handling April 2010 33 www.handling.de Special HMI – Titelstory Anlagen für Geräusche und Kupplung“, berichtet Gerald Matzer.
Anders gestaltet sich die Situation im Vorserienstadium.
„Dafür haben wir einen Universalprüf- stand entwickelt, der sowohl die Ge- räusch- als auch die Kennlinienprüfung abdeckt.“ Wichtig dabei: Die Analysever- fahren müssen möglichst seriennah sein, damit sie sich später eins zu eins auf hö- here Stückzahlen übertragen lassen.
Die- ser DAM-Universalprüfstand ist als vielsei- tig nutzbares Bindeglied zu bezeichnen, das zwischen der Entwicklungsphase und dem Serienstart eingesetzt wird.
Aus die- sem Grund muss sich der Prüfstand fl exi- bel umbauen lassen und unterschiedliche Getriebeaufnahmen und Kontaktierungs- möglichkeiten für die Motorsteuergeräte bieten.
Die Antriebstechnik hat DAM gemein- sam mit Lenze für die maximal zu erwar- tenden Leistungsdaten ausgelegt.
Des- halb werden Servoregler der Lenze-Reihe Servo Drives 9400 mit immerhin 370 Kilowatt Leistung eingesetzt, obwohl die eingesetzten Asynchronmotoren nur eine Leistung von 105 Kilowatt aufweisen.
Um das hohe Drehmoment ohne Getrie- be zu erreichen, wird ein Motorstrom von 690 Ampere benötigt.
In diesem Betriebs- punkt arbeiten die Asynchronmotoren bei einer Frequenz von 3,4 Hertz fast im Kurzschlussbetrieb.
„Mechanisch und regelungstechnisch sind wir an die Gren- ze gegangen.
Wo die genau lag, wuss- te vorher niemand ganz präzise.
Es gab schlichtweg keine Erfahrungen“, blickt Gerald Matzer zurück.
„Hier erwies sich die enge Zusammenarbeit mit der Ent- wicklung von Lenze als äußerst wertvoll.“ Die erste Einstellung der anspruchsvollen Antriebslösung hatte der Spezialist für Antriebs- und Automatisierungstechnik bereits im Labor vorgenommen.
„Eine Herausforderung bestand etwa darin, die mit der hohen Leistung naturgemäß auf- tretenden Regelabweichungen und vor allem auch den Kostenrahmen im Griff zu behalten“, so Matzer weiter.
„Ge- meinsam mit Lenze ist uns das sehr gut gelungen.“ Bestückung per Roboter Zur generellen Aufgabenstellung einer Prüfzelle gehört das Beladen der Anlagen per Knickarmroboter.
Anschließend wird automatisch das Prüföl befüllt, die Aktu- atoren und Sensoren sowie die An- und Abtriebsfl ansche werden kontaktiert.
Für den eigentlichen Prüfprozess sind drei Antriebe erforderlich – einer als treibende Kraft vor dem Verteilergetriebe, zwei wei- tere im generatorischen Betrieb als brem- sende Kraft an den zwei Abtrieben des Getriebes.
Aufgrund der hohen Ströme bei gleich- zeitig minimaler Drehzahl sind die drei Asynchronmaschinen fremdbelüftet.
Die erarbeitete Antriebslösung liefert Lenze als komplettes Paket.
Die Realisierung des Schaltschranks gehört zum Verantwor- tungsbereich der eigenständigen Lenze- Anlagentechnik im österreichischen Enns – inklusive der Inbetriebnahme.
Im Prüfstand ist die Antriebsregelung per Profi bus mit der SPS verbunden.
Die Visualisierung läuft auf einem geson- derten IPC.
DAM nutzt die Servoregler als Drehzahl- und Drehmomentsteller sowie als Gateway.
„Wir sammeln über die in- tegrierten Eingänge beispielsweise La- gertemperaturen ein und reichen sie per Feldbus durch bis zum Leitrechner“, geht Robert Fandler ins Detail.
„Außerdem speichern wir alle qualitätsrelevanten Größen in einer Datenbank und unter- stützen so die lückenlose Produktnach- verfolgbarkeit.“ Prüfqualität Ein weiteres Zeichen für hohe Qualität beim Prüfprozess sei auch, und darin sind sich beide Geschäftsführer einig, Anlagen so zu konzipieren, dass sie sparsam mit Energie umgehen.
Weil in Getriebeprüf- ständen der Hauptantrieb als so genann- ter Eintriebsmotor die Rolle des späteren Verbrennungsmotors wahrnimmt, wäh- rend zwei weitere Motoren den Wider- stand der Räder auf der Abtriebsseite simulieren, bietet es sich förmlich an, die Regler im Zwischenkreisverbund zu betreiben.
„Wir beziehen aus dem Netz folglich nur die reine Verlustleistung“, un- terstreicht Robert Fandler die Energieeffi - zienz der DAM-Prüfstandstechnik.
? Kennziffer 262 Die Universalprüfstände von DAM sind das Bindeglied zwischen Vorserie und Serie.
Gemeinsam zu einer Lösung: Robert Fand- ler, Robert Gradischnig und Gerald Matzer (v.li.), Lenze: Offen für Europa „Als Spezialist für Antriebs- und Automatisierungstechnik entwickeln, fertigen und verkaufen wir innovative Produkte, umfassende Lösungen und komplette Systeme.
An weltweit über 40 Standorten stellen sich unsere engagierten Mitarbeiter immer neuen Herausforderungen und erarbeiten kreative Lösungen“ sagt der Vorstands- vorsitzende der Lenze SE, Dr.
Erhard Tellbüscher.
Seit September des letzten Jahres arbeitet die frühere Lenze AG auf Basis einer europäischen Aktiengesellschaft: SE, Societas Europaea.
„Mit dem Wandel zur SE präsentieren wir uns konsequent als europäisches Unternehmen.
Wir werden unser internationales Image und unseren Markenauftritt noch verbessern“, erklärt Dr.
Erhard Tellbüscher.
Darüber hinaus ver- einfacht diese Rechtsform die Etablierung einer gesellschaftsrechtlichen Ordnung auf europäischer Ebene – die Lenze-Gruppe erhält für die Zukunft einen fl exibleren Rahmen.
Auch den Beschäftigten kommt die neue Rechtsform zugute, indem sie eine Beteiligung der Arbeitnehmer auf europäischer Ebene ermöglicht.
Roboter übernehmen in der Praxis das Handling der Getriebe.