handling Februar 2012 6 www.handling.de Zur Sache Forientierte, abrikplanung ist der systematische, ziel- in aufeinander aufbauende Phasen strukturierte und unter Zuhilfe- nahme von Methoden und Werkzeugen durchgeführte Prozess zur Planung einer Fabrik von der ersten Idee bis zum Hochlauf der Produktion.
Die Fabrikplanung kann ebenso die später folgende Anpassung im laufenden Betrieb beinhalten.“ Diese VDI- Defi nition liest sich im ersten Augenblick recht nüchtern.
Ist Fabrikplanung deshalb eine trockene Disziplin? Nein, ganz im Gegenteil: Sie umfasst heute einen fas- zinierenden Spannungsbogen an unter- schiedlichen Aufgabenstellungen und An- forderungen.
Der Fabrikplaner besetzt mit seinem Tätigkeitsprofi l eine Schlüsselfunk- tion für zukunftsfähige Produktionsunter- nehmen.
Er muss dafür jedoch bereit sein, sieben verschiedene Rollen einzunehmen.
Rolle eins: Wertschöpfungsexperte Der Fabrikplaner hat zuerst einmal ein fundiertes Wissen zur Fabrik.
Er kennt die Produktionsabläufe, die Maschinen und Anlagen in Fertigung und Montage, die Logistikprozesse und Materialfl üsse, die Pro duktionsorganisation, die Produktions- planung und -steuerung und die Gebäu- detechnik.
Hier macht ihm keiner etwas vor.
Der Fabrikplaner bewegt sich auf Au- genhöhe mit der Produktion, der Logistik, der Qualitätssicherung und der Arbeitsvor- bereitung.
Oft hat er sein Tätigkeitsfeld in einer dieser Abteilungen oder ist zugleich Werkleiter – sofern er kein externer Planer ist.
Mit dem Fabrikplaner durch „seine“ Produktion zu gehen, ist die reinste Freu- de.
Er kennt jede Maschine und fi ndet ihre Position im Layout mit verbunden Augen.
Der Fabrikplaner kennt jede Gitterbox und weiß, warum sie an dieser Stelle platziert ist.
Als Wertschöpfungsexperte kennt er die Stärken und Schwächen der Produktion bis ins Detail.
Rolle zwei: Problemlöser Der Fabrikplaner ist ständig auf der Suche nach realisierbaren Lösungen.
Diese Aufga- be kann sehr vielschichtig sein: Mal ist es die Suche nach einem neuen Produktions- standort im In- oder Ausland oder die Er- richtung eines neuen Werks, die Integrati- on eines neuen Produktes in die Produktion oder die Einführung einer neuen Technolo- gie.
Permanent geht es darum, die Fabrik produktiver, fl exibler und termintreuer zu machen – und natürlich energieeffi zient.
Für die Bearbeitung dieser Anforderungen sieht sich der Fabrikplaner zugleich mit ei- ner Fülle von Restriktionen konfrontiert, die ihn zu Höchstleistungen anspornen: Der Zeitrahmen ist befristet, das Budget limi- tiert, die internen und externen Einfl uss- faktoren sind schier unüberblickbar.
Rolle drei: Projektmanager Als Projektmanager strukturiert der Fabrik- planer zuerst einmal das Planungsprojekt.
Er stellt sich ein Team zusammen, defi niert Arbeitsphasen, entwickelt Vorgehenswei- sen, formuliert Ziele, setzt Meilensteine und entwirft Richtlinien zur Projektdoku- mentation.
Und nun kommt das Projekt so richtig in Schwung, denn jetzt arbeiten Fabrikplaner sind von der radikalen Neuplanung auf der grünen Wiese bis zur Um- gestaltung und Anpassung einzelner Arbeitsplätze verant- wortlich für die Veränderung von physischen und organisa- torischen Strukturen.
Jeder Fa- brikplaner ist damit Experte für Veränderung und beherrscht das Wechselspiel zwischen der Realisierung von Neuem und dem Erhalt von Bewährtem.
Welche Rollen muss ein Fabrik- planer dafür einnehmen? Ein Essay von Dr.
Jürgen Bischoff, Partner und Mitglied der Ge- schäftsleitung bei Agiplan.
Die sieben Rollen des Planers Plädoyer für Fabrikplanung mit Leidenschaft Bei der Planung geht es vor allem darum, die Fabrik produktiver, fl exibler und termin- treuer zu gestalten.