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Interview mit Christian Wolf, Turck

Andrea Gillhuber,

Corona als Digitalisierungsbeschleuniger

Die Automatisierungstechnik könnte als ein Gewinner der Corona-Pandemie hervorgehen. Dennoch ist die Branche von den aktuellen Geschehnissen betroffen. Mit Christian Wolf, Geschäftsführer von Turck, sprachen wir über Chancen und Auswirkungen der Pandemie.

Christian Wolf ist Geschäftsführer bei Turck. © Turck

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Automatisierungstechnik-Branche aus?

Wir alle haben in den vergangenen Monaten deutliche Auswirkungen der Corona-Pandemie gespürt, so natürlich auch die Automatisierungstechnik-Branche. Fabriken wurden heruntergefahren, Lieferketten brachen zusammen und auch der weltweite Warentransport wurde zur Herausforderung. Nach einem sehr guten ersten Quartal hat sich der Lockdown bei Turck ab April deutlich bemerkbar gemacht. Mit einer stringenten Kostendisziplin und dem Aufschub geplanter, aber kurzfristig nicht relevanter Investitionen, ist es uns gelungen, auch diese Phase gut zu überstehen. Seit dem Sommer beobachten wir zunehmende Steigerungen der Kundenaktivitäten, was uns optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Nichtsdestotrotz erleben wir noch immer eine volatile Situation, die sich schnell ändern kann. Auch wenn ich die Gefahr eines kompletten zweiten Lockdowns für sehr gering halte, müssen wir abhängig von der Infektionslage jederzeit mit lokalen Maßnahmen rechnen, die unser Geschäft beeinflussen können.

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Welche Chancen bietet die Automatisierungstechnik Unternehmen in Zeiten der Corona-Pandemie?

Diese Zeit hat unsere Art zu arbeiten nachhaltig beeinflusst. Während des Lockdowns waren Mitarbeiter, deren Tätigkeit dies zuließ, allesamt im Homeoffice. Die Umsetzung musste recht schnell gehen und viele arbeiten heute noch remote und digital. Natürlich ist die bei Mitarbeitern in der Produktion nicht möglich aber dort bietet die Automatisierungstechnik Chancen durch Digitalisierung, zum Beispiel Condition Monitoring, vorausschauende Wartung, Cloud-basierte IIoT-Lösungen. Dazu vielleicht ein Beispiel eines unserer Kunden, der unsere Cloud-Lösung einsetzt, um die Zustände jeder seiner Maschinen weltweit einzusehen. In der Regel können die Techniker aus der Zentrale heraus die Fehler lokalisieren und die Maschine wieder zum Laufen bringen. In der Vergangenheit mussten sie dazu an den Einsatzort der Maschine reisen. In Corona-Zeiten hätte das zu einem monatelangen Stillstand geführt. Unser Strategischer Partner Banner Engineering bietet zum Beispiel komplette Lösungen an, mit denen Räumlichkeiten auf die Anzahl der zugelassenen Personen hin überprüft werden können. Am Eingang zeigt ein Towerlight dann grün oder rot. Insofern ist die Corona-Pandemie in jedem Falle ein Digitalisierungsbeschleuniger, sowohl im Sinne von Industrie 4.0 als auch beim Thema Arbeitswelten 4.0.

In diesem Jahr fanden und finden keine großen Automatisierungsmessen statt, der physische Kundenkontakt ist eingeschränkt. Welche Auswirkungen hat dies auf Ihre Geschäftsentwicklung?

Den unmittelbaren Austausch mit Kunden und Interessenten, den Präsenzveranstaltungen wie Messen ermöglichen, vermissen wir schon sehr. Das lässt sich auch mit den innovativsten digitalen Ideen nicht kompensieren. In der aktuellen Situation ist der Verzicht auf solche Veranstaltungen aber zweifellos die richtige Maßnahme. Bei Turck haben wir schon früh begonnen, unseren Kunden alternative Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und Kontaktaufnahme anzubieten, was auch stark genutzt wird. So haben wir zum Beispiel den „Digital Innovation Park“ ins Leben gerufen. Unter www.turck.de/dip finden Sie sozusagen unser „digitales Schaufenster“ mit Innovationen und aktuellen Themen rund die Automatisierungstechnik, Industry 4.0 und IIoT. Das Themenspektrum reicht von Dezentraler Automation über Condition Monitoring bis hin zu Ethernet in der Prozessautomation. Webinare und Whitepaper liefern eingehende Informationen zu den Themenbereichen und werden von unseren Kunden stark nachgefragt. So konnten wir auf diesem Weg bereits mehr Leads erzielen als dies über die klassischen Messen der Fall war. Trotz alledem freuen wir uns darauf, nach der Krise mit Kunden und Interessen an einem realen Messestand wieder persönlich ins Gespräch kommen zu können.

Welche Trends können wir in den nächsten fünf Jahren erwarten?

Der Megatrend der nahen Zukunft ist die Digitalisierung. Gerade in diesem Corona-Jahr erleben wir, welche Chancen das bietet. Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass nicht nur unsere Arbeitswelt nach der Krise eine andere sein wird, sondern auch die digitalen Zukunftsthemen rund um das Industrial Internet of Things sich deutlich schneller entwickeln werden als dies ursprünglich erwartet worden war. Die Automatisierungsbranche wird definitiv stark von diesen Veränderungen profitieren, da wir diesen Wandel aktiv mitgestalten, insofern ergeben sich für unsere Industrie in dieser Krise auch neue Chancen, die es zu nutzen gilt.

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