handling Dezember 2009 32 www.handling.de micro handling MQuerschnittstechnologie, ikrosystemtechnik (MST) ist eine auf die keine Branche mehr verzichten kann.
Sie hat längst Einzug gehalten in die Auto- mobilindustrie, den Maschinenbau, in Kommunikationstechnik, Medizintechnik, Pharmazie oder Materialforschung.
Mit MST ist es möglich, winzige Mikrobauteile herzustellen, die vielfach feiner sind als ein menschliches Haar.
Damit lassen sich Mi- krosensoren und Mikroaktoren realisieren.
Kombiniert man diese mit Elektronik, so werden daraus intelligente Mikrochips, die „fühlen, entscheiden und handeln“.
Die Mikrosystemtechnik spielt in Deutschland eine zentrale Rolle für Wachstum und Be- schäftigung: Mehr als 700.000 Arbeitsplät- ze sind direkt mit der Mikrosystemtechnik verbunden – Tendenz steigend.
Damit die deutsche Wirtschaft ihre im internationa- len Vergleich führende Stellung erhalten und ausbauen kann, müssen Entwicklun- gen schnell in Produkte umgesetzt und vermarktet werden.
Das Bundesministe- rium für Bildung und Forschung (BMBF) hatte dafür im Rahmenprogramm „Mikro- systeme“ von 2004 bis 2009 insgesamt rund 260 Millionen Euro bereitgestellt.
Im Jahr 2000 erzielte die deutsche Industrie mit MST-Komponenten und kompletten Systemen einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro.
Die wirtschaftliche Bedeutung von MST steigt über den so genannten Leve- rage Effect teilweise auf mehr als das Sech- zigfache, sobald sie in die Anwendung gelangt, denn ohne MST-Komponenten lassen sich viele Produkte nicht verkaufen.
Der mit der dynamischen Entwicklung der MST verbundene Bedarf an Fachkräften kann heute kaum gedeckt werden: 84 Prozent der MST-Hochschulabsolventen fi nden bereits drei Monate nach Studien- abschluss einen Arbeitsplatz.
Ein weites Anwendungsfeld für Mikrosysteme ist zum Beispiel das Auto: Winzige Beschleuni- gungssensoren detektieren einen Aufprall und lösen bei einem Unfall den Airbag aus.
Kleinste Drehratensensoren messen, wenn das Fahrzeug ins Schleudern gerät und hel- fen bei Regen, Schnee und Eis sicher auf der Straße zu bleiben.
Sensoren für Druck und Strömung stellen das richtige Brenn- stoffgemisch für den Motor ein und redu- zieren damit den Schadstoffausstoß.
Aber auch in Digitalkameras leisten kleine Dinge Großes: Beschleunigungssensoren verhin- dern ein Verwackeln.
Beim Überspielen der Bilder auf den PC werden kleine Schreib- Leseköpfe aktiv und speichern die Daten auf der Festplatte.
Tausende winziger Ak- toren schießen kleinste Tintentröpfchen mit hoher Präzision und Geschwindigkeit aufs Papier beim Ausdrucken der Bilder.
Die Liste der Beispielbereiche, in der MST nicht mehr wegzudenken – ja gerade schon selbstverständlich geworden – ist, lässt sich fortsetzen: Betriebssicherheit von Maschinen und Anlagen, Regelung von Heizung und Lüftung, mobile Kommunika- tion, optische Industrie, mobile Diagnosen und Operationsassistenz in der Medizin.
Der demografi sche Wandel ist einer der Wachstumsmotoren für diese Technolo- gie, weil die präventive Mikromedizin ein Zukunftsmarkt ist.
Die neuen, intelligenten Mikrosysteme in unserer Alltagswelt – so genannte Smart Systems – werden in Zu- kunft nicht mehr nur „fühlen“ und „han- deln“, sie werden bewerten, vorausschau- en und entscheiden und schließlich mit ihrer Umgebung kommunizieren.
Sie wer- den zur Selbstdiagnose befähigt sein und sogar eine gewisse Autonomie im Handeln besitzen.
pb Nahezu unbeachtet überneh- men Mikrosysteme in unserem Alltag immer sensiblere Auf- gaben.
Die Bedeutung dieser jungen Branche wächst enorm – sie ergibt sich aus den neuen Möglichkeiten, die sie für unsere Zukunft schafft.
Sie ist überall! Technologie des Kleinen mit riesigem Innovations-Potenzial Mikrosystemtechnik ? Kennziffer 195 Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, Tel.
030/1857-0, Fax 1857-5503, www.bmbf.de Mikrosystemtechnik ? Kennziffer 197 VDE, Frankfurt, Tel.
069/6308-0, Fax 63-12925, www.vde.com Die Welt kleinster Teile ist groß.
Beispiel: ein Mikrosensor.