www.scope-online.de Januar 2010 10 Das Porträt hh Vom Kamm zum Koffer „Aus einem kleinen Bedarf kann mal ein großer werden“.
Diese Parole gab Heinrich Horstmann Senior, der verstorbene Besitzer und Namensgeber der Firma Licefa, an seine Mitarbeiter aus, wenn es um Aufträge ging.
So simpel diese Unternehmensphilo- sophie auch anmutet – in den vergangenen Jahrzehnten hat sie sich als richtig erwie- sen.
Heute würde man ein solches Denken mit dem Wort „Flexibilität“ umschreiben und damit gleichzeitig den wichtigsten Grund der Erfolgsgeschichte des Unterneh- mens aus Ostwestfalen-Lippe nennen.
Im Jahr 1907 erhält Albert Abraham Michelson für die Bestimmung der Licht- geschwindigkeit den Nobelpreis.
Die Brüder Lumière veröffentlichen erstmals Farbfotos, und dem deutschen Hermann Anschütz-Kaempfe wird das Patent auf den Kreiselkompass zugesprochen.
Zu dieser Zeit werden in Deutschland Pro- dukte aus modernen Kunststoffen immer beliebter.
Ob Haarspangen oder Kämme: Die über die Spritzgusstechnik ermögli- chte Massenfertigung von hochwertigen Elfenbein- und Schildplatt-Imitaten aus halbsynthetischen Kunststoffen revolu- tioniert das Konsumverhalten der Deut- schen nachhaltig.
Die Gründung der Firma Licefa erfolgte 1907 in Ohrsen, einem damals verschla- fenen Dorf nahe dem lippischen Lage, und zwar unter dem Namen „Lippische Celluloidwarenfabrik H.
Wellmeier“, aus dem sich Jahrzehnte später die Ab- kürzung des heutigen Firmennamens entwickelte („Li“ für Lippische, „Ce“ für Celluloid, „Fa“ für Fabrik“).
Gründer waren die Bauernsöhne Hermann und Gustav Wellmeier, die sich die vielen florierenden Betriebe der Schötmaraner Celluloidwaren-Industrie zum Vorbild genommen hatten.
Die Produktpalette umfasste Kämme und Haarschmuckar- tikel, die sich auf Grund ihrer soliden Qualität eines guten Absatzes erfreuten.
1909 kauften die Bremer Kaufleute Carl Knigge und Wilhelm Lindloff das Unter- nehmen, das bis 1926 in Ohrsen ansässig blieb.
Erst später wurde der Sitz nach Schötmar verlegt.
Im Jahre 1936 ging die Firma als Fusion mit zwei anderen Unternehmen in den Besitz von Hein- rich Horstmann Senior über, ab diesem Zeitpunkt trägt sie den Namen „Licefa“.
Die Produktpalette konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt auf Haarklemmen, Haarnadeln, Haarspangen und Zopf- halter, aber auch Seitenkämme und Kragenstäbchen, alles hergestellt aus Celluloid.
Innerhalb von Schötmar zog man schließlich 1962 an den heutigen Standort.
Auch in Zukunft: Made in Germany Über die Jahre haben sich Produkt- palette, Werkstoffe und Produktions- verfahren geändert und dem Geist der Zeit angepasst.
Geblieben sind Quali- tätsanspruch, Kompetenz und inno- vatives Denken.
Mit diesem Know-how Aufnahme um 1940: Stanzen dienten unter anderem zur Herstel- lung von Spangen.