h www.scope-online.de Juli 2012 13 Bisher beantragen Unternehmen, rückwirkend für das zurückliegende Verbrauchsjahr, einen ermäßig- ten Satz der Strom- bzw.
Energiesteuer, die oberhalb eines Mindestverbrauchs von Strom (derzeit rund 49 MWh) und Energieerzeugnissen (derzeit zum Beispiel rund 16.300 l Heizöl) gezahlt wurde.
Weiterhin erge- ben sich im Rahmen des Spitzenausgleichs weitere Entlastungsmöglichkeiten.
Diese Regelungen bestehen bereits.
Ab 2013 wird gemäß dem Energiekonzept der Bundesregierung dafür künftig jedoch von den Unternehmen eine Gegenleistung in Form eines zertifizierten Ener- giemanagementsystems oder eines Manufacturing Execution System (MES) mit integriertem EMS ver- langt.
Das heißt: Produzierende Betriebe, die auch zukünftig Steuererleichterungen bei Energiekosten in Anspruch nehmen wollen, müssen zukünftig zwin- gend ein EMS oder MES einsetzen.
Gegenüber reinen EMS-Lösungen bieten MES- Systeme dabei etliche handfeste Vorteile, wie Prof.
Dr.
Jürgen Kletti, Inhaber und Geschäftsführer des MES-Spezialisten MPDV, erläutert: „Unter Energie- management werden heute sehr vielfältige Dinge verstanden.
Es reicht auf der einen Seite von der Reduktion tatsächlich verbrauchter Energie bis hin zu Kosten senken durch Einkauf zu den richtigen Ta- rifen oder zu Zeiten mit niedrigen Tarifen.
Die reinen Energiemanagementsysteme zielen eher auf die zwei- te Variante ab und versuchen die Stromverbräuche dann zu begrenzen oder zu unterbinden, wenn der Strompreis relativ hoch ist.
Zum effektiven Einsparen von Energie muss man natürlich auch die Verursacher des Energieverbrauchs kennen, das heißt die Zustän- de an Maschinen und Anlagen, die Aufträge die zu bestimmten Zeitpunkten auf den Anlagen gelaufen sind.
Aus diesen typischen, von einem MES gesam- melten Daten lassen sich Rückschlüsse ziehen, wenn innerhalb der Aufträge zu viele Ausschüsse produ- ziert wurden oder wenn die Maschinen und Anlagen überflüssigerweise im Stand-by-Betrieb sind.
So lassen sich eine ganze Reihe von Potentialen loka- lisieren, die helfen können Energie zu sparen.
Auch im Bereich der Fertigungsfeinplanung sind hier neue Möglichkeiten gegeben.
Heute plant man nach bes- ten Lieferterminen, nach freien Lieferkapazitäten, ebenso nach Rüstoptimierung.
Ein Leitstand kann genauso gut nach optimalem Energieverbrauch pla- nen oder kann den Energieverbrauch innerhalb eines Zeitraums limitieren.
Wie man hier an diesen kurzen Betrachtungen sieht, sind für diese Vorgehensweise nicht nur Energieverbrauchsdaten sondern auch ty- pische MES-Daten notwendig.
Hier bieten moderne und geeignete MES-System eine enorme Hilfe.“ Auch Stefan Schumacher, Bereichsleiter MES bei dem MES-Anbieter Gfos, ist überzeugt, dass reine Energiemanagementlösungen nur zweite Wahl sind: „Je nach Ausrichtung eines MES-Systems bestehen schon im Rahmen der Maschinendatenerfassung (MDE) technische Anbindungen zur Maschine / Steu- erungsebene, was eine wichtige Voraussetzung für das Abgreifen der Energieverbräuche ist.
Präzises Energiemanagment: Daten, die direkt an Maschinen erfasst werden, geben Aufschluss über Energieverbräuche.
MES-Systeme können diese auswerten und für Verbesserung des En- ergieverbrauchs sorgen.
(Quelle: Siemens) Prof.
Jürgen Kletti, Geschäftsführer mpdv Mikrolab: „Oft werden die MES- Techniken mit hochkomplexen Maschi- nen und Anlagen sowie Konzepten und Ausrüstungen in Verbindung gebracht.
Aber genauso oft genügen relativ ein- fache Erfassungssensoren.“