognose des VDMA. Vor einigen Wochen noch ging der VDMA von einem Rückgang im Jahr 2020 von 17 Prozent aus. Mit der Produktionsprognose für das Jahr 2020 korrigierte der Branchenverband auch die Prognose für 2021: „Wir rechnen jetzt mit einem realen Produktionszuwachs von 4 Prozent, statt der bisher erwarteten plus 2 Prozent“, so VDMA-Präsident Karl Haeusgen auf der virtuellen Jahrespressekonferenz des Verbands.

Für dieses Jahr rechnen die Volkswirte beim VDMA mit einem Umsatz im deutschen Maschinenbau von 197 Mrd. Euro. Für 2021 prognostiziert der Branchenverband einen Umsatz von 205 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag dieser bei 229 Mrd. Euro.

Unsichere Zeiten

Die Prognosen sind allerdings mit Vorsicht zu sehen, denn das hohe Maß an Unsicherheit in der globalen Wirtschaft sowie der Fortgang der Corona-Situation werden den Maschinen- und Anlagenbau weiterhin beeinflussen. Hinzu komme der weiterhin vorhandene Protektionismus, sowie der rasante Strukturwandel in der wichtigen Abnehmerbranche Fahrzeugbau. Weiterhin warnte Haeusgen von Liquiditätsengpässen im Aufschwung. Durch eine bessere Konjunktur und Auftragslage müssen die Maschinenbauer in Vorleistung gehen. Zwar hätten die Unternehmen aus der Wirtschaftskrise 2009 gelernt und hätten entsprechende Maßnahmen eingeleitet, doch sei unsicher, ob die finanziellen Mittel der Unternehmen nach einem herausfordernden Jahr 2020 noch ausreichen werden, so der VDMA-Präsident.

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Dennoch: „Wir sehen die konjunkturelle Beschleunigung aus dem Corona-Tal einerseits und eine Beschleunigung des technologischen Wandels andererseits. In dieser doppelten Beschleunigung liegen im europäischen Maschinenbau spannende Potenziale, für all diejenigen, die die richtigen Antworten auf die Herausforderungen finden“, ist sich Haeusgen sicher.

Neue US-Administration, neue Herausforderungen

Mit dem Einzug der neuen US-Administration unter Joe Biden und Kamala Harris ins Weiße Haus rechnet der VDMA auch mit einer Rückkehr von Verlässlichkeit. Der neue US-Präsident bekennt sich eindeutig zu multilateralen Vereinbarungen, wie dem Pariser Klimaabkommen oder der WTO. Positiv sei auch, dass Bidens Agenda wesentlich durch einen ‚Green New Deal‘ geprägt werde, der sich fundamental von der Trump-Agenda unterscheidet. Der anvisierte Umbau der US-Industrie hin zu einer deutlich sozialpolitischeren und klimaorientierten Wirtschaft verspreche auch neue Chancen für den europäischen Maschinenbau, so die Ansicht des Branchenverbands. Außerdem rechne man damit, dass die „ inflationäre Androhung von Strafzöllen zum angeblichen Schutz der nationalen Sicherheit jetzt aufhören“. Dennoch warnte Haeusgen davor, dass zwar eine berechenbarere Handelsbeziehung zu erwarten sei, allerdings auch weiter ein Protektionismus in Bezug auf Arbeitsplätze in den USA. „Eine eigenverantwortliche und handlungsfähige EU einerseits und eine klare transatlantische Bindung und Partnerschaft andererseits sind kein Widerspruch – im Gegenteil“, betonte Haeusgen.

Forderung nach neuen Freihandelsabkommen

Aktuell beträgt der Exportanteil des Maschinenbaus aus Deutschland rund 80 Prozent. Dieses Modell sei durch den weltweit zunehmenden Protektionismus beispielsweise durch die USA und auch China akut gefährdet, warnte der VDMA-Präsident. Laut einer Schätzung des VDMA sind inzwischen rund 35 Prozent der Exporte aus Deutschland in Drittstaaten von Handelshemmnissen betroffen. Der Verband fordert daher grundsätzlich einen freien Zugang für Maschinen und Anlagen, für Kapital und auch für Personen auf allen Märkten. „Wer freie Märkte will, kann nicht Wasser predigen und Wein trinken“, mahnte Haeusgen.

Der VDMA lehnt deshalb die von der Bundesregierung geplante Verschärfung des Außenwirtschaftsrechts und der Außenwirtschaftsverordnung für Investitionen aus Drittstaaten ab. Vielmehr gelte es, auf neue Freihandelsabkommen der EU mit den wichtigsten Handelspartnern zu setzen, insbesondere mit den USA, so der Branchenverband.

Die Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay)seien attraktive Absatzmärkte für Maschinenproduzenten aus aller Welt. Europäische Firmen aber sind hinter den USA und China nur drittwichtigster Maschinenlieferant der Region. Der VDMA setzt sich für eine rasche Ratifizierung des Mercosur-EU-Abkommens ein. Nicht nur, weil es ein Wirtschaftsabkommen sei, sondern auch eine erhebliche politische Dimension habe, so der Verband. „Dieses Abkommen bietet einen eigenständigen Handlungsspielraum für den Mercosur und verhindert damit Abhängigkeit. Es baut auf ehrliche Partnerschaft und Zugang zu moderner Industrietechnologie“, erläuterte der VDMA-Präsident.

Starker Markt Europa

Europa ist und bleibt der wichtigste Markt für den Maschinen- und Anlagenbau, rund 43 Prozent aller Ausfuhren gingen im ersten Halbjahr 2020 in die EU-27 Staaten. In den vergangenen Monaten hat die EU gezeigt, dass sie gerade in Krisenzeiten handlungsfähig und unersetzlich ist. Umso wichtiger ist es, dass die Blockade der beiden Mitgliedsstaaten Ungarn und Polen nun schnell beendet und der EU-Aufbauplan beschlossen wird. „Allerdings darf man sich vom Recovery Plan keine Wunder erwarten. Er ist kein schnell wirkendes Konjunkturpaket, sondern eher ein prozyklisches Paket zur Förderung von Strukturwandel und Kohäsion“, erläuterte Haeusgen.

Klimaschutz gerne, aber…

Im kommenden Jahr werde der Klimaschutz weiter das zentrale europäische Thema bleiben. „Der Maschinen- und Anlagenbau ist der Ermöglicher einer positiven Klima- und Energiezukunft schlechthin“, betonte Haeusgen. Die großen Ambitionen der EU, im Klimaschutz Vorreiter zu sein, seien richtig und für den Maschinen- und Anlagenbau ergeben sich daraus große Chancen. Die Politik müsse aber auch die Planungshorizonte in der Industrie berücksichtigen, forderte der VDMA-Präsident. In dieser Hinsicht sei die geplante kurzfristige Erhöhung der Ziele für 2030, die noch in konkrete Maßnahmen gefasst werden müssen, problematisch. „Eine zentrale Steuerung durch den Staat wird uns auch im Klimaschutz hier nicht weiterbringen. Stattdessen sollte die Politik marktwirtschaftliche Instrumente einsetzen und Treibhausgase mit einem wirksamen und kalkulierbaren Preis versehen“, forderte Haeusgen.

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