www.scope-online.de April 2012 14 Das Porträt hh Vom Schlepprechen zur Bandsäge Im Jahr 1887 eröffnete Julius Kaltenbach eine kleine Schlosserei.
Heute ist Kaltenbach ein Systemanbieter für die Stahlbranche, dessen Anlagen überall gefragt sind, wo Profilstahl oder Blech bearbeitet werden.
Wie er und seine Nachfahren ein Unternehmen von Weltruf geschaffen haben, wird im Jubiläumsjahr 2012 beleuchtet.
Junge Waschfrauen stehen in einem Kanal und schwatzen munter, während sie Kleider und Tuch bearbeiten.
Ne- ben ihnen führt eine Treppe zu einer Brücke, an der die Schlosserei „Julius Kaltenbach, Haagen (Baden) – Speziali- tät Werkzeugmaschinen“ steht.
Im Jahr 1887 weist das alte Bauerndorf nahe Lörrach gerade mal 1.100 Einwohner auf.
Aber, und das ist es wohl, was den Ber- liner Akkordarbeiter Julius Kaltenbach in seine Heimat zurückgetrieben hat, in dieser Gegend, dem Wiesental, stehen Fabriken, aus deren Kaminen Rauch- fahnen wehen – wie das Badnerlied zu berichten weiß.
Drehbänke und andere Werkzeugmaschinen werden gebraucht und so wagt der 29-jährige den Sprung in die Selbständigkeit.
Für die Fabriken der Umgebung baut er Maschinen zum Drehen, Fräsen oder auch zum Wickeln von Stumpen.
Und das mit Erfolg.
Ge- rade mal fünf Jahre später bezieht er einen Neubau in der Güterstraße in Lörrach.
„Jul.
Kaltenbach.
Mech.
Werk- stätte“ steht auf seiner Fassade.
Dort ist reichlich Platz: Für die eigene Familie im zweiten Stock, für Lehrlinge und Gesellen im Speicher.
In der Werkstatt selbst sollen zwei Hobelmaschinen, drei Leitspindelbänke, eine Kopfbank, zwei Bohrmaschinen, eine Holzdrehbank und eine Esse stehen.
Damit wird auch Raum geschaffen für ein zweites Standbein.
Da zu jener Zeit die Landwirtschaft weitest- gehend noch Handarbeit ist, bietet Juli- us Kaltenbach mechanische Hilfen fürs Mähen, Dreschen, Futterschneiden und anderes mehr.
Er handelt mit fremden Fabrikaten und entwickelt selbst Geräte wie die Holzbandsäge, Obstpresse oder Obstmühle.
Glückliche Einfälle Die größten Stückzahlen erreicht er mit einem Schlepprechen, den er in Vorarlberg entdeckt und in einer verbesserten Versi- on aus Metall produziert.
Bis Julius Kal- tenbach 1926 seinen Betrieb den beiden Söhnen Julius jun.
und Hans übergibt, ist der Geschäftszweig Landmaschinen weitaus stärker gewachsen als die Werk- zeugmaschinen.
Die Geschichte einer außergewöhnlichen Unternehmerfamilie hat ihren Anfang genommen.
Die Brüder Julius jun.
und Hans teilen das Unternehmen auf.
Hans übernimmt den Maschinenbau.
Er erhält einen Auf- trag aus Rüsselsheim.
Opel stellt als erster in Deutschland Karosserien mit Tiefziehblech her.
Die Schmelzband- sägen, die Hans Kaltenbach liefert, können die Ränder der Tiefziehbleche ohne Deformation abtrennen.
Auf Basis der Holzbandsägen gelingt Hans Kalten- bach eine neuartige Konstruktion mit so hoher Schnittgeschwindigkeit, dass das Sägen eine wie mit der Schmirgelscheibe geglättete Kante hinterlässt.
Dies ist der Beginn des Baus von Metallsägen.
Mit Mit seiner großen Hausmesse IPS – Inter- national Partners in Steel bietet Kaltenbach jährlich einen Einblick in Innovationen und Trends bei der Stahlbe- arbeitung.
Unterstützt von 40 Mitausstellern durfte das Unterneh- men im Jahr 2011 3.200 Besucher aus 52 Ländern begrüßen.
Schwerpunkt der Hausmesse mit Blick auf die Effizienz in der Stahlbearbeitung war die automatische Ferti- gungssteuerung.