Editorial ? Kennziffer 22 Liebe Leserinnen und Leser, die Tendenz ist erfreulich.
Im letzten Jahr sind in Deutschland die Firmenpleiten si- gnifi kant zurückgegangen.
30.200 Fälle, das ist zwar immer noch eine Menge.
Aber immerhin auch sechs Prozent minus, meldet eine Wirtschaftsauskunftei.
Gleichzeitig bereichern einige spekta- kuläre Insolvenzen die Schlagzeilen der Wirtschaftsteile.
Allen voran jüngst der Fall Schlecker, dessen Drogeriemarkt- kette die Zeichen der Zeit verkannt hat und weiter auf Nahversorgung in schwer zugänglichen Regalgängen bei schmaler Personalbesetzung setzte.
Da waren die jetzt führenden Wettbewerber längst auf und davon – und mit ihnen die Kunden.
Der Strategiewechsel erfolgte deutlich zu spät.
Vor diesem Scherbenhaufen stehen auch Weltunternehmen, denen der glo- bale Wandel zu digitalen Prozessen zu- gesetzt hat: Manroland und Kodak.
Zwei klangvolle Namen der analogen Welt.
Kodak hat bereits 1975 eine Digitalka- mera entwickelt, unhandlich – vom For- mat eines veritablen Toasters, aber doch vorausschauend.
Warum das Unterneh- men aber ewig wartete, bis verbraucher- gerechte Modelle in den Markt kamen, weiß wohl nur das Management.
Den Markt machten andere Marken.
Dabei hält der Konzern eine Unmenge von Pa- tenten in der digitalen Technik, vom digi- talen Bild bis zum Druck und ist in zahl- reiche Prozesse verwickelt – gegen die heutigen Wirtschaftsheroen von Apple, Samsung oder HTC.
Weil diese Patente Bares wert sind, wird der Konzern wohl überleben.
Das Chapter 11 des ameri- kanischen Wirtschaftsrechts schützt ihn einstweilen vor dem Schuldendienst.
Aber nicht das Unternehmen vor Ma- nagementfehlern.
Protektion kann der Druckmaschinen- hersteller Manroland nicht erwarten.
Staatshilfe, wie beim Wettbewerber Hei- deldruck, entfällt.
Der Konzern ist zer- schlagen.
Der Rollen- und Bogenoffset leidet unter dem sich weltweit verän- dernden Medienverhalten.
Da reicht der prosperierende Verpackungsdruck nicht aus, um die verhagelte Bilanz aufzupolie- ren.
Der Nachfragedruck bei Verpackun- gen kommt vor allem aus Fernost.
Dort erwächst parallel kräftige Konkurrenz.
Mitten in der Insolvenz hieß es, Man- roland könne beispielsweise Guss-Ma- schinenteile auch im Auftrag fertigen.
Neue Strategien aber müssen rechtzei- tig greifen.
In letzter Sekunde reicht ein Strohhalm nicht mehr.
Alle drei Fälle zeigen überdeutlich, dass ein notwendiger Wechsel in der Unter- nehmensstrategie unterblieb, nicht mehr rechtzeitig greift oder zu spät kommt.
Kri- senmanagement, Veränderungen im Auf- bau des Unternehmens, Optimierung der Prozesse oder Wechsel in den Produkt- strategien sind schmerzlich vernachlässigt worden.
Transformationsmanagement ist nur noch Alibi, wenn das Produktionspro- gramm nicht mehr auf Nachfrage trifft.
Herzlichst Ihr Bernd Waßmann Stellvertr.
Chefredakteur handling GREIFTECHNIK www.iprworldwide.com IPR-Intelligente Peripherien für Roboter GmbH Industriestraße 29, 74193 Schwaigern Tel.
07138/812-100, Fax 07138/812-500 ANFORDERUNGEN BEGREIFEN PARALLELGREIFER WINKELGREIFER AUSGLEICHS- ELEMENTE WERKZEUG- WECHSLER ? Kennziffer 4