SCOPE: Herr Prof.
Russwurm, Energieeffizienz ist zwar ein hehres Ziel, aber viele Anwender befürchten, sie sei nur auf Kosten der Produktivitätseffizienz erreichbar.
Ist das so? Russwurm: Die alte Produktivitätsgleichung lautet „Mach mehr mit weniger“.
Und das gilt auch für die Energie.
Ressourceneffi- zienz muss nicht zu Lasten der Produktivität in der Produktion gehen, ganz im Gegenteil.
Innovationen und der durchdachte Einsatz von neuen Technologien schlagen eine begehbare Brü- cke zwischen diesen beiden Polen.
SCOPE: Was ist beim Bau dieser Brücke zu beachten?? Russwurm: Zum einen muss man dabei den Produktionsprozess als Ganzes ansehen und die Produktivität und die Effizienz in den einzelnen Schritten verbessern, vom Produktdesign über die Produktionsplanung, dem Engineering der Produktionsanlagen bis zur eigentlichen Produktion – inklusive der Serviceleistun- gen, die bei allen diesen Schritten zum Tragen kommen.
SCOPE: Und zum anderen…? Russwurm: …muss man so früh wie möglich beginnen bei der ganzheitlichen Optimierung, nämlich beim Produktdesign.
Ob wir über die Konsumgüterindustrie , die Automobilindustrie oder den Maschinenbau reden – aufgrund des globalen Wettbewerbs der zu- nehmenden Variantenvielfalt haben sich die Entwicklungszyklen bei Produkten drastisch verkürzt.
Da kann eine gute PLM-Software dafür sorgen, dass es ein kon- sistentes Datenmodell für den gesamten Prozess gibt – in- klusive virtueller Prototypen der Produkte und Maschinen, die Zeit und Kosten senken.
Einer der wichtigsten Produk- tivitätshebel wird allerdings oft erst auf den zweiten Blick sichtbar… SCOPE: Und der wäre? Russwurm: Die Chance auf mehr Kreativität: Wer einmal mü- hevoll einen realen Prototypen gebaut hat, der weiß, was es für eine Überwindung kostet, zu sagen: „Der war´s nicht, ich brauch einen anderen.
Ich muss noch mal neu anfangen“.
Gleichzeitig signalisiert einem der zuständige Controller, man solle die Komponenten des ersten Prototypen auch für den Bau des zweiten verwenden – man muss also den ersten Prototypen wieder zerlegen.
Und wenn das aber doch die beste Alternative war? Dieses Risiko geht man eher nicht ein.
Die typische Kon- sequenz: Nach der Entwicklung des ersten Prototypen passiert nur noch Evolution.
Ein virtueller Prototyp erlaubt es hingegen, weitere Lösungsal- ternativen daneben zu stellen und diese so gut zu vergleichen, wie es das Modell in der Analyse hergibt.
Ohne dass man auf Beschränkungen aufläuft.
Wir können also alternative Designs mit PLM Software bewerten, analysieren, damit Produkte entwi- ckeln, testen, optimieren – und wir sparen dabei.
SCOPE: Können Sie dazu ein konkretes Beispiel nennen? Russwurm: Bei Red Bull Racing, dem Rennstall in Großbritannien, entwerfen die Konstrukteure das Bauteil zunächst mit der Siemens PLM-Software NX und können dabei auf eine einheitliche Daten- basis zurückgreifen.
Und wenn die Ingenieure beispielsweise die Nase des Rennwagens verändern, dann passt NX automatisch die www.scope-online.de Juni 2012 10 Wortwechsel hh Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenwachsen der digitalen Product-Lifecycle Management-Welt mit der realen Fertigungswelt, dessen ist sich Prof.
Dr.
Siegfried Russwurm, CEO Siemens Sektor Industry, sicher.
Im Gespräch mit SCOPE- Chefredakteur Hajo Stotz erläutert er die Vorteile einer Verknüpfung von Software mit der Automatisierungs- und Produktionstechnik anhand des von Siemens entwickelten TIA-Portals.
„Die neue „Die neue Nase“Nase“ Portal zu einer effizienteren Welt Mit Totally Integrated Automation können die Anforderungen nach effizienter Projektierung, schneller Integration und Inbetriebnahme, hoher Flexibilität in der Produktion sowie hoher Verfügbarkeit und Energieeinsparung effizient umgesetzt werden - über den kompletten Lebenszyklus einer Maschine oder Anlage, angefangen bei Planung und Engineering über Betrieb und Wartung bis hin zu Erweiterung und Modernisierung.
Die Produktpalette, die Siemens hierfür anbietet reicht von Automatisierungs-, über Prozessleitsysteme bis hin zu industrieller Schalttechnik und Niederspannungs-Energieverteilung.