www.scope-online.de August 2012 8 Das Porträt hh Mit Erfindergeist zum Weltruhm Es begann vor mehr als 160 Jahren als Platinschmelze im Keller einer kleinen Einhorn- Apotheke im hessischen Hanau.
Heute ist Heraeus ein weltweit tätiges Edelmetall- und Technologieunternehmen mit mehr als 13.000 Mitarbeitern.
Forschung und Entwicklung sind gestern wie heute die Schlüssel zum Geschäftserfolg.
Der italienische Humanist und Natur- forscher Julius Ceasar Scaliger (1484- 1558) gehörte zu den ersten Europäern, die sich näher mit dem Element Platin auseinandersetzten.
Scaliger beschrieb es als ein mysteriöses weißes Metall, welches sich allen Schmelzversuchen entzöge.
Das glänzende Edelmetall fas- zinierte die Menschen und sollte ihnen doch lange Zeit ein Rätsel bleiben.
Wir schreiben das Jahr 1851: Wilhelm Carl Heraeus übernimmt die Apothe- ke seines Vaters im hessischen Hanau.
Durch langwierige Versuche im Keller des Gebäudes gelingt ihm schließlich 1856 etwas, das vor allem die Goldschmiede- zunft bislang vor unlösbare Probleme gestellt hatte: Das Schmelzen von Platin in der Knallgasflamme in industriell ver- wertbaren Mengen.
Die „Erste deutsche Platinschmelze“ ist geboren, und ein Stein ins Rollen gebracht.
Schon bald hat das Unternehmen Kunden in aller Welt: Goldschmiedewerkstätten, Schmuck- fabriken, Zahnfabriken, chemische La- boratorien und zahlreiche andere Indus- triezweige.
Unterdessen experimentiert Wilhelm Carl Heraeus weiter und findet immer neue Anwendungsgebiete für das Edelmetall, zum Beispiel Platintiegel für das chemische Labor.
Ende des 19.
Jahrhunderts überneh- men die Söhne Wilhelm und Heinrich die Unternehmensführung.
Heraeus verarbeitet zu diesem Zeitpunkt bereits 1.000 Kilogramm Platin jährlich.
Mit mittlerweile 40 Mitarbeitern droht die Einhorn-Apotheke aus allen Nähten zu platzen.
Man zieht in neue Werksräume vor den Toren der Stadt.
Schöpferische Jahre Die Brüder holen einen alten Schul- freund ins Boot: Dr.
Richard Küch.
Zwischen 1890 bis 1915 machte er die Forschung und Entwicklung zum fes- ten Bestandteil der Firmenphilosophie.
Unter seiner Regie entwickelt Heraeus unter anderem Platin-Thermoelemente und Heizwicklungen für Elektrowär- meöfen, Platinelektroden für die Chlo- ralkali-Elektrolyse zur Produktion von Chlor oder Platindrähte und -netze für die Ammoniakoxidation zur Herstellung von Düngemitteln.
Zwischen 1909 und 1915 führt Küch zudem die Geschäfte des Unternehmens und knüpft enge Kontakte mit der wissenschaftlichen Welt jenseits der Werkstore.
Seine Erfin- dungen bilden noch heute den Grund- stock für viele Geschäftsfelder des Un- ternehmens.
Im Jahre 1899 gelingt es dem Physiker beispielsweise, Bergkris- tall im Knallglasgebläse bei 2.000 Grad Celsius so zu schmelzen, dass nahezu blasenfreies Quarzglas von höchster Reinheit entsteht.
Das Verfahren gilt als Meilenstein in der Unternehmens- geschichte und als Gewinn für Indus- trie und Medizin, da der gewonnene Werkstoff sowohl lichtdurchlässig als auch temperatur- und säurestabil ist.
In dieser Epoche wächst auch die Pla- tinschmelze zu einem der bedeutends- ten Unternehmen seiner Art.
Mit der Herstellung von Schwefelsäure nach Heraeus gilt als Erfinder der künstlichen Höhen- sonne.
Heute gehört der Geschäftsbereich Speziallichtquellen (Heraeus Noblelight) zu den Markt- und Technologieführern bei Speziallampen.
Im Bild: Moderne UV-Lampen für die Hautbräunung.