handling Juni 2012 38 www.handling.de Antriebe, Steuerungen, Komponenten Wstellt, ie man sich den Schwarzwald vor- so ist er in Eisenbach: eine Landschaft zum Niederknien mit einer geradezu unwirklichen Ruhe, rührigen Wirtsleuten und einem Rathaus, in dem sich der Gast willkommen fühlt.
Von dem unnachahmlichen, sympathischen Dialekt ganz zu schweigen.
Eisenbach ist ein Ort wie aus dem Bilderbuch, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
Dabei hat gerade sie, die Zeit, hier eine besondere Bedeutung.
Denn in den Jahren nach 1700 begann in Eisenbach die Uhrenherstellung.
Wer kennt ihn nicht – den naturgetreuen Kuckucksruf.
Was Simon Dilger einst als Handwerk begann, wuchs zu einem blühenden Geschäft die Ortschronik ist voll mit Namen von Uhrmachern und Uhrhändlern.
Aber nicht nur: Jene, deren Metier das Metall ist, füllen das tausendseitige Werk nicht minder mit Erfolg und Geschichte – bis in die Ge- genwart.
Doch der Reihe nach.
Es begann mit „vorzüglichen Spindelbohrern“ Der Ort Eisenbach entstand durch die ört- lichen Erzlagerstätten – Eisen und Mangan.
Der Bergbau begann hier etwa um 1520.
Es waren geologische Gründe und auch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, weshalb Eisenbach mit der Erzgewinnung nicht zu Reichtum gelangen konnte mit den 1660er Jahren endete bereits die Zeit, in der das Bergwerk die Region bestimm- te.
Nachdem anschließend die Uhrmache- rei aufgeblüht war, begründete Karl Morat (1811 bis 1882) in vorindustrieller Zeit eine neue Ära in Eisenbach: Der Mann war ein echter Wälder-Tüftler und baute Drehstüh- le, Zahnstühle und Spindelbohrnadeln.
Die Schwarzwälder Uhrmacher schätzten ihn wegen seiner „vorzüglichen Spindelboh- rer“, wie es in der Chronik heißt, denn sie benötigten diese Werkzeuge unbedingt für den Bau der Uhren, die damals noch vollständig aus Holz hergestellt waren, auch die kleinsten Zahnräder.
Einer der acht Kinder Karl Morats war Johann (1838 bis 1904), der in seines Vaters Fußstapfen trat und ebenfalls Spindelbohrer, Drehbän- ke und vor allem Zahnräder baute.
Er ent- Feinmechanik hat Tradition in Eisenbach.
Tausend Meter über dem Meeresspiegel ist das Zahnrad, eines der bedeu- tendsten Maschinenelemente in der Welt der Mechanik, Mit- telpunkt einer Gemeinde.
Die Familie Morat hat hier Tech- nikgeschichte geschrieben.
Ein Besuch „auf dem hohen Wald“ zum 100.
Geburtstag der Firma Franz Morat.
Die Wälder-Tüftler Im Gear-Valley dreht sich alles um Zahnräder Wo der Winter früher und der Frühling später kommt als andernorts, leben die Menschen von der Industrie: Eisenbach, Zentrum des Gear-Valley im Hochschwarzwald.
(Foto: Born) Franz Morat sen.
(1876 bis 1953) gründete vor hundert Jahren in Eisenbach das Zahn- radunternehmen.
(Repro: Framo Morat)