Herstellung eines automatisierten Gang- therapie-Systems gab 1996 den Anstoß zur Gründung von Hocoma in Volketswil/ CH.
In langjähriger und intensiver Zusam- menarbeit mit der Uniklinik Balgrist wurde der Lokomat entwickelt.
Neue Hoffnung: Der Lokomat machte es erstmals möglich, die Beine auf dem Laufband automatisch zu führen.
Damit kann die Trainingsdauer erheblich verlängert werden und die Bei- ne des Patienten werden gleichmäßiger und kontrollierter bewegt als beim bisher üblichen manuellen Training.
Vor allem aber kann dank des Lokomat der Trai- ningseffekt gesteigert werden.
Die Patienten können mit dem Thera- piegerät zu einem frühen Zeitpunkt mit dem Training beginnen und es intensiver durchführen.
Gerade in der Frühphase der Rehabilitation ist ein länger andauerndes Training für den Erfolg von großer Bedeu- tung.
Im Gegensatz zur manuellen redu- ziert die automatisierte Gangtherapie den Betreuungsaufwand und die körperliche Belastung für den Therapeuten: Bisher waren über die gesamte Trainingseinheit hinweg zwei Fachkräfte zur Unterstützung des Patienten notwendig.
Demgegen- über erfordert die automatisierte Gehilfe, selbst in der sehr aufwändigen Frühphase der Rehabilitation, lediglich die Betreu- ung durch einen einzelnen Therapeuten.
Dies führt zu höherer Effi zienz in Bezug auf den Trainingsfortschritt sowie auf die erhebliche Reduktion des zeitlichen und fi nanziellen Aufwands.
Durch die Automa- tisierung der Therapie mit dem Lokomat kann die Behandlung heute gezielt auf die Bedürfnisse des gehbehinderten Patienten maßgeschneidert werden.
Sie können län- ger, regelmäßiger und effi zienter trainieren und erzielen raschere Fortschritte.
Wie der Lokomat funktioniert Für die automatisierte Gangtherapie wird der Patient im Rollstuhl auf das Laufband gefahren und in ein Hängegeschirr um- gelagert.
Mittels individuell einstellbarer Traggurte, variablen Manschetten und Haltevorrichtungen wird der Behinderte in aufrechter Haltung stabilisiert.
Die un- teren Extremitäten werden in mehrgelen- kigen, motorgetriebenen Orthesen fi xiert und in der Höhe so angepasst, dass eine Bewegung im aufgerichteten Gang auf dem Laufband möglich ist.
Die eigentliche Bewegung übernimmt die motorgetriebene Orthese.
Dazu sind in Hüfte und Knien Maxon-Antriebs- einheiten, bestehend aus RE 40-Motor, Bremse, Getriebe und 4Q-DC Servover- stärker ADS_E 50/10, untergebracht.
Die Antriebe werden mit der Geschwin- digkeit des Laufbandes synchronisiert, sodass die Bewegungen von Lokomat und Laufband exakt übereinstimmen.
Eine entsprechende Software steuert die Hüft- und Kniegelenke mit physiolo- gischen Gangkurven in Echtzeit.
Jede der vier Achsen wird einzeln elektronisch auf die präzise Einhaltung des Gangmusters überwacht.
Die einfache, bildschirmgeführte Be- dienung unterstützt das Personal beim Patiententraining.
Der Therapeut kann die Trainingsparameter am Monitor lau- fend den Anforderungen des Patienten anpassen und mittels grafi scher Darstel- lung der Kraftwerte den Verlauf des Trai- nings kontrollieren und mit früheren Lek- tionen vergleichen.
Der Lokomat erlaubt eine graduelle Belastung und unterstützt die fl ießende, natürlichere Bewegung während des Gehens.
Mittels ein paar weniger Handgriffe lässt sich von der au- tomatisierten auf die manuelle Therapie wechseln.
Wichtige Kriterien zur Auswahl der An- triebe waren die außerordentliche Dyna- mik, hohe Leistungsdichte (das Verhältnis zwischen Volumen und Leistung) sowie hohe Verlässlichkeit und lange Lebens- dauer der maxon-Motoren.
Durch die langjährige, enge Zusammenarbeit mit den Hocoma-Ingenieuren wurden opti- mal auf die Anwendung ausgelegte An- triebseinheiten defi niert.
Lokomotionstherapie auch für Kinder Ein weiteres Highlight ist der LokomatPro mit Kinderorthese.
Dieses Therapiesystem baut auf dem Prinzip des Lokomat auf, wurde jedoch speziell auf die Bedürfnisse in der Gangtherapie für Kinder entwi- ckelt.
Es bietet jungen Patienten mit früh- kindlicher Hirnschädigung oder anderen neurologisch bedingten Bewegungsstö- rungen die Möglichkeit, vom intensiven Gangtraining zu profi tieren.
„Der Lokomat ist nicht nur aus medi- zinischer Sicht eine Pionierleistung, son- dern auch wirtschaftlich interessant“, kommentiert Professor Volker Dietz, Chefarzt und Direktor des Paraplegiker- zentrums der Uniklinik Balgrist.
„Auf eine Mio.
Einwohner treten pro Jahr rund 50 Querschnittlähmungen auf, jedoch an die 2000 halbseitige Lähmungen.
Wäh- rend etwa 25 Prozent der querschnitt- gelähmten Menschen (Paraplegiker) von einem Laufbandtraining profi tieren, sind es im Fall von halbseitig Gelähmten (Hemiplegiker) über 50 Prozent der Pati- enten.
Die am Lokomat durchgeführten Verbesserungen für Hemilegie-Patienten kommen ebenso den Paraplegikern zu- gute“.
Die Entwicklung ist für Professor Dietz auch ein Vorzeigebeispiel für gute Koo- peration: „Unser großer Vorteil war der enge Gedankenaustausch zwischen allen Beteiligten ohne ihn wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.“ Der Lokomat zeigt die entscheidende Bedeutung von Präzisionsantrieben in der Medizintechnik auf.
Denn immer mehr Methoden und Verfahren in der Therapie, der Diagnostik, der Chirurgie oder in Labortechnik wer- den automatisiert und benötigen hoch- präzise, effi ziente und sichere Antriebe und Systeme.
Martin Rüegg Automationsantriebe ? Kennziffer 9 maxon motor ag, CH-Sachseln, Tel.
+41/41/6661500, www.maxonmotor.com handling November 2011 5 www.handling.de Titelstory Orthese mit Maxon-Antriebseinheiten, bestehend aus RE 40-Motor, Bremse, Ge- triebe und 4Q-DC Servoverstärker ADS_E 50/10.
Orthese in Betrieb: Entlastung für die The- rapeuten.