h www.scope-online.de Januar 2010 13 Krüth: Die Automobilindustrie und der Formenbau sind an den jetzigen Möglichkeiten stark interessiert.
Es wird aber auch an größere Formteile gedacht.
Wir wurden auf Instrumenten- tafeln angesprochen.
Der Entwicklungsstand der neuen Laser 1200 5Ax und der neuen Laser 600 5Ax, die wir gekauft haben, ist überzeugend, aber die Beladbarkeit (bis 1,7 t) und die Ab- messungen (bis 700 mm x 700 mm x 700 mm) reichen für den großen Formenbau nicht aus.
Wir stehen aber erst am Beginn der industriellen Anwendungen und die Nachfrage wird die Entwicklungen und das Angebot beeinflussen.
SCOPE: Wer die Laserablation erklärt bekommt, erfährt auch etwas über das Laser-Ätzen.
Was spricht für diese Kombination einer alten und einer neuen Technologie? Krüth: Bei der üblichen fotochemischen Ätztechnik wird mit Filmen gearbeitet.
Das ist kein Problem, solange man in einer Ebene bleibt.
Filme an gewölbte 3D-Körper anzubringen ist ähnlich schwierig, wie gewölbte Raumelemente zu tapezie- ren.
Das Retuschieren von Hand ist dann unerlässlich.
In der Multilayer-Bearbeitung und bei geometrischen Narben stößt diese herkömmliche Bearbeitung an Ihre Grenzen.
Für das Laser-Ätzen spricht erstens, dass mit einem vorgelagerten „Mapping“-Prozess eine Struktur per Computer virtuell über die Oberfläche gezogen werden kann.
Viele Strukturen sind weniger kompliziert im Aufbau als in ihrer Verteilung auf der Oberfläche.
Als Beispiel stellen wir uns einmal ein Schach- brettmuster vor, das auf eine Halbkugel zu bringen ist.
Das ist mit Mapping gut zu machen.
Das Formteil wird lackiert und mit dem Mapping-Programm gelasert.
Dabei wird der Lack an den Stellen entfernt, die anschließend für das Ätzen offen sein sollen.
Zweitens kann man in der Kombination Lasern und Ätzen mehrlagige Lederstrukturen besser als im reinen Ätzprozess erzeugen.
Die „reine“ Lasertechnik wäre hier teurer, weil dazu vielleicht 50 Bearbeitungsstufen notwendig wären, während das Laser-Ätzen mit fünf bis acht Bearbei- tungsstufen auskommt.
Das gilt allgemein: Jede Aufgabe ist für sich zu betrachten.
Es gibt Strukturen, die sich durch das Ätzen genauso gut erzeugen lassen, es gibt Strukturen, die beim Ätzen annähernd gut entstehen und es gibt Strukturen, die man nur mit der reinen Lasertechnik in der geforderten Qualität erzeugen kann.
SCOPE: Zu einer neuen Technik passt die Frage nach Visionen.
Herr Krüth, wer zwei Maschinen einer neuen Technologie kauft, wird seine Zuversicht auch aus Visionen schöpfen.
An welche Möglichkeiten denken Sie? Krüth: Die Lasertechnik eröffnet Möglichkeiten, von denen Designer bisher nur träumen.
Wir haben Entwicklungsaufträge, die erstaunliche Wirkungen auf der Oberfläche zeigen.
Neben ei- nigen begeisterten Kunden gibt es viele, die skeptisch sind und an den Vorteilen und Möglichkeiten zweifeln.
In einer solchen Phase begrüßen wir gern Kunden, die bereit sind, mit uns einen Schritt zu gehen.
Eine Hürde ist sicherlich die lange Bearbei- tungszeit für tiefere Strukturen, die das Lasern in zahlreichen Stufen erfordert.
Es ist aber zu erwarten, dass die Maschinen- technik noch schneller wird.
Und wir sollten auch an das Lasern von Oberflächenstrukturen an Elektroden aus Grafit oder Kupfer denken.
Ich bin davon überzeugt, dass die Lasertechnologie in zehn Jahren ihren festen Platz hat.
Das Lasern wird das Ätzen nicht verdrängen, doch in Bereichen ersetzen und Impulse für ganz neue Anwendungen geben.
Klaus Malle/ee Hochwertig gelaserte Textur auf Elektroden aus Kupfer und Grafit /Laserablation/ /Kennziffer Agie Charmilles, Schorndorf, Tel.
07181/926-0, Fax 926-190, www.gfac..com Die Geschäftsführer Stefan Krüth (rechts) und Martin Krüth (links) prä- sentieren Musterteile, die bei der GF Agie Charmilles Deutschland mit dem Laser bearbeitet worden sind.